1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Main-Taunus-Kreis

Die Wut der Weilbacher

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Andrea Rost

Kommentare

Nach dem Bürgerentscheid zur Umgehungsstraße B519 fühlen sich die Weilbacher vom übrigen Flörsheim alleingelassen. Eine Lösung ihrer Verkehrsprobleme ist nicht in Sicht.

Die Stimmung ist miserabel in Weilbach. „Die Leute sind total frustriert, weil keine Lösung der Verkehrsproblematik in Sicht ist“, sagt Brigitte Lotze, die sich in der BI Pro für den Bau der Umgehungsstraße B519 neu engagiert hat. Davon, dass das Straßenbauprojekt bereits vor drei Jahren per Bürgerentscheid abgelehnt wurde, ließ sich die FDP-Politikerin nicht beirren. „Ich hätte niemals gedacht, dass es ein zweites Mal so ausgeht“, sagt sie. Ging es doch: Zwar stimmten dieses Mal fast drei Viertel der Weilbacher für den Bau einer Ortsumfahrung; in ganz Flörsheim aber waren mehr als die Hälfte aller Wähler gegen das Projekt. Die Grüne Alternative Liste (Galf) und die Bürgerinitiative gegen diese Umgehung (Bigu) konnten sich als Straßengegner durchsetzen.

Für den Bau der Straße rührten CDU, SPD und FDP gemeinsam die Werbetrommel. Sie stehen jetzt vor einem Scherbenhaufen. „Ein Riss geht durch die Bevölkerung, der lässt sich nicht innerhalb von ein paar Tagen kitten“, konstatiert Marcus Reif, Chef der Flörsheimer CDU. Nach einer Schockstarre von einer Woche haben die Christdemokraten Plakate aufgehängt, die Versöhnung signalisieren sollen. Der Raum für vernünftige Gespräche sei im Wahlkampf jedoch eng, räumt Reif ein. „Unideologisch nach neuen Lösungen suchen“ könne man wohl erst nach dem 27. März.

„Das Ergebnis des Bürgerentscheids tut weh“, bilanziert auch Wolfgang Pokowietz, Chef der Flörsheimer SPD. In Weilbach seien die Gräben zwischen Straßenbefürwortern und Straßengegner besonders tief.

Mehrfach Schläge angedroht

Als Mitglied der BI Pro habe man ihm mehrfach Schläge angedroht „und den Wahlkampf der Straßenbefürworter mit NS-Methoden verglichen“, sagt Pokowietz. „Da wissen Sie nicht mehr, was Sie sagen sollen.“ Sprachlos ist auch Bernd Zürn vom BUND Flörsheim. Der Weilbacher, der sich in vorderster Front als Straßengegner in der Bigu engagierte, ist mehrfach auf der Straße angepöbelt worden. Jüngst hat er sogar einen Brief erhalten, in dem ihm ein aufgebrachter Bürger unverhohlen droht: „Sie erzeugen so viel Hass, dass es nicht wundern würde, wenn die Bürger von Weilbach in einer Prozession zu Ihrer und den Wohnungen Ihrer Kumpane ziehen, um Sie zu vertreiben. Wenn Sie mit Ihrer Familie ruhig in Weilbach leben wollen, überdenken Sie Ihr Engagement.“ Sein Ziel sei es, den Verkehr einzudämmen und nicht immer neue Straßen zu bauen, sagt Zürn. Davon will er nicht abrücken.

Eine derart aufgeheizte Stimmung habe sie so noch nie erlebt, sagt Galf-Fraktionsvorsitzende Renate Mohr. „Ich bin wahnsinnig unglücklich darüber, wie jetzt mit dem Ergebnis des Bürgerentscheids umgegangen wird.“ Dass viele Weilbacher Angst hätten, was nun aus ihnen werde, könne sie verstehen.

Die Galf hat deshalb angeregt, nach der Wahl einen Gesprächskreis zu gründen, in dem Parteien, BIs und Fachleute Lösungen ausarbeiten sollen.

So lange will der Weilbacher Ortsvorsteher Heinz Lauck (CDU) nicht warten. Um die Atmosphäre der Sprachlosigkeit in Weilbach zu durchbrechen, hat er für kommenden Montag, 28. Februar, 19 Uhr, zu einem Bürgerforum in die Weilbachhalle eingeladen. Thema: „Weilbach nach dem Bürgerentscheid“. Heinz Lauck und Bürgermeister Michael Antenbrink (SPD) werden da sein. „Jeder der Ideen hat, kann sie an diesem Abend vorbringen“, sagt Lauck.

Auch interessant

Kommentare