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Winzer erwarten "großen Jahrgang"

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Die Wein-Lese in Hochheim und Flörsheim ist im vollen Gange. Die hiesigen Winzer sehen sich als Profiteure des Klimawandels. Von Gesa Fritz

Von Gesa Fritz

Wenn Reiner Flick die reifen Trauben zwischen seinen Fingern zerquetscht und das Fruchtfleisch als kompakter Klumpen in seine Hand glitscht, dann leuchten seine Augen. "So muss es sein, das ist echte Spitzenqualität", sagt der Flörsheimer Winzer.

Vor zwei Wochen haben die Weinbauern in Hochheim und Flörsheim mit der Lese begonnen. Der August im Kreis war, mit Winzeraugen gesehen, einer der besten seit Jahren. Und auch die regenreichen Monate Mai bis Juni konnten dem Wein keinen Schaden zufügen. Nach dieser Ernte hofft Flick Jahr auf einen "großen Jahrgang". Das ist so ungefähr das höchste Adelsprädikat, das man einem Wein verleihen kann.

Dass in den Weinlagen des Main-Taunus-Kreises vor allem die Rieslingtraube angebaut wird, hat eine lange Tradition. Bereits im Jahre 1435 wurde der Riesling aus einem Hochheimer Weinberg urkundlich erwähnt. "Das ist die weltweit älteste Dokumentation des Rieslings", sagt der Hochheimer Winzer Franz Michel. Grund für die Erfolgsgeschichte der Rebsorte sei das günstige Klima vor Ort, dass der Traube ihren würzigen Geschmack verleihe.

Bis heute helfen die Launen des Wetters dem Weißwein: "Wir profitieren stark von der Klimaerwärmung", sagt Weinbauer Flick. Die gestiegenen Temperaturen würden eine höhere Reife bei den Trauben nach sich ziehen. Der Riesling sei nicht mehr so sauer wie früher.

Allein in den vergangenen 15 Jahren habe es so viele "große Jahrgänge" gegeben, wie in den 90 Jahren davor, sagt Flick.

Die Kehrseite der Medaille: Die Trauben sind jetzt schon so reif, dass sie schnell geerntet werden müssen, sonst könnten sie schimmeln. Für Eiswein müssten sie aber noch einige Wochen hängen bleiben. "Dazu kommt, dass der Frost in den letzten Jahren nicht mehr tief genug war", sagt Franz Michel aus Hochheim.

Doch für ihn ist das nur ein kleiner Wehrmutstropfen. Eiswein werde sowieso nur in ganz geringen Mengen hergestellt und sei vor allem gut fürs Image. Und auch wenn er mit dem Begriff "Jahrhundertwein" vorsichtig sein will - er rät den Genießern, sich mit dem Jahrgang 2009 einzudecken. Die Qualität der Trauben sei so gut, dass man selbst bei den günstigeren Weinen der Saison hervorragende Tropfen erwarten könne.

Jetzt hoffen die Winzer für die kommenden zwei Wochen auf trockenes und möglichst kühles Wetter. Die idealen Voraussetzungen für die Lese und einen guten Abschluss der Anbausaison.

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