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Ein politischer Mottowagen mit der Figur von Angela Merkel (CDU), Bundeskanzlerin, spielt auf dem Rosenmontagszug auf die ·Groko· an.

Rosenmontagszug

Mainzer trotzen Sturm

Ein wenig gezickt habe das Wetter, rügt der Mainzer OB Ebling. Aber die Fastnachter lassen sich nicht beirren.

Allen Sturmprognosen zum Trotz haben die Mainzer am Rosenmontag den Höhepunkt ihrer Straßenfastnacht gefeiert. Hunderttausende jubelten dem Rosenmontagszug zu, schmunzelten über diesmal besonders bissige Satire und tanzten zur Blasmusik auf der Straße.

WETTER: Von Sonne über leichten Regen und heftigen Windböen bis zu einem kurzen Wolkenbruch war alles drin an diesem Rosenmontag. Eine Kaltfront am Vormittag brachte laut Deutschem Wetterdienst (DWD) im nahen Wiesbaden lediglich Böen von 57 Stundenkilometern. Im Vergleich dazu waren es in Geisenheim im hessischen Rheingau schon 89, im Raum Frankfurt erreichten Böen über 90 Stundenkilometer. Mainz sei vergleichsweise gut weggekommen, sagte ein DWD-Sprecher. "Das Wetter zickt ein wenig, aber der Frohsinn bezwingt es", sagte der Mainzer Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD).

START: Beim Start um 11.11 Uhr gab es ein wenig Verwirrung, nach einer falschen Meldung über Dachziegel, die sich im Wind gelöst haben sollten. "Die Garden haben etwas irritiert geguckt, sind dann aber gleich gestartet", sagte Zugmarschall Markus Perabo.

MOTIVWAGEN: Brexit, Trump, AfD, SPD - die Motivwagen beim diesjährigen Rosenmontagszug in Mainz haben ein breites Spektrum behandelt - und sich durchaus bissig gezeigt. Über der SPD-Chefin Andrea Nahles aus Pappmaché, die aus viel zu großen Schuhen nach vorne stürzt und so manchen Zahl verliert, prangte ihr Zitat: "Auf die Fresse." Auch die Missbrauchsskandale kamen zur Sprache, ein Geistlicher hastet "zur nächsten Gemeinde" - mit einem Koffer in der Hand, auf dem zu lesen war: "Lasset die Kindlein zu mir kommen." US-Präsident Donald Trump kutschierte als klimaverpestendes Rindvieh durch Mainz, die britische Queen flüchtete mit einem Asylantrag vor dem EU-Austritt ihres Heimatlandes. Und hinter einem adrett gescheitelten AfD-Politiker auf einem Wahlplakat sprang auf der Rückseite ein Neonazi mit brennender Fackel hervor.

PFERDE: Rund 100 Tiere mussten diesmal im Stall bleiben. "Der Zug läuft in abgespeckter Version", sagte Zugmarschall Markus Perabo. Auch die großen Schwingfahnen des Umzugs wurden diesmal nicht mitgeführt. Im nächsten Jahr sollen die Pferde aber wieder dabei sein. "Sie sind ein wichtiger Bestandteil des Rosenmontagszuges", sagte Michael Bonewitz vom Mainzer Carneval-Verein (MCV). "Und die Reiter sind auch Tierliebhaber."

Teilnehmer mit Hochrädern vom "Radfahrer-Verein Opel" fahren auf dem Rosenmontagszug mit.

ZUSCHAUER: Etwas weniger Zuschauer waren diesmal beim Mainzer Rosenmontagszug dabei als in vergangenen Jahren. Der MCV schätzte, dass etwa 450 000 Menschen den Umzug am Straßenrand verfolgten. "Die 500 000 haben wir in diesem Jahr wohl nicht geschafft", sagte Zugmarschall Markus Perabo. Zuvor hatte der MCV von 550 000 erwarteten Zuschauern gesprochen. "Es war gut besucht, an einigen Stellen war es etwas lichter als das Jahr davor", sagte Perabo.

PROMINENTE: "Heute ist das Wetter der Hauptgegner", frotzelte die CDU-Landesvorsitzende Julia Klöckner, die es sich auch als Bundesagrarministerin nicht nehmen ließ, in der Ranzengarde mitzulaufen. "Aber wir halten durch, es gibt kein schlechtes Wetter." Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin und stellvertretende SPD-Bundesvorsitzende Malu Dreyer (SPD) verfolgte den Umzug auf der Tribüne am Gutenbergplatz, im Schatten des Doms. Kritik an der Politik gehöre dazu, sagte Dreyer. "Fastnacht ist dafür da, die Politik auf die Schippe zu nehmen." Auch der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf fuhr auf dem Wagen des Karneval-Club Kastel (KCK) mit. Der Bischof war vor einem Jahr zum Ehrenmitglied KCK Karneval Club Kastel 1947 ernannt worden. Auch viele Profi-Fußballspieler des 1. FSV Mainz 05 rollten gut gelaunt auf einem Wagen durch die Stadt.

MUSIK: Von Meenzerisch bis hin zu Anleihen beim Après Ski: Auch musikalisch war der Mainzer Rosenmontagszug einmal mehr äußerst bunt. Mit dabei waren wie jedes Jahr einheimische Klassiker wie "Im Schatten des Doms" oder "Olé Olé Fiesta", aber auch Mitgröhl-Hits, die in diesen Monaten an vielen Skipisten ebenfalls zu hören sind - von "Mama Laudaaa", das nach der Mutter von Ex-Rennfahrer Niki Lauda fragt, oder "Cordula Grün". Dazwischen durfte natürlich - wie immer in Mainz - die Blas- und Trommlermusik der zahlreichen Garden nicht fehlen - gerne genommen die Ohrwurm-Melodie das "Humba, humba, tätärä". Damit heizte zum Beispiel die Mainzer Prinzengarde noch am Ende des Zuges kräftig ein. "Jetzt sind wir hier, jetzt feiern wir hier", sangen die Mainzer Hofsänger.

NACH DEM UMZUG: Die insgesamt 8665 aktiven Teilnehmer zogen sich nach absolvierter Sieben-Kilometer-Strecke in ihre "Feldlager" zurück. Alle anderen feierten auf den Straßen und in den Kneipen weiter. Hotspots waren die Altstadt und der Schillerplatz mit der sich anschließenden Ludwigstraße. (dpa)

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