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Yin und Yang zwischen Buchdeckeln

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Auch wenn es zum Lebensunterhalt nicht reicht - mit ihrem Yinyang-Verlag hat die Kelkheimerin Regina Berlinghof ihr Glück gefunden. Von Jöran Harders

Von Jöran Harders

Es waren "unverhoffte und völlig ungeplante Ereignisse", die dazu geführt haben, dass Regina Berlinghof heute ihren eigenen Verlag hat. "Ein großer Glücksfall", so erzählt die Kelkheimerin, "war ein Anruf der Erben von Hans Bethge im Dezember 2000". Als der Neffe des Dichters anfragte, ob sie daran interessiert sei, Bethges Übersetzungen orientalischer Lyrik neu herauszugeben, sagte sie noch am Telefon zu. Schließlich war es ein zerschlissenes, antiquarisch erstandenes Bändchen dieser Nachdichtungen gewesen, das in den 70er Jahren ihre Liebe zu dieser Art von Literatur geweckt hatte.

Bis 27 war sie Atheistin

Durch ihre Zusage sei sie "ganz plötzlich eine richtige Verlegerin geworden" - mit einem bekannten Autorennamen im Programm. Zuvor hatte sie bereits ein eigenes Buch herausgebracht. Zum Schreiben kam Regina Berlinghof durch eine spirituelle Erfahrung. Zwölf Jahre brauchte sie danach, bis sie wusste, wie sie über diese Erfahrung berichten wollte, und schrieb einen Roman über die Liebe zwischen Maria Magdalena und Jesus. "Bis ich 27 war, war ich Atheistin. Dann habe ich erkannt, dass Religion nicht mit dem Verstand, sondern nur intuitiv erfasst werden kann. Dogmen und Glaubenssätze verstellen den Blick auf das Göttliche."

Diese Überzeugung fand Berlinghof zuerst bei dem persischen Dichter Hafis wieder, später auch in den Schriften indischer Mystiker und chinesischer Zen-Buddhisten. Zu ihrer Begeisterung für diese Literatur kamen weitere glückliche Zufälle, die dafür sorgten, dass in Berlinghofs Yinyang-Verlag mittlerweile 24 Titel erschienen sind. "Die Bücher stapeln sich alle in meiner Zwei-Zimmer-Wohnung", sagt die Verlegerin, die ihren Lebensunterhalt nach wie vor mit einer Halbtagsstelle als IT-Angestellte bei einer Investmentbank verdient.

Denn Gewinn macht sie mit ihrer literarischen Nebentätigkeit nicht. Wenn es um verkaufte Bücher geht, rechnet sie "in Hunderten und nicht in Tausenden". Dass sie beispielsweise die erste deutsche Übersetzung von Versen der indischen Mystiker Kabir und Mirabai veröffentlichen konnte, verdankt sie einer zufälligen Buchmessen-Bekanntschaft. "2003 bin ich dort mit einer Inderin ins Gespräch gekommen, deren Tochter Übersetzerin ist." Folge dieser Bekanntschaft waren zwei Gedichtbände mit Übetragungen direkt aus dem mittelalterlichen Hindi.

"Das Christentum hat eine gewisse Leibfeindlichkeit", begründet Berlinghof ihre Hinwendung zu den östlichen Religionen. Im Orient gebe es diese Trennung von Körper und Seele nicht. Dort gelte das Physische als Ausdruck des Geistigen. "Das Grenzüberschreitende ist mein Thema." Fasziniert ist sie von dem Gefühl des Einswerdens mit der Schöpfung, das im Buddhismus und Hinduismus eine große Rolle spielt. "Viele große Ideen verdanken wir nicht der abendländischen Logik mit ihrem Ja-Nein-Denken, sondern einer Haltung, die keinen Unterschied zwischen Gott, Mensch und Ameise macht."

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