+
Bürgermeister Mathias Geiger.

Eschborn

FDP will Geiger wieder als Kandidaten

  • schließen

Bürgermeister ist noch unentschlossen, ob er im Oktober für eine zweite Amtszeit antritt

Es sind klare Worte: „Die Freien Demokraten hoffen, dass Mathias Geiger trotz aller Widrigkeiten für eine zweite Amtszeit kandidiert, um sich für weitere sechs Jahre in den Dienst der Stadt und der Bürgerinnen und Bürger zu stellen“, heißt es in einer Pressemitteilung, die die Eschborner FDP verschickt hat. Und die Warnung folgt auf dem Fuß: „Ein Bürgermeisterwechsel zur CDU hieße erneuter Stillstand und wäre fatal für die Weiterentwicklung unserer Stadt.“

Er kenne die Mitteilung der FDP nicht, sagte Bürgermeister Mathias Geiger gestern der FR. Der 61-Jährige ließ aber durchblicken, dass es ihm guttut, dass seine Partei geschlossen hinter ihm steht, sollte er für eine weitere Amtszeit als Rathauschef kandidieren. Eine endgültige Entscheidung habe er dazu noch nicht getroffen, betonte Geiger. Während seines Urlaubs, den er am Rosenmontag antreten wird, wolle er sich „fern von Eschborn“ darüber klar werden. „In zwei Wochen werde ich mich dazu äußern.“

„Wir würden Mathias Geiger auf jeden Fall wieder unterstützen“, bestätigte FDP-Parteichef Christoph Ackermann gegenüber der FR. Die Entscheidung sei bei einer Klausurtagung der Liberalen am Wochenende gefallen. „Und sie war einstimmig.“

Dass die letzten Jahre, in denen Geiger nach seinem überraschenden Wahlsieg gegen CDU-Bürgermeister Wilhelm Speckhardt 2013 Chef im Rathaus ist, „alles andere als vergnügungssteuerpflichtig“ waren, räumt Ackermann ein. Und dass sich so mancher in Eschborn einen Neubeginn nach all den Affären und Skandalen wünscht, die in der Verurteilung Geigers wegen Geheimnisverrats Ende letzten Jahres gipfelten, könne er nachvollziehen. Mit dem CDU-Kandidaten Adnan Shaikh sei ein solcher Neuanfang aber nicht möglich, glaubt Ackermann. „Und einen anderen Kandidaten sehe ich nicht.“ Deshalb solle Geiger die Chance bekommen, noch einmal sechs Jahre für Eschborn zu arbeiten und angefangene Projekte weiterzuentwickeln. In der Eschborner Bevölkerung, glaubt der FDP-Chef, gebe es keine klare Mehrheit für oder gegen eine Wiederkandidatur Geigers. Deshalb sollten die Bürger an der Wahlurne entscheiden, ob sie Geiger weiterhin als Bürgermeister haben wollen oder nicht. „Es wäre sozusagen ein Richterspruch in Namen des Volkes.“

Das Urteil, das das Frankfurter Landgericht im Dezember vergangenen Jahres gefällt hat, ist bislang nicht rechtskräftig. Weil er in seiner Zeit als Erster Stadtrat heimlich Akten im Rathaus abfotografiert und über seinen ehemaligen Parteifreund, den Eschborner Rechtsanwalt Michael Bauer, der Öffentlichkeit zugänglich gemacht hat, wurde Mathias Geiger zu einer Geldstrafe verurteilt. Er hat Revision dagegen eingelegt. Die schriftliche Urteilsbegründung liege noch nicht vor, sagte Geiger der FR. Erst danach könne er in Absprache mit seinem Anwalt über das weitere Vorgehen entscheiden.

Für Christoph Ackermann und die Eschborner FDP ist die sogenannte „Spitzelaffäre“ auch kein Grund, Geiger bei einer erneuten Kandidatur nicht zu unterstützen. „Was er gemacht hat, war nicht in Ordnung, daran gibt es nichts zu deuteln“, sagte Ackermann. Aber in der Gesamtsituation gebe es „entschuldbare Momente“. Geiger hatte vor Gericht den Geheimnisverrat damit erklärt, er habe die Administration seines Vorgängers Wilhelm Speckhardt überprüfen und Mauscheleien aufdecken wollen.

Falls Mathias Geiger erneut zur Bürgermeisterwahl antritt, dann würde er das wohl wieder als parteiloser Kandidat tun. Und er hätte auch schon einen Mitbewerber. Vor einer Woche haben die CDU-Mitglieder einstimmig den Leiter der Eschborner Heinrich-von-Kleist-Schule, Adnan Shaikh (45) zum Kandidaten für die Wahl am 20. Oktober gekürt. Die CDU meldete gleichzeitig ihren Anspruch auf die Regierungsrolle im Stadtparlament an. Für die Opposition sei seine Fraktion nicht gemacht, verkündete CDU-Fraktionschef Markus Depping. Die FDP spricht in ihrer Mitteilung von einen „zutiefst arroganten Demokratieverständnis“ der Christdemokraten und rügt die Arbeit im Magistrat, wo unter dem Deckmantel der Geheimhaltungspflicht weiterhin kräftig gegen den Bürgermeister opponiert werde. Einen sauberen Wahlkampf anzukündigen und gleichzeitig die Verwaltung unter Geiger als „Katstrophe für die Stadt“ zu bezeichnen sei alles andere als sachlich.

Die Wahl

Am 20. Oktober ist Bürgermeisterwahl in Eschborn. Der Termin für die Stichwahl ist am 3. November. 

Die Amtszeit von Rathauschef Mathias Geiger (FDP) endet Anfang 2014. Der 61-Jährige will bis Mitte März bekanntgeben, ob er noch einmal antritt. 

Adnan Shaik (45) ist der Kandidat der CDU. Er wirbt auch um Unterstützung aus anderen Fraktionen. Die SPD hat angekündigt, einen eigenen Bewerber ins Rennen zu schicken. (aro)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare