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Waldputz in Hofheim

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Die Waldjugend beim Müll-Sammeln.
Die Waldjugend beim Müll-Sammeln. © FR/Schick

35 Kinder haben am Wochenende beim Wildlingslager der Hofheimer Waldjugend teilgenommen. Dabei wurde auch der Wald gefegt. Von Claudia Horkheimer

Von Claudia Horkheimer

Was unterscheidet einen Bergahorn von einem Feldahorn und einem Spitzahorn? Oder wussten Sie, dass wir gerade das Jahr des Bergahorns haben? Nein? Macht nichts. Zum Glück gibt es junge Menschen, die sich um diese Dinge kümmern. Etwa die elfjährige Loup. "Esgibt mir so ein freies Gefühl, wenn ich im Wald bin", begründet sie ihr Interesse.

Zusammen mit 34 anderen Kindern zwischen sieben und zwölf Jahren hat sie am Wochenende beim Wildlingslager der Hofheimer Waldjugend teilgenommen. Für den Hofheimer Verein und seine Gäste aus nordhessischen Waldjugendgruppen hieß das: Schlafen in großen, schwarzen , mongolisch anmutenden Kotenzelten, essen auf der Wiese und jede Menge Natur erleben - etwa Ameisen bestaunen, Kaulquappen retten und eben Baumarten bestimmen. Mit Büchern? "Nein", sagt Jugendgruppenleiter Joachim Phil Straßburger. "Die Kleinen lernen das von den Großen." Aber nicht nur Lernen war Ziel der Zusammenkunft, es ging auch um Gemeinschaft. "Das Beste war, wenn wir abends alle zusammen im Versammlungszelt saßen und Lieder gesungen haben", schwärmt die neunjährige Nina.

Leben ohne Strom und Heizung

Ob sie sich dauerhaft ein solches Leben vorstellen könnten? "Ja", sagt sie spontan, "wenn die Eltern auch da wären." Und Kara (11) ergänzt: "Und wenn es nicht so kalt wäre." Hier lernen schon Sechsjährige, wie es ist ohne Strom oder Heizung zu leben. Neben den regelmäßigen Zeltlagern trifft man sich wöchentlich im Weberhäuschen. Das Gebäude hat die Hofheimer Waldjugend von der Stadt gepachtet. Hier gibt es nur einen Holzofen. "Wir sind zwar bei Wind und Wetter draußen", sagt Straßburger, "trotzdem freuen wir uns aber, wenn wir uns in der Hütte aufwärmen können."

Straßburger, selbst jahrelang Pfadfinder gewesen und heute Stadtverordneter der Grünen, findet es wichtig, dass Kindern deutlich wird, in welchem Luxus sie eigentlich leben. Im Gegensatz zu den ähnlich organisierten Pfadfindern liegt bei er Waldjugend der Schwerpunkt auf dem Umweltschutz. Mindestens einmal im Jahr werden Bäume gepflanzt oder Müll gesammelt, so wie an diesem Wochenende. "Ein Kind, das selbst schon mal ekligen Müll im Wald aufgeräumt hat, wird selber später nichts mehr hinwerfen", so Straßburger. Leider vermisse man dieses Bewusstsein bei breiten Teilen der Bevölkerung. "Natur gilt für viele nur als Gebrauchsgegenstand". Nicht so bei den Kids der Waldjugend: Im Freien spielen, Tiere beobachten, "das ist viel besser, als am Computer zu sitzen", sagt Philipp (9).

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