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Waldjugend lockt Wildkatzen

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Von: Ulrich Gehring

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Dieses Jungtier streift nur durch sein Gehege im Opel-Zoo.
Dieses Jungtier streift nur durch sein Gehege im Opel-Zoo. © Michael Schick

Wie viele Wildkatzen gibt es? Eine Antwort auf diese Frage will die Waldjugend. Eine Studie weist für 2015 acht der scheuen Tiere nach und wird nun fortgesetzt.

Bald zieht die Waldjugend wieder durch den Hofheimer Forst. Sie will wissen, wie viele Wildkatzen zwischen Kapellenberg und Sportpark Heide sowie im großen Wald nördlich von Langenhain umherstreifen. Acht Wildkatzen hat die Waldjugend bereits nachgewiesen, als sie voriges Jahr um die gleiche Zeit zum ersten Mal das Vorkommen dieser scheuen Tiere erkundet hat.

15 mit Baldrian besprühte Lockstöcke hatten sie dafür in den Boden gesteckt. Katzen lassen sich von dem Geruch anlocken und reiben sich an den für sie betörend duftenden Hölzern. Die Tierzähler nutzen diese Gewohnheit, um an genetische Pfotenabdrücke der Wildkatzen zu kommen. Um nicht auch Hauskatzen verrückt zu machen, brachte die Waldjugend ihre Stöcke mindestens einen Kilometer vom Waldrand entfernt aus. Besonders gut funktioniert die Methode im Februar und März, wenn Katze und Kater rollig – fachsprachlich: „raunzig“ – sind und zudem gerade das Winterfell verlieren. Die Wildkatzenhaare wurden später vom Forschungsinstitut Senckenberg in Gelnhausen genetisch untersucht.

Wöchentlich die dicken Haarbüschel einzusammeln, übernahmen insgesamt 20 Kinder und Jugendliche. Trotz des meist ungemütlichen Wetters waren sie mit viel Eifer dabei, berichtet Marie-Louise Bäder, die Hofheimer Waldjugend-Vorsitzende.

Der Naturschutz-Nachwuchs reinigte nach der Haarentnahme dann auch den jeweiligen Stock durch Abflämmen mit dem Bunsenbrenner. Für den nächsten Einsatz kerbte er seine Kanten neu ein und raute ihn mit der Drahtbürste auf, damit bis zur nächsten Kontrolle möglichst viele neue Katzenhaare hängen bleiben. Krönender Abschluss war ein kräftiger Sprühstoß Baldrian.

Die Untere Naturschutzbehörde hat die Studie geplant, Anstoß gab ein ähnliches Forschungsprojekt der Kelkheimer Waldjugend im Jahr zuvor. Da Wildkatzen keine Gemarkungsgrenze respektieren, verwundert es nicht, dass die Hofheimer auf einen Kater stießen, den die Kelkheimer schon am Staufen nachgewiesen hatten. Der Streuner hatte sein Genmaterial auch am Kapellenberg und am Sportpark Heide abgestreift. „Straßen sind keine Barriere für Wildkatzen, solang der Wald zusammenhängt“, folgert Marie-Louise Bäder.

Die Auswertung der haarigen Beute ergab, dass es zwei Männchen mit großem Revier gab, vier Katzen mit kleinerem Bewegungsradius sowie zwei Kater, die jeweils nur eine einzelne Spur hinterlassen haben. Ob letztere nur durchzogen oder vielleicht doch bei Hofheim festmachten, ist eine der Fragen, welche die nun anlaