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Der Malteser ist an der Viruserkrankung Parvovirose gestorben.

Bad Soden

Welpenhändler aus Bad Soden muss zahlen

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Das Frankfurter Landgericht hat ein Urteil gegen Martin M. wegen illegalen Welpenhandels bestätigt. Tierschützer hoffen auf eine Signalwirkung für andere Prozesse.

Schon seit fast 20 Jahren verdient der Bad Sodener Martin M. Geld mit dem Verkauf von Hundewelpen aus Osteuropa. Auch zahlreiche Anzeigen bei der Polizei und Gerichtsverfahren schreckten den Mann nicht ab. Er bot weiterhin wenige Wochen alte Tiere im Internet zum Verkauf an. Die Impfpässe waren meist gefälscht. Viele Hunde wurden schwer krank und starben kurz nach der Übergabe an ihre neuen Besitzer.

Jetzt feiern Tierschützer einen Erfolg im Kampf gegen den illegalen Welpenhandel. Das Frankfurter Landgericht habe ein Urteil des Amtsgerichts Königstein gegen Martin M. bestätigt, teilt die internationale Tierschutzstiftung „Vier Pfoten“ mit. Martin M. sei damit rechtskräftig verurteilt, weil er einen kranken Hund verkauft hatte.

Nach drei Prozesstagen hatte es das Amtsgericht als erwiesen angesehen, dass M. als gewerblicher Hundehändler einzustufen ist. In dieser Eigenschaft hatte er Anfang 2016 einen Malteser-Welpen an Ursula W. verkauft. Das Tier litt bereits bei der Übergabe an Darmparasiten, sogenannten Giardien; „Krümel“ hatte Würmer und die lebensbedrohliche Viruserkrankung Parvovirose. Um das Leben ihres Hundes zu retten, musste Ursula W. mehr als 1500 Euro für die Behandlung durch einen Tierarzt zahlen.

Tierärztin Kirsten Toennies mit einem toten Welpen. Der Malteser ist an der Viruserkrankung Parvovirose gestorben.

Die Richterin am Königsteiner Amtsgericht verurteilte Martin M. dazu, die Hälfte des Kaufpreises von „Krümel“ an Ursula W. zurückerstatten, außerdem sollte er die Tierarztkosten und die Gerichtskosten übernehmen. Der Bad Sodener, der selbst nie bei Gericht erschienen war und sich durch einen Anwalt hatte vertreten lassen, legte Berufung gegen das Urteil ein. Das Landgericht Frankfurt lehnte sie nun ab.

Birgitt Thiesmann von „Vier Pfoten“ hofft, dass das Urteil gegen Martin M. abschreckende Wirkung auf andere unseriöse Welpenhändler hat. Und sie geht von einer Signalwirkung für weitere Prozesse aus. „Das Gericht hat klargemacht, dass nicht der Käufer, sondern der Verkäufer in die Pflicht genommen wird, wenn der Hund binnen der ersten sechs Monate nach dem Verkauf krank wird“, sagt die Expertin für illegalen Welpenhandel. Der Händler müsse beweisen, dass er das Tier gesund übergeben hat. Sei ihm das nicht möglich, müsse er sämtliche Tierarztkosten übernehmen.

Hoffnung auf abschreckende Wirkung

Laut „Vier Pfoten“ ist Martin M. kein Einzelfall, sondern einer von vielen Tätern, die sich anonym auf Onlineplattformen bewegen und als vermeintliche Privatpersonen Welpen verkaufen. In Massen produziert, würden die Hundebabys viel zu jung von ihren Müttern getrennt, illegal über weite Strecken nach Deutschland gebracht und wie der Malteser-Welpe „Krümel“ an ahnungslose Käufer abgegeben. Weil es keine Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht gebe, könnten kriminelle Händler oft nicht zur Rechenschaft gezogen werden, kritisiert Birgitt Thiesmann. Auf Onlineplattformen könnten sie ungehindert ihren anonymen Geschäften nachgehen. Die Folge sei ein florierender Onlinehandel mit viel zu jungen und kranken Welpen. „Durch das Verfahren gegen Martin M. steht nun fest, dass Welpenhändler mit Konsequenzen zu rechnen haben, wenn sie mit kranken Tieren handeln“, stellt Thiesmann fest.

Die Hattersheimer Tierärztin Kirsten Tönnies hat mehrfach Welpen, die Martin M. verkauft hat, behandelt und den Prozess gegen den Bad Sodener die ganze Zeit über begleitet. Nach diversen Anzeigen bei der Polizei sei auch noch ein Strafverfahren gegen den Hundehändler anhängig, sagte sie der FR. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt ermittele gegen ihn wegen Verstößen gegen das Tierschutzgesetz.

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