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„Wunderbar“ in der Zwangspause

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Die Wirte Ralf Otto und Anne-Katrin Dembczyk sind verärgert.
Die Wirte Ralf Otto und Anne-Katrin Dembczyk sind verärgert. © Martin Weis

Die Stadt Eppstein gestaltet den Vorplatz des Bahnhofs um - und stößt auf Kritik bei der „Wunderbar“. Die Restaurantbesitzer sorgen sich um zu wenige Parkplätze.

Von Tom Weimar

Ralf Otto ist sauer: „Die haben uns komplett von der Außenwelt abgeschnitten“, schimpft der Gastronom. Er ist einer der drei Inhaber des Restaurants „Wunderbar Weite Welt“ im Eppsteiner Bahnhofsgebäude und findet sich derzeit inmitten einer großen Baustelle wieder. Die Stadt Eppstein lässt den Vorplatz des Stadtbahnhofes komplett umbauen: Eine neue Bushaltestelle entsteht direkt vor dem Gleis.

Deswegen ist die Sandsteinbrücke, die von der Bundesstraße B 455 zum Bahnhof führt, für drei Wochen gesperrt. Und auch die Wunderbar bleibt bis 30. August geschlossen. Das sei für das Restaurant eine „verordnete Zwangspause“, weil drei Wochen lang niemand über die Brücke zufahren könne und die Küche somit nichts geliefert bekomme, sagt Ralf Otto.

Vor Ort sind die Wirte trotzdem. Otto und seine Kolleginnen Sylvie Schramm und Anne-Katrin Dembczyk, die Mitinhaberinnen der Wunderbar, stehen vor dem Restaurant – zwischen Bauzäunen, Barrikaden und Bergen an Bauschutt. „Ob das alles Sinn macht in der Dimensionierung, daran habe ich meine Zweifel“, sagt Ralf Otto.

Entlastung durch mehr Parkplätze

Schramm und Dembczyk pflichten ihm bei: Jetzt, wo durch die Neutrassierung der Gleise mehr Platz entstanden sei, hätte man anstatt der neuen Bushaltestelle mehr Parkplätze schaffen und damit auch die Altstadt entlasten können, findet Dembczyk. Mit nur knapp 30 Kurzparkplätzen vor dem Busbahnhof, werde es ein „Gewurschtel“ geben, ist sie überzeugt. Gerade mittags, wenn die Langzeitparkplätze hinter den Gleisen noch von Pendlern besetzt seien, fänden Gäste der Wunderbar keine Parkmöglichkeit und würden dann wegbleiben.

Das Tagesgeschäft im Restaurant komme nur am Wochenende in die schwarzen Zahlen, schrieben die Wirte schon vor Monaten an die Eppsteiner Stadtverordneten. Sie befürchten, bei rückläufigen Tagesumsätzen die bisherigen Öffnungszeiten werktags auf die Abende beschränken zu müssen. Otto und seine Mitstreiterinnen wollten erreichen, dass etwa 50 zusätzliche Parkplätze vorgesehen werden. Dafür hatten sie bereits eine Alternativplanung skizziert und an den ÖPNV geschickt. Der lehnte jedoch ab. Auch von den Parlamentariern gab es keine Zusage.

Die provisorischen Langzeitparkplätze hinter den Gleisen bergen für die Wunderbar noch ein anderes Problem: Schramm sieht die Pfützen auf dem Parkplatz und dann „den Schlamm auf unserem Parkett“. In diesen Punkt gibt Bürgermeister Alexander Simon (CDU) Entwarnung: Die Langzeitplätze, teils noch auf Erdboden, würden bis zum 25. August komplett geschottert. Nichtsdestotrotz bleibe bei Regen das Wasser vorerst stehen, weil darunter Felsen ist, räumt der Verwaltungschef ein.

Regenwasser bleibt stehen

Wirtin Schramm sorgt sich auch um Frauen, die nachts um halb eins, wenn das Restaurant schließt, durch die dunkle Unterführung zum Auto laufen müssen. Eppstein sei die „zweitsicherste Stadt im Main-Taunus-Kreis“, kontert Simon. Zudem habe die Deutsche Bahn in der beleuchteten Unterführung bereits einen Aufzug gebaut. Die mehr als 200 Parkplätze auf der anderen Gleisseite, die im nächsten Jahr gebaut werden, seien für die Wunderbar „ein Luxus, der auch ein Anreiz sein soll“. Wer dort sein Auto abstelle, sitze in weniger als zwei Minuten am Tisch.

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