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Wenn der Lehrer nicht mehr weiter weiß

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Prügelei unter Schülern
Prügelei unter Schülern © picture-alliance/ dpa

Sie sind aggressiv, schlagen andere Schüler oder attackieren den Lehrer, leiden unter Magersucht oder nehmen Drogen. Pädagogen, die in solchen Fällen nicht mehr weiter wissen, können sich an die Experten von „Zebim“ wenden.

Von Claudia Horkheimer

Die Palette von Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern und Jugendlichen ist lang. Doch längst nicht alle mit Problemen fallen in der Schule auf. Doch denjenigen die es tun, vielleicht weil ihre Noten in den Keller sacken, sie gemobbt werden oder sie schlichtweg den Unterricht schwänzen, kann oftmals geholfen werden. Dafür ist seit vier Jahren das Zentrum für Beratungs- und Erziehungshilfe (Zebim) im Main-Taunus-Kreis zuständig, eine Einrichtung des Evangelischen Vereins für Innere Mission in Nassau.

Sobald die Schulsozialarbeit mit ihrem Latein am Ende ist, tritt Zebim auf den Plan. Zwölf Lehrer und sechs Sozialpädagogen kümmern sich ambulant um die Kinder mit erhöhtem Förderbedarf. Die Grundidee ist, sie nicht in einer Förderschule außerhalb des Kreises sondern vor Ort sonderpädagogisch zu fördern.

Erfolg in 87 Prozent der Fälle

Der Kreis, der das Projekt jährlich mit 400000 Euro finanziert, hat jetzt in einer Umfrage unter Schülern, Eltern und in Schulen festgestellt, dass die Beteiligten sehr zufrieden mit der Arbeit von Zebim sind. „87 Prozent der Schüler, die ohne Förderung mit hoher Wahrscheinlichkeit in Heimen oder speziellen Tagesgruppen untergebracht werden müssten, konnten in ihren Regelschulen bleiben“, teilte Jugenddezernent Michael Cyriax (CDU) mit.

Insgesamt 303 Schüler wurden im vergangenen Schuljahr betreut. Hiervon konnte 134 Jugendlichen geholfen werden. Laut den Befragten habe sich das Sozialverhalten, die psychische Stabilität sowie die Konzentrations- und Motivationsfähigkeit der betreuten Schüler stark verbessert, fasste der Kreis zusammen.

In der Praxis ist es jedoch schwer, Erfolge in Zahlen zu messen. Manchen Schülern ist schon geholfen, wenn ein Zebim-Mitarbeiter eine Unterrichtsstunde beobachtet und dem Lehrer einen Tipp zu einer Sitzplatzveränderung des Schülers gibt, erklärt Christoph Jung. Er ist Lehrer und seit Jahren für Zebim tätig. Andere Schüler müssten mitunter jahrelang zweimal die Woche betreut werden. Im Schnitt dauert die Betreuung ein Jahr. Dabei bleibt der Einsatz nicht auf den Unterricht oder die Schule beschränkt. „Wir gehen auch in den Sportverein und schauen, wo vielleicht Konflikte bestehen“, so Jung. Einbezogen werden je nach Problemlage Lehrer und Eltern, die in jedem Fall ihr Einverständnis für die Betreuung geben müssen. Wichtig seien auch die Betreuungsgespräche mit den Schülern abseits vom Unterricht. Mit einer Therapie habe dies jedoch nichts zu tun. „Wir arbeiten ausschließlich pädagogisch.“

Zebim richtet sich vor allem an die Klassen fünf, sechs und sieben. Maximal 20 Prozent der Fälle dürfen aus Grundschulen kommen, wenngleich die Zahl der Anfragen höher liege. Das begründe sich darin, dass Grundschüler mit erhöhtem Förderbedarf im Main-Taunus-Kreis bereits über das Konzept des „Gemeinsamen Unterrichts“ mit Förderschullehrern Unterstützung finden. Präventiv sei die Arbeit von Zebim jedoch auch hier sinnvoll, findet Jung.

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