Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Cathrin Raasch ist Psychologin in Hofheim.
+
Cathrin Raasch ist Psychologin in Hofheim.

Interview zu Alters-Depression

Wenn das Leben zur Last wird

Was tun, wenn Vater oder Mutter sich immer mehr zurückziehen? Die Hofheimer Psychologin Cathrin Raasch gibt im FR-Interview Rat zum Umgang mit depressiven Senioren.

Frau Raasch, Sie leiten demnächst in Hofheim ein Seminar über den Umgang mit depressiven Menschen. Veranstalter ist die Seniorenhilfe. Leiden ältere Menschen häufiger unter Depressionen als Junge?Nein, das kann man nicht sagen. Etwa neun Prozent der Über-70-Jährigen haben Depressionen. Das unterscheidet diese Altersgruppe nicht wesentlich von der jüngeren Generation. Bei den Senioren, die in Pflegeheimen leben, liegt der Prozentsatz allerdings deutlich höher: Dort wird der Anteil auf bis zu 25% geschätzt.

Woran merkt man, dass ein alter Mensch depressiv ist?Die Stimmungslage verändert sich. Die Menschen ziehen sich zurück, haben Schlafstörungen und keinen Appetit. Sie verlieren das Interesse selbst an Dingen die sie früher gerne gemacht haben: Gartenarbeit, sich um die Enkelkinder kümmern. Depressive haben eine pessimistische Weltsicht, bis hin zum Wunsch, nicht mehr am Leben zu sein.

Wo sehen Sie die Ursachen für Depressionen bei Senioren?Es gibt da ein Schlagwort, das heißt "Verlust an Kontrolle." Ältere Menschen merken plötzlich, dass sie in der Gesellschaft nichts mehr zu sagen haben; sie sind raus aus dem Beruf, haben mit Krankheiten und persönlichen Verlusten zu kämpfen und deshalb das Gefühl "ich bin nichts mehr wert", glauben, im Leben nichts mehr bewirken zu können. So eine Situation kann Depressionen auslösen. Bei Menschen, die in Heimen leben, ist dieses Gefühl des Kontrollverlusts noch viel stärker, deshalb ist auch die Zahl der depressiven Heimbewohner so hoch.

Was empfehlen sie Angehörigen oder Pflegern? Wie geht man mit Depressionen im Alter um?Wichtig ist, depressive Menschen da abzuholen, wo sie stehen; anzuerkennen, dass es ihnen schlecht geht. Das kann speziell für Angehörige sehr anstrengend und frustrierend sein. Aber Sätze wie "Kopf hoch" oder "Reiß dich mal zusammen" bringen in so einer Situation nichts. Da fühlen sich Depressive nur noch stärker unter Druck gesetzt und noch mehr alleine gelassen.

Kann man Depressionen im Alter behandeln?Ja, auf jeden Fall. Es gibt hochwirksame Psychopharmaka, die nicht abhängig machen. Ältere Menschen sind auch durchaus in der Lage von Psychotherapie zu profitieren. Am erfolgreichsten ist eine Kombination aus beidem. Wichtig ist allerdings die richtige Diagnose. Viele Depressionen älterer Menschen werden nicht erkannt, bis zu 60 Prozent werden übersehen. Ich empfehle deshalb unbedingt einen Fachmann aufzusuchen, den Hausarzt, einen Psychiater oder Psychologen, um Klarheit zu haben.

Interview: Andrea Rost

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare