Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Ilona Schimmanck ist auf Sendung mit ihrem Webradio "Taunusblitz".
+
Ilona Schimmanck ist auf Sendung mit ihrem Webradio "Taunusblitz".

Schwalbach

Webradio aus dem Taunus

Die Schwalbacherin Ilona Schimmanck betreibt seit acht Jahren in ihrer Freizeit das Webradio namens „Taunus-Blitz“. Hörer hat sie auch im Ausland.

Von Giuseppe Rondinella

Mikrofon einschalten, Kopfhörer aufsetzen, Software starten. Die Handgriffe sitzen. Ilona Schimmanck macht es sich auf ihrem Stuhl bequem und wartet auf ihren Einsatz, denn gleich geht die Rentnerin mit ihrer Show „Ilona und ihre Gäste“ auf Sendung. Ihre Gäste, das sind in der Regel bekannte Namen aus der Musikbranche, wie die Gruppe „White Stars“, Stina Gabriell oder Michael Engel, die via Telefon live zugeschaltet werden.

Doch nicht heute. Weil die FR zu Besuch ist und der Moderatorin über die Schulter schaut, gibt es eine Ausnahme: „Sie sind heute mein Gast für die Sendung“, sagt Schimmanck und fordert im selben Atemzug einen Musikwunsch. Das sei so üblich zu Beginn ihrer Show. Den gewünschten Titel hat sie schnell in ihrer Mediathek gefunden und kündigt ihn ihren Zuhörern an. „Get Lucky“ von Daft Punk ertönt sobald aus den Boxen. Sie setzt ihre Kopfhörer ab, schaltet das Mikrophon aus und trinkt einen Schluck Wasser. Pause für Schimmanck.

24 Stunden am Tag

Die Schwalbacherin betreibt seit acht Jahren in ihrer Freizeit das Webradio namens „Taunus-Blitz“. 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche läuft dort „Musik für Jung und Alt“, wie sie erklärt. Von Klassik bis Oldies, Country bis Rock sowie Pop oder Volksmusik. Die Sendeplätze teilen sich 22 Moderatoren aus ganz Deutschland, sie sitzen in Leipzig, Bielefeld oder Berlin. Einer sendet gar aus Brasilien. Ansonsten läuft von ein Uhr nachts bis 14 Uhr der Auto-DJ, Musik vom Band.

Die Hörer schalten sich nicht nur aus Deutschland, sondern auch aus den USA, Spanien, Portugal und Österreich dazu. Im Schnitt sind es insgesamt 50 bis 100, je nach Wetter und Sendung. „Ihr Wunsch-Lied hören gerade 56 Leute“, sagt Schimmanck nach einem Blick auf den Monitor. Klingt wenig, ist es auch. Doch die Schwalbacherin will mit ihrem Angebot nicht die große Masse erreichen. Das Webradio ist vielmehr gedacht als exklusives Netzwerk aus Radio-Begeisterten, Musikliebhabern und Freunden, mit ihr im Zentrum.

Mit vielen Hörern befreundet

Schimmanck kennt nahezu jeden ihrer Hörer, mit vielen ist sie befreundet und chattet mit ihnen nebenher. „Das ist der Unterschied zu professionellen Radios. Die haben nicht den engen Kontakt zu ihren Hörern.“ Genauso hält sie es mit ihren Moderatoren-Kollegen: Neben einer Teambesprechung via Internet einmal im Monat, treffen sich die Moderatoren zudem alle drei Jahre im Rhein-Main-Gebiet, um sich persönlich besser kennenzulernen. Auch wird dabei über die Inhalte des Webradios diskutiert und beispielsweise am Programmschema gefeilt.

Aus Liebe zur Musik hat die Schwalbacherin zum Webradio gefunden, anfangs noch als Hörerin eines österreichischen Anbieters. Als der Betreiber damals sein Radio abgeben wollte, bietet sich die begeisterte Hörerin Schimmanck an, übernimmt es, meldet es in Deutschland an und benennt es um. „Ich hatte damals nichts, was man zum Senden benötigte. Keine Technik, kein Know-how. Nur die Liebe zur Musik“, blickt sie zurück. Das Wissen eignete sie sich autodidaktisch im Internet an. „Das fiel mir nicht besonders schwer“, sagt sie, „das Internet war damals, privat wie auch beruflich, mein Zuhause.“ Schimmanck arbeitete lange Zeit selbstständig als Office-Dienstleisterin von ihrem heimischen Schreibtisch aus.

Kein Zuckerschlecken

Dennoch: „Ein Webradio zu betreiben ist kein Zuckerschlecken.“ Gema-Gebühren zahlen, Server mieten, Homepage gestalten. „Für all das benötigt man Zeit und Geld.“ Circa 250 bis 300 Euro fallen im Monat an. Einen Teil zahlt die 64-Jährige aus eigener Tasche, die Mehrheit übernehmen zwei Sponsoren: eine Rockgruppe aus dem Schwarzwald, sowie der Chef eines Delikatessengeschäftes aus Österreich, beide sind treue Hörer. Werbung wird nicht geschaltet. „Ich will ja kein Geld mit dem Radio verdienen, sondern meinen Hörern einfach etwas Gutes tun und denjenigen eine Freude machen, denen es schlecht geht.“ So berichtete Schimmanck bereits des Öfteren über kranke Menschen, zuletzt gestaltete sie gar eigens eine Sendung zur Unterstützung eines Kinderhospizes und erfüllte Musikwünsche todkranker Mädchen und Jungen.

Unterdessen neigt sich ihre Sendung bereits dem Ende entgegen. Moderator Alfons aus Kiel ist gleich mit seinem Programm an der Reihe. Via Teamspeak kündigt er sich an und bittet um baldige Übergabe. „Meine Sendung war wie immer kunterbunt“, sagt Schimmanck. „Schlager, Country, Blues – ich mag eigentlich alles.“ Bevor sie an Alfons abgibt, sucht sich Schimmanck eines ihrer Lieblingslieder aus. Zum Abschluss ertönt aus den Boxen Andrea Berg mit „Jedes Feuer stirbt einmal im Regen.“

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare