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Angenagte Bäume können jederzeit umfallen. Der Uferweg am Königsee wurde deshalb gesperrt.
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Angenagte Bäume können jederzeit umfallen. Der Uferweg am Königsee wurde deshalb gesperrt.

Mainhausen/Seligenstadt

Mainhausen: Fleißige Biber schaffen Unfallgefahren

  • Annette Schlegl
    VonAnnette Schlegl
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Biber haben den Uferweg am Königsee in Mainhausen unterhöhlt. Die Gemeinde hat diesen Weg nach Seligenstadt mittlerweile gesperrt, aber Uneinsichtige missachten die Verbote.

Der streng geschützte Biber hat den Osten des Kreises Offenbach in Beschlag genommen. Genau genommen ist es nicht nur einer, sondern eine ganze Kolonie, die sich in Mainhausen und Seligenstadt wohlfühlt. Naturfreunde und Naturschützer freut das, bei den Kommunen hält sich der Jubel aber in Grenzen. Die unermüdlichen Baumeister sorgen nämlich vor allem am Nordufer des Königsees im Mainhausener Ortsteil Zellhausen, an der Grenze zu Seligenstadt, für Probleme: Sie haben den Uferweg unterhöhlt, es besteht akute Unfallgefahr. Der Waldweg ist mittlerweile gesperrt, aber uneinsichtige Zeitgenossen missachten die Verbote.

„In Mainhausen hat es die ersten Biberaktivitäten bereits 2016 gegeben“, sagt Bürgermeister Frank Simon (SPD). Sie seien erst am Anglersee und an den zwei Naturschutzseen im Ortsteil Mainflingen aufgetaucht, hätten ihre Aktivitäten dann aber an den Königsee und den Mühlbach verlagert. Der Bach führt am Ostufer des Sees vorbei und fließt nach Seligenstadt weiter, wo er den Namen Schleifbach trägt und in den Main mündet. Seit dem Vorjahr habe sich die Population des Nagers deutlich vergrößert. Damit gebe es auch mehr Schäden, so der Bürgermeister.

Zahlreiche gefällte und angenagte Bäume künden von mehreren Biberfamilien, die auch unterirdisch zugange sind. Die Höhlen, die sie vor allem am nördlichen Hauptuferweg des Königsees in die Uferböschung gegraben haben, stellen eine große Gefahr dar, weil sie unsichtbar und einsturzgefährdet sind. Außerdem können angenagte Bäume jederzeit umfallen.

Fakten über den Biber

Im Jahre 1596 wurde der letzte hessische Biber an der Gersprenz im Odenwald gesichtet.

In den späten 1980er-Jahren begann ein Wiederansiedlungsprojekt mit 18 Bibern, die im Spessart ausgesetzt wurden.

Laut NABU gibt es in Hessen mittlerweile wieder mehr als 1000 Biber.

Im Kreis Offenbach wurde das erste feste Biberrevier 2011 kartiert. „Einzelne kurzzeitige oder unbemerkte Vorkommen gab es sicherlich früher“, so Ulrich Götz-Heimberger, einer von zwei Biberbeauftragten des Darmstädter Regierungspräsidiums (RP).

Die Biberreviere liegen im Wesentlichen am Main, an der Rodau und am Bieberbach sowie deren Umfeld. Statistisch geht der Experte von 3,3 Tieren je Revier aus. Eine Biberpopulation wächst aber nur, so lange es genug geeigneten Lebensraum gibt.

Die Tiere müssen stets nagen, um ihre ständig wachsenden Zähne abzuwetzen. Durch ihre Bautätigkeit schaffen sie Kleingewässer und Feuchtwiesen, tragen zur Renaturierung von Fließgewässern bei und sorgen für zahlreiche neue Lebensräume für Libellen, Amphibien und Reptilien, Fische und Vögel.

Zur Vermeidung von Überschwemmungen können Biberdämme abgesenkt werden. Um Unfallgefahren zu vermeiden, können Bäume mit Drahthosen vor dem Verbiss geschützt werden. Ungenehmigte Eingriffe stellen allerdings einen Straftatbestand dar.

