Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Immer mehr Frauen flüchten sich vor häuslicher Gewalt ins Frauenhaus.
+
Immer mehr Frauen flüchten sich vor häuslicher Gewalt ins Frauenhaus.

Platzmangel im Frauenhaus

Wenn Männer zuschlagen

Ob arm oder reich - häusliche Gewalt trifft Frauen in allen sozialen Schichten. Doch das Frauenhaus in Hofheim kann nicht alle von ihnen aufnehmen. Von Barbara Helfrich

Von BARBARA HELFRICH

Mit dem Hammer hat ein Kelkheimer seine Ehefrau erschlagen. In Hofheim prügelte und trat ein Mann seine Freundin zu Tode. Zwei Extremfälle häuslicher Gewalt, die sich im Main-Taunus-Kreis in den vergangenen anderthalb Jahren ereignet haben. Tatort war einmal ein idyllisches Neubaugebiet, einmal eine Notunterkunft für Obdachlose.

Häusliche Gewalt trifft Frauen in allen sozialen Schichten. Jede vierte Frau erleidet sie im Laufe ihres Lebens - das ist eine der Botschaften der Ausstellung Rosenstraße 76. Im Februar ist sie in Bad Soden zu sehen. Zehn Institutionen haben sie in den Kreis geholt, darunter der Verein Frauen helfen Frauen, der in Hofheim eine Beratungsstelle und das Frauenhaus betreibt. Dorthin können sich seit mehr als zwei Jahrzehnten Frauen flüchten, die es zu Hause nicht mehr aushalten.

Nur Platz für 72 Frauen

"Die Tendenz ist steigend", sagt Andrea Bartels-Pipo vom Verein Frauen helfen Frauen. Sehr oft ist das Frauenhaus voll, viele Hilfesuchenden muss der Verein an andere Einrichtungen weiter vermitteln. 269 Frauen haben im vorigen Jahr nach einem Platz im Hofheimer Frauenhaus gefragt. Aber nur 76 kamen mit 72 Kindern unter.

Auch die Frauen, die in der Beratungsstelle Rat suchen, sind meist Opfer von häuslicher Gewalt. Im vorigen Jahr waren es etwa 240. "Viele Frauen wollen sich nicht trennen, sondern wollen, dass die Gewalt aufhört, dass sich ihr Partner ändert", berichtet Bartels-Pipo. Das war einer der Gründe, warum das Diakonische Werk vor anderthalb Jahren eine Männerberatung ins Leben rief. 36 Männer sind im vergangenen Jahr in die Hofheimer Wilhelmstraße gekommen und haben mit Michael Calmano gesprochen. Die meisten nicht aus freien Stücken, sondern auf Druck ihrer Frauen. "Sie drohen mit Trennung, falls die Männer ihr Verhalten nicht ändern", sagt Männerberater Calmano. Ob seine Hilfe fruchtet, könne er nicht überprüfen. "Aber ich habe das Gefühl, dass ich viele Männer gut erreiche."

Manchmal entsteht der Kontakt auch über die Polizei. Wenn die Beamten zu einem Streit gerufen werden, bieten sie Opfern und Tätern an, die Beratungsstellen einzuschalten. Diese so genannte Pro-aktive-Beratung wurde im Kreis vor seit sieben Jahren als Pilotprojekt eingeführt. Inzwischen ist sie hessenweit Standard.

Rund 180 Mal rückte die Polizei 2007 kreisweit wegen häuslicher Gewalt aus. "Wer schlägt, der geht", heißt es nach dem neuen Gewaltschutzgesetz bei diesen Einsätzen. Die Polizei kann den Täter für zwei Wochen der Wohnung verweisen. Männer, "die Frau und Kinder als ihr Eigentum betrachten", halten sich aber oft trotzdem nicht fern, sagt Bartels-Pipo. Doch eine neue Wohnung für sich und die Kinder zu finden, ist für die Frauen schwierig, so die Erfahrung des Vereins Frauen helfen Frauen. Gerade im Main-Taunus-Kreis mit seinen teuren Mieten.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare