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Reiner Paul in einem Sonnenblumenfeld an der Landesstraße zwischen Wallau und Nordenstadt.
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Reiner Paul in einem Sonnenblumenfeld an der Landesstraße zwischen Wallau und Nordenstadt.

Umweltschutz in Hessen

Weiden für Bienen

  • Andrea Rost
    VonAndrea Rost
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Wenn Kastanien, Linden und Raps verblüht sind, finden Bienen und andere Insekten kaum noch Nahrung in der freien Natur. Blumenstreifen an Feldern in Hofheim (Main-Taunus) sollen helfen.

Mannshoch wachsen die Sonnenblumen am Feldrand in den Himmel. Die Blüten stehen in voller Pracht und richten sich im Lauf des Tages nach dem Stand der Sonne aus. Fast jeder der großen gelben Blütenköpfe wird von Bienen, Hummeln und Schmetterlingen umschwärmt. „Da ist ja richtig was los“, sagt Reiner Paul und klingt fast ein bisschen überrascht, dass die Blühinsel am Rande seines Erdbeerfeldes bei den Insekten so begehrt ist. Wirklich verwundert ist der Wallauer Landwirt aber nicht. Jetzt, mitten im Sommer, blühe so gut wie nichts mehr in der Landwirtschaft, weiß er. Die Erdbeerpflanzen nebenan sind bereits für die nächste Saison gesetzt. Von den anderen Feldern ringsum sind die meisten abgeerntet. Auch die Obstbäume tragen längst Früchte. Blüten gibt es keine mehr. 

Auf Initiative des Ortsverbandes der Grünen in Hofheim haben sich Wallauer Landwirte in diesem Jahr erstmals zusammengetan, um Abhilfe zu schaffen. Sie kauften Saatgutmischungen für Sommerblumen und legten mehrere kleine Blühinseln an den Feldern rund um den Hofheimer Stadtteil an. Ein Netzwerk an sogenannten Insektenweiden – insgesamt rund 2000 Quadratmeter groß – sei auf diese Weise entstanden, sagt Reiner Paul. „Wir wollten, dass Bienen und andere Insekten an mehreren Stellen Nahrung finden.“

Bis in den Herbst hinein würden Sonnenblumen, Wicken und die blau blühende Phacelia in voller Blüte stehen. Für die Bauern haben sie als „Zwischenfrüchte“ sogar noch einen Zusatznutzen. Sie lockern den Boden auf Feldern auf, die aktuell nicht bewirtschaftet werden. 200 Euro pro Hektar kosten die fertig produzierten Mischungen, die flott in die Höhe wachsen und denen auch die große Hitze nicht so schnell etwas anhaben kann. 

Informationsveranstaltung geplant

Mit den bunten Blumen wachsen allerdings auch die Unkräuter, vor allem die Ackermelde, die teilweise höher auf den Blühinseln steht als die übrigen Pflanzen. „Dafür brauchen wir noch eine gute Lösung“, sagt Reiner Paul. Denkbar wäre, das Unkraut zu jäten, wenn es noch ganz klein ist, sodass es gar nicht erst hochwachsen kann. „Das können wir aber alleine nicht leisten“, sagt der Wallauer Landwirt. Es werde deshalb überlegt, die Bürger mit ins Boot zu holen, und die Insektenweiden durch Paten pflegen zu lassen. „Dann könnte jeder, der möchte mithelfen, dass Insekten mehr Nahrung in der Natur finden“, sagt Paul. Die Hofheimer Grünen planen dazu bereits eine Informationsveranstaltung für Landwirte und interessierte Bürger. 

Begeistert von den Wildblumeninseln rund um Wallau ist auch Hobbyimker Jürgen Richter. Mehr als ein Dutzend Bienenvölker hat der Bauingenieur. Ab Mitte Ende Juli hatte er bisher immer das Problem, dass seine Bienen auf den Wiesen und Feldern rund um Wallau keinen Nektar mehr fanden. Da nützte es auch nichts, die Bienenstöcke anderswo aufzustellen. „Durch Monokulturen sind die landwirtschaftlichen Flächen heutzutage überall so aufgeräumt, dass die Nahrung für die Bienen im Sommer knapp wird“, weiß Richter. „Wie wild“ suchten die Bienen jetzt nach Blüten, erzählt er. Die Blühinseln der Landwirte seien da ideal, um die magere Zeit auf den Feldern bis zum Herbst zu überbrücken. Für die Entwicklung der Bienenvölker sei das zusätzliche Nahrungsangebot wichtig. „Ist es nicht da, wird die Brut beendet“, sagt Jürgen Richter. Dann stellen sich die Bienen schon im Sommer aufs Überwintern ein. 

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