Das Regierungspräsidium berät und schlägt mögliche Maßnahmen vor, der Gewässerunterhaltungspflichtige entscheidet dann, ob die Maßnahmen umgesetzt werden sollen. ann

Eine Begehung mit allen beteiligten Behörden ergab jüngst, dass der Waldweg am Nordufer des Sees langfristig gesperrt werden muss – obwohl er bei Fußgänger:innen und Radfahrer:innen als Verbindung zwischen Mainhausen und Seligenstadt sehr beliebt ist. Eine Umsiedlung des unter Schutz stehenden Bibers ist nach dem Bundesnaturschutzgesetz in Einzelfällen zwar erlaubt – etwa, wenn Wasserkraft-, Klär- oder Hochwasserschutzanlagen gefährdet sind. Diese Voraussetzungen sind laut Oberer Naturschutzbehörde am Königsee jedoch nicht erfüllt.

Drainagerohre im Biberstaudamm sollen dafür sorgen, dass das Wasser trotzdem fließen kann.

Der Bürgermeister erklärt, dass man Drainagerohre in den Damm des Bibers legen darf, wenn Gefahr im Verzug ist, weil sich durch den Dammbau das Wasser bedrohlich staut. Am Mühlbach, der vor ein paar Jahren renaturiert wurde, habe der Nager - nicht weit vom Bauhof entfernt - schon sechs Dämme gebaut. Vier davon haben Bauhofmitarbeiter mittlerweile in Abstimmung mit der Oberen Naturschutzbehörde – genauer gesagt mit dem Biberbeauftragten des Regierungspräsidiums Darmstadt – durchrohrt und so dafür gesorgt, dass sich das Wasser nicht mehr staut und weiterfließen kann. Am Eingang wurden die Rohre mit Drahtkörben versehen, damit kein Schmutz hineingespült wird. Mit den Drainagen konnte verhindert werden, dass das benachbarte Gewerbegebiet Ostring aufgrund des höheren Wasserstandes überschwemmt wird. Der Mühlbach dient dort nämlich als Vorfluter, er führt Regenwasser als Oberflächenwasser ab. In der Nachbarkommune Hainburg habe es durch Biberdämme schon Überflutungen gegeben, aber „wir haben hier rechtzeitig eingegriffen“, so der Gemeindechef.

Am Königsee seien zudem viele Bäume am Ufer mittlerweile durch Maschendraht geschützt. „Kleinere Bäume fällt der Biber aber nach wie vor“, so Simon. Außerdem sei der Norduferweg fast komplett unterhöhlt. Die Gemeinde Mainhausen und die Stadt Seligenstadt haben deshalb Absperrungen und Warnhinweise aufgestellt. Unter Verbotsschildern hängen Tafeln mit der Aufschrift „Biberschäden“ und „Achtung Lebensgefahr“. Trotzdem seien immer wieder Menschen auf den gesperrten Wegen unterwegs, so Simon. „Einige Leute haben die mobilen Absperrungen umgangen, beiseite geräumt, weggebogen oder sogar aus der Verankerung getreten.“ Deshalb werden jetzt umgestürzte Bäume nicht mehr weggeräumt. „Um ein Zeichen zu setzen und den Reiz zu nehmen da durchzulaufen.“

Biber sind eigentlich ein Glücksfall für den Natur- und Artenschutz, weil sie neue, sehr abwechslungsreiche Lebensräume schaffen.

„Bestimmt 5000 Euro“ habe die Gemeinde schon für Materialien wie Bauzäune, angefertigte Schilder und Personal ausgegeben, sagt der Bürgermeister. Zwei Bauhofmitarbeiter kontrollieren die Gewässer zweimal pro Woche. Außerdem ist das Ordnungsamt an den Wochenenden vor Ort – und greift durch. „Wer die Sperrzonen betritt, begeht eine Ordnungswidrigkeit und zahlt ein Bußgeld “, so das Gemeindeoberhaupt. Die Kommunen haben nämlich die Wegesicherungspflicht und sind in der Haftung.

Simon appelliert zusammen mit dem Seligenstädter Bürgermeister Daniell Bastian (FDP) an die Vernunft der Bürger und Bürgerinnen, die vorhandenen Absperrungen zu beachten und das Gebiet weitläufig zu umgehen.

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