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Zuerst nur mit Vieh gehandelt

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Die Ursprünge des Hofheimer Gallusmarktes reichen bis ins 14. Jahrhundert. Heute dominieren ein Jahrmarkt und fliegende Händlern. Von Jöran Harders

Von Jöran Harders

Auch wenn es den Hofheimer Gallusmarkt schon ziemlich lange gibt - zum 657. Mal, wie es die offizielle Zählung will, wird der Markt noch nicht begangen. Zwar hat König Karl IV. dem Grafen Philipp von Falkenstein das Marktrecht für die Stadt im Jahr 1352 gewährt, aber dabei ging es um einen Wochenmarkt.

1529 wurde dann ein Kaufhaus mit offenen Arkaden im Erdgeschoss gebaut; darüber waren Rathaus und Gericht untergebracht. "Den eigentlichen Gallusmarkt gibt es erst seit 1832, und zwar zunächst als Viehmarkt, später dann als Jahrmarkt", erklärt Joachim Janz. Der gebürtige Hofheimer ist Mitglied der Bürgervereinigung Hofheimer Altstadt und hat sich eingehend mit der Marktgeschichte beschäftigt.

Und die war keinesfalls so lückenlos, wie man denken könnte. "Der Markt hatte seine Hoch- und Krisenzeiten", so Janz. Als im Vordertaunus die Woll- und Textilerzeugung aufkam, wurde 1600 ein Wollemarkt eingeführt. Überregionale Bedeutung erlangte der Hofheimer Markt jedoch nie.

Zahl der Geschäfte stieg an

In Kriegszeiten fand gewöhnlich kein Markt statt. Im Jahr 1814 etwa war die Stadt nach dem Durchzug von Hunderttausenden von Soldaten nach der Völkerschlacht im November 1813 so ausgeplündert, dass an Handel gar nicht zu denken war. Auch der Erste Weltkrieg bedeutete eine Zäsur. Danach zog der Gallusmarkt von einem Platz an der Niederhofheimer Straße 1919 auf den Kellereiplatz um. Seine Bedeutung als Kaufmarkt hatte er da bereits weitgehend verloren.

"Im Mittelalter und bis ins 19. Jahrhundert gab es in kleineren Städten wie Hofheim im Grunde keinen Einzelhandel. Nach dem Bau der Eisenbahn stieg die Zahl der Geschäfte nach und nach an, und Märkte wurden für die Versorgung mit Lebensmitteln und Gebrauchsgegenständen weniger wichtig", stellt Joachim Janz fest. So musste sich der heutige Wochenmarkt nach dem Zweiten Weltkrieg erst langsam wieder etablieren. "Das brauchte ein paar Anläufe, bis es schließlich wieder einen nennenswerten Markt gab."

Der Jahrmarkt erfreute sich seit dem 19. Jahrhundert steigender Beliebtheit. "Vor allem in den damals noch zahlreichen Gaststätten war während des Gallusmarkts eine Menge los", weiß Janz. Attraktionen waren das Marktschießen, Karussells und Schiffschaukeln, aber auch zahlreiche Tanzveranstaltungen, für die 1905 sogar eigens ein Ballsaal gebaut wurde.

Neben dem Jahrmarkt sind heute vor allem die Stände der fliegenden Händler attraktiv, die ihren Platz einst in der Burgstraße hatten. Heute findet sich dieser Krammarkt in der Kirschgartenstraße und am Untertor.

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