Internetkriminalität

Mainz: Drohung gegen Stadtrat Maurice Conrad

  • Hanning Voigts
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Der Mainzer Stadtrat und „Fridays for Future“-Aktivist Maurice Conrad hat eine Drohmail erhalten. Das sorgt vor allem für Wirbel, weil es kurzzeitig so aussieht, als könne sie von einem hessischen Polizisten stammen.

Die E-Mail kam am Sonntagabend um 20.11 Uhr. „Ich wusste gar nicht, dass man mit prekärer Bildung Stadtrat wird“, heißt es in der Nachricht an den Mainzer Stadtrat und „Fridays for Future“-Aktivisten Maurice Conrad. Anschließend wird Mainz als „Drecksloch auf der anderen Rheinseite“ bezeichnet. Und dann heißt es in der E-Mail noch: „Ich empfehle im Übrigen das allabendliche Gebet, dass wir 2 uns niemals über den Weg laufen. Wäre gesünder.“

Maurice Conrad selbst hat die E-Mail in der Nacht zu Montag über seinen Twitter-Account veröffentlicht. Dass der 20-jährige Lokalpolitiker damit auf sehr große Resonanz gestoßen ist, hat vor allem mit dem Absender der Nachricht zu tun. Denn auf den ersten Blick sah es so aus, als könnte sie von einem hessischen Polizeibeamten stammen. Die Mailadresse des Absenders endet auf „@polizei.hessen.de“, dem dienstlichen Domänenteil aller hessischen Polizistinnen und Polizisten.

Das hessische Landeskriminalamt (LKA) und die Staatsanwaltschaft Wiesbaden haben Ermittlungen in dem Fall aufgenommen. „Wir prüfen den Sachverhalt“, sagte ein LKA-Sprecher der Frankfurter Rundschau auf Anfrage am Montag. Dazu stehe man im Kontakt mit der Hessischen Zentrale für Datenverarbeitung (HZD), dem zentralen IT-Dienstleister des Landes – vor allem, um zu klären, ob die E-Mail echt oder möglicherweise eine Fälschung sei.

Ein erstes Ermittlungsergebnis teilte das LKA am Montagabend mit: Man habe zweifelsfrei feststellen können, „dass die besagte E-Mail nicht von der angezeigten E-Mail-Adresse der hessischen Polizei versendet wurde“. Die Ermittlungen zur Identifizierung des Urhebers der Nachricht liefen dennoch weiter, hieß es.

Tweets zu Polizeigewalt

Technisch ist es ohne allzu großen Aufwand möglich, bei einer E-Mail eine falsche Identität des Absenders vorzutäuschen. Dieses Vorgehen wird „Spoofing“ genannt und häufig von Internetbetrügern genutzt.

Maurice Conrad sagte der FR am Montagvormittag, er fühle sich von der E-Mail ernsthaft bedroht. „Gestern Abend ging’s mir ziemlich schlecht“, sagte er. „Ich habe auch nicht gut geschlafen.“ Dass die E-Mail echt sei, halte er deshalb für möglich, weil die Nachricht auf seiner Adresse beim Maildienst „Gmail“ des Internetkonzerns Google eingegangen sei. Gefälschte Nachrichten landeten dort regelmäßig im Spamfilter.

Zur Frage, warum er möglicherweise ins Visier eines Polizisten geraten sein könnte, sagte Conrad am Montagvormittag, er habe sich zuletzt in polemischer, zugespitzter Weise zu den Themen Rassismus und Polizeigewalt geäußert. Es habe sich aber um harmlosen „Twitter-Humor“ gehandelt, sagte Conrad.

Hermann Schaus, innenpolitischer Sprecher der Linksfraktion im Hessischen Landtag, schaltete sich am Montag in die Debatte ein, als die Echtheit der Mail noch nicht geklärt war. Sollte die E-Mail tatsächlich von einem Polizisten stammen, „dann sind sofortige Disziplinarmaßnahmen mit dem Ziel der Entfernung aus dem Dienst angebracht“, sagte Schaus.

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