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Fast handzahm: Die Wildsäue am Kapellenberg. Doch selbst ?Wildschweinflüsterer? Marc Djakeli hält respektvoll Abstand.

Hofheim

Wildpark ist gerettet

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Ein Förderverein rettet in Hofheim mit 10 000 Euro jährlich den Wildpark vor der drohenden Schließung.

Salat ist ein perfektes Lockmittel. Die Wildsäue am Kapellenberg wittern das leckere Frühstück von weitem. Wenn dann noch der „Wildschweinflüsterer“ mit einem laubbehangenen trockenen Ast am Zaun wedelt, ist die Altbache schnell da. Handzahm fast, und doch begegnet Marc Djakeli dem schweren Tier mit Respekt und dem nötigen Abstand. Ins Gehege würde er nie gehen, da hat der Mensch nichts verloren. Auch der Flüsterer nicht, wie Tobias Rösmann den Kollegen Djakeli scherzhaft nennt, weil sein Lockmittel immer wieder funktioniert.

Der Mensch ist draußen, die Wildschweine drinnen. Und das Damwild auch. Drinnen ist ein knapp zwei Hektar großes, mit Eichen bestandenes Gehege, das sich zurzeit drei Wildschweine und eine Handvoll Damwild teilen – ordentlich getrennt, damit es keinen Ärger untereinander gibt. Rösmann, der in der Nähe wohnt, kommt gerne mit seinen Kindern hierher; vor allem für Familien mit noch jungem Nachwuchs ist der Wildpark am Waldrand unterhalb von Pestkapelle und Meisterturm ein beliebtes Ausflugsziel.

Ist es noch, muss man sagen. Weil Rösmann und Djakeli, Heinz-Jürgen Steinle und knapp 50 andere selbsternannte Wildpark-Retter vor zwei Jahren angetreten sind, das Kleinod am Stadtrand zu erhalten. Es stand auf der Kippe, weil die Stadt im Sommer 2015 befand, dass sie 25 000 Euro jährlich für die Unterhaltung durch den Betreiber Hessen-Forst nicht mehr tragen könne. Aber sie ließ sich auf einen Deal mit den Wildpark-Rettern ein, die versprachen, rund 10 000 Euro im Jahr aufzubringen. So steht es auch im Haushaltsplan der Stadt, bisher haben sie ihr Soll erfüllt. Djakeli ist Vorsitzender des Vereins, Rösmann der PR-Beauftragte und Steinle der Schatzmeister, der das Geld verwaltet, das durch Spenden und Mitgliedsbeiträge in die Kasse kommt.

„Einigen Wirbel hat es gegeben, als die Schließung drohte“, sagt das Trio. Schulen und Kindergärten haben Unterschriften gesammelt, flugs wurde der Retterverein gegründet, die Resonanz war groß. Der Spendenfluss ist bisher zum Glück noch nie versiegt. Schöne Aktionen gehörten dazu, etwa ein von der Steinbergschule organisierter Sponsorenlauf, der rund 3000 Euro einbrachte. Zweimal im Jahr wird ein Info-Stand in der Stadt aufgebaut, da fallen auch immer einige Scheine ins Sparschwein. Zwei gespendete Bänke mit Blickrichtung Gehege stehen am Zaun, eine hatte sich die frühere Sekretärin der Steinbergschule als Abschiedsgeschenk gewünscht.

Revierförster Karlheinz Kollmannsberger, der direkt nebenan wohnt, ist sozusagen verantwortlich fürs betreute Wohnen von Wildsau, Hirsch und Reh. Die Wildpark-Retter wirken im Hintergrund und der Jagdklub Main-Taunus als dritter Partner im Bunde sorgt am Wochenende für die Fütterung der Tiere mit Mais, Hafer und einer Körnermischung, um Personalkosten zu sparen. Der Förster ist zufrieden, die Kooperation läuft gut. Klagen gibt es nur ab und an übers unvernünftige Publikum. Gekochte Nudeln über den Zaun zu werfen, sei schon grenzwertig, aber die auch schon gefundene Tiefkühlkost, zum Teil noch in der Packung, hat dann doch für Ärger gesorgt. Und für Schilder zur Belehrung der scheinbar Unbelehrbaren.

Das Damwild hält sich eher scheu zurück, wenn Besucher und zahlreiche Jogger vorbeikommen. Liegt vielleicht auch am erst zwei Wochen alten Jungtier, dessen Geschlecht erst noch festgestellt werden muss. Die aktuell wegen des Fellwechsels reichlich zerfleddert daherkommenden Wildsäue sind da nicht so zurückhaltend, wenn leckeres Futter winkt. Und der Wildschweinflüsterer mit seinem trockenen Ast wedelt. Im Herbst kommt ein neuer Keiler ins Gehege.

Über ein bisschen mehr Leben im Wildpark würden sich auch dessen Retter freuen. Wasservögel wären doch schön, finden Rösmann und Djakeli. Gerne würden sie den früheren Teich direkt hinter dem Zaun an der unteren „Promenade“ rekultivieren. Nur noch Grütze treibt auf dem ausgelaugten Wasserloch, um die 18 000 Euro müssten die Retter auftreiben für neues Leben am Wasser.

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