Heroin wird bereits kontrolliert abgegeben.
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Heroin wird bereits kontrolliert abgegeben.

Drogenpolitik

Majer will weitere harte Drogen an Süchtige ausgeben

  • Georg Leppert
    vonGeorg Leppert
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Die kontrollierte Abgabe von Rauschgift in Frankfurt soll ausgeweitet werden.

Es sind weitreichende Vorschläge, die der Frankfurter Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Grüne) macht, und sie dürften im Römer auf heftigen Widerstand stoßen. Im FR-Interview plädiert Majer für eine kontrollierte Abgabe von Crack, er warnt davor, dass aus dem Bahnhofsviertel ein zweites Nordend wird, und kündigt zusätzliche Angebote für die Abhängigen an.

Majers Vorstoß kommt zu einer Zeit, in der der Ruf nach mehr Repressionen in Elbe-, Nidda- oder Moselstraße laut wird. Nicht nur die Opposition im Römer fordert eine Neuausrichtung der Drogenpolitik. Auch in der CDU, die gemeinsam mit SPD und Grünen die Stadtregierung bildet, gibt es Stimmen, die die Freiräume für Abhängige in Frankfurt für zu groß halten.

Zuletzt hatten die Christdemokraten dafür plädiert, das Zürcher Modell in Frankfurt einzuführen. Mehrere CDU-Politiker reisten deshalb Anfang der Woche in die Schweiz und zeigten sich davon angetan, dass Sozialarbeiter den Süchtigen dort Grenzen aufzeigten. Das führe dazu, dass weitaus weniger Menschen auf den Straßen lagerten als etwa in Frankfurt.

Auch Majer hält viel vom Zürcher Modell. Allerdings bestehe es bei weitem nicht nur aus Ansprachen an die Abhängigen, betont er. Vielmehr sagten die eingesetzten Teams aus Sozialarbeitern und medizinischem Personal auch Passanten ganz klar, dass die Abhängigen ein Recht hätten, sich in der Stadt aufzuhalten.

Im Umgang mit Cracksüchtigen möchte Majer ein Modellprojekt starten, das bundesweit einmalig wäre. Die Droge soll kontrolliert an Schwerstabhängige abgegeben werden. Als Vorbild dient die Abgabe von (synthetischem) Heroin, die 2002 unter der Ägide von Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) eingeführt wurde und die sich laut Majer sehr bewährt hat.

Bänke für Abhängige

In der Heroin-Ambulanz werden nach Auskunft des Gesundheitsdezernats derzeit 100 Menschen betreut. Es gibt 150 Plätze, doch die Hürden für eine Teilnahme sind hoch. So müssen die Betroffenen seit mindestens fünf Jahren schwerstabhängig sein und mehrere Therapien abgebrochen haben.

Wie viele Menschen für ein Crackprogramm infrage kämen, ist unklar. Die Stadt führt keine Statistik über die Zahl der Abhängigen. Dass es in den vergangenen Jahren mehr Süchtige geworden sind, die auf der Suche nach der Droge ins Bahnhofsviertel kommen, gilt aber als sicher. Die gesundheitlich oft stark angeschlagenen Menschen dominieren zunehmend das Straßenbild.

Ob und wann mit der Abgabe von Crack begonnen werden kann, ist unklar. Sofern Majer seine Koalitionspartner überzeugt, müsste der Bund dem Modellversuch zustimmen. Diese Hürde dürfte hoch werden. Das CDU-geführte Bundesgesundheitsministerium steht derartigen Reformen in der Drogenpolitik skeptisch gegenüber. Ein Vorstoß des hessischen Sozialministers Kai Klose (Grüne) für ein Modellprojekt zum sogenannten Drug Checking liegt nach wie vor auf Eis. Dabei sollen Drogenabhängige die Möglichkeit bekommen, den Reinheitsgehalt von Rauschgift bestimmen zu lassen.

Um die Zustände im Bahnhofsviertel kurzfristig zu verbessern, plant der Gesundheitsdezernent „ein ganzes Bündel an Maßnahmen“. Unter anderem plädiert er für Sitzgelegenheiten für Abhängige und mehr medizinische Angebote. Von Gewerbetreibenden und Investoren dürfte es in den kommenden Tagen Widerstände zu den Vorstößen geben. Sie hatten zuletzt beklagt, die Stadt Frankfurt mache das Viertel für Abhängige – auch aus dem Umland – erst attraktiv.

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