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Witz und Weizen

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Von: Kerstin Klamroth

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Peter Braun erstellt QR-Codes, die Smartphone-Nutzer über Straßennamen informieren.
Peter Braun erstellt QR-Codes, die Smartphone-Nutzer über Straßennamen informieren. © Martin Weis

Wer wissen will, wo der Name einer Straße herkommt, kann im Hofheimer Stadtarchiv nachforschen oder sein Smartphone befragen. QR-Codes, die Peter Braun im Stadtgebiet angebracht hat, geben Auskunft darüber, was „In der Witz“ bedeutet und woher die Taubengasse ihren Namen hat.

Warum hat die Taubengasse nichts mit Tauben zu tun? Wie wurde die Langgasse lang und wie bekam die „Graad Gass“ einen Knick? Hinter den Straßennamen steckt oft eine interessante Geschichte. Wer sie erfahren will, kann Stadtführer Joachim Janz bei seinen Spaziergängen durch die Altstadt folgen oder bei Roswitha Schlecker im Stadtarchiv nachfragen. Schneller geht´s mit den QR-Codes, die Peter Braun an die Pfosten mancher Straßenschilder geklebt hat. Dort wird der Ursprung der Straßennamen sogar auf Englisch, Französisch und Italienisch erklärt.

Braun kam vor einiger Zeit auf die Idee, als ein Besucher aus Hofheims polnischer Partnerstadt Pruszcz Gdanski ihn ansprach: „What does ‚in the Witz‘ mean?“ Der Lorsbacher musste die Antwort schuldig bleiben, beschloss aber, sich schlau zu machen. Heute weiß der Diplom-Ingenieur, dass Witz im 18. Jahrhundert der Begriff für Weizen war. Zwischen Wilhelmstraße und Am alten Bach wurde bis 1900 Weizen angebaut. Der parallel zur Witz verlaufende Schwarzbach sorgte für gute Bewässerung.

„Ein Straßenname wie Am alten Bach erschließt von selbst“, so Braun. Doch wer wisse heute noch, dass die Taubengasse ihren Namen von den sogenannten Dauben hat, Längshölzern, aus denen ein Küfer in der historischen Bauweise ein Wein- oder Bierfass zusammensetzte?

Brauns kleine Pixel-Quadrate, in ehrenamtlicher Tätigkeit erstellt, erklären Smartphone-Nutzern die Geschichte von acht Straßennamen. Vorausgesetzt, die Etiketten bleiben eine Weile hängen. „Einige Anwohner entfernen die Quadrate, weil sie sie für Werbung halten“, bedauert Braun. „Dabei haben manche Städte wie zum Beispiel Minden die QR-Codes sogar ins Kopfstein-Pflaster eingebaut, um Touristen zu informieren.“ Der große Vorteil von QR-Codes, so Braun, sei die Flexibilität. Ändere sich etwas, so müssten teure Hinweisschilder nicht mühsam ausgetauscht werden.

Noch auf alt hergebrachte Weise schlummern die Erklärungen für Straßennamen im Karteikasten von Roswitha Schlecker. Seit 34 Jahren führt die studierte Germanistin das Hofheimer Stadtarchiv und hat sich im Laufe der Zeit auch das eine oder andere zu Straßennamen notiert. Besonders gefragt waren solche Informationen, als 1972 Diedenbergen, Langenhain und Lorsbach sowie 1977 Wallau und Wildsachsen eingemeindet wurden.

Es durfte nämlich kein Straßenname doppelt existieren. „Welche Probleme dies macht, kann man gut an der Elisabethenstraße sehen, die es in Hofheim und Kriftel gibt“, erklärt Schlecker und berichtet von umherirrenden Lastwagenfahrern, die im Einbahnstraßenverkehr stecken blieben.

Hin und wieder rufen Anwohner im Stadtarchiv an und wollen etwas über „ihren“ Straßennamen wissen. Massiv hatten sich die Anwohner der Adolfstraße beschwert, weil sie der Ansicht waren, der Straßenname nehme Bezug auf Hitler. Dabei sollte er an den Herzog Adolph von Nassau erinnern, der 1839 bis 1866 regierte. Im Zuge der Rechtschreibreform war ihm das „ph“ abhanden gekommen. Um alle Verwechslungen auszuschließen, wurde im Jahr 2000 die Straße offiziell in Herzog-Adolph-Straße umbenannt.

Über die Schreibweise waren sich Stadt und Anwohner auch bei der Stollbergstraße nicht einig. Ein Heimatforscher überpinselte das zweite „l“ , weil er der Meinung war, der Namen beziehe sich auf das Adelsgeschlecht von Stolberg. Bis heute gibt es beide Versionen auf den Straßenschildern.

Heute werden neue Straßennamen von der Stadtverordnetenversammlung beschlossen. Die Vorschläge kommen meist aus dem jeweiligen Ortsbeirat. Dort haben auch Bürger die Möglichkeit, ihre Ideen einzubringen. Oft werden für ein Neubaugebiet Blumen- oder Vogelnamen gewählt. Gewürdigt werden aber auch Kommunalpolitiker wie die erste weibliche Stadtverordnete Katharina Kemmler.

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