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Das Wunder von Gimbach

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Von: Torsten Weigelt

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Kelkheim Archäologen entdecken die Fundamente einer alten Kapelle

Es ist fast wie ein Wunder“, sagt Margret Schiela. Sie steht mitten im Garten ihres Ausflugslokals – und gleichzeitig auf fast heiligem Boden. Denn dort, wo seit mehr als hundert Jahren Gras und Kräuter wachsen, stand einstmals eine der bedeutendsten Wallfahrtskapellen des Rhein-Main-Gebiets.

1830 war die Kapelle abgerissen worden und seitdem gab es zwar Vermutungen, wo sich das Gebäude einmal befunden hatte, aber keine Beweise. Doch Margret Schiela, deren Familie den Gimbacher Hof seit mehr als hundert Jahren bewirtschaftet, wollte endlich Gewissheit haben. Sie engagierte auf eigene Kosten den Geophysiker Richard Voigt, der die Vorarbeiten zu den Ausgrabungen leistete. Die übernahm dann der Archäologe Frank Lorscheider im Auftrag des Landesamts für Denkmalpflege.

Und kaum hatte der den Spaten angesetzt – „da hatte er auch schon den ersten Stein gefunden“, schildert Margret Schiela. Der gehörte allerdings nicht zu der Kapelle, sondern zu einem weiteren Gebäude. „Es ist die klassische Unterkonstruktion eines Fachwerkbaus“, sagt Lorscheider.

Er vermutet, dass es sich dabei um eine Eremitage handelt, in der die Mönche lebten, die die Kapelle betreuten. Kelkheims Stadtarchivar Dietrich Kleipa hingegen geht davon aus, dass es dafür zu klein war. Aus seiner Sicht ist es das Wohnhaus der Kapläne, die sich vom 13. bis ins 16. Jahrhundert um die Kapelle kümmerten, als es noch keine Wallfahrten nach Gimbach gab.

Wie auch immer: Bei dem zweiten Gebäude, das Lorscheider kurz darauf nur wenige Meter neben dem ersten Fund entdeckte, sind sich beide einig: „Hier stand eindeutig die Wallfahrtskapelle“, sagt Kleipa. Lorscheider legt sich immerhin zu „99,9 Prozent“ fest.

Wobei das Fundament sehr wahrscheinlich schon einen Vorgängergebäude getragen hat. Denn es stammt aus dem 14. Jahrhundert, während die eigentliche Dreifaltigkeits-Kapelle erst 1709 an derselben Stelle errichtet worden ist. Ein Fund Lorscheiders verweist sogar auf eine noch frühere Zeit: eine verzierte Kachel aus dem Hochmittelalter. Es gibt also noch einiges zu erforschen im Garten von Gimbach.

Allerdings dürften die ausgegrabenen Fundamente schon bald wieder unter Erde und Gras verschwinden. „So können sie am besten konserviert werden“, sagt Lorscheider. Was mit der Kachel und den anderen Grabungs-Funden passiert, ist noch offen. Laut Gesetz gehören sie dem Land Hessen. „Wir werden uns mit Frau Schiela unterhalten“, sagt Udo Reckers vom Denkmalpflege-Amt. Und lässt durchblicken, dass er nichts dagegen hat, die Funde öffentlich zugänglich zu machen. „Da werden wir eine Lösung finden.“

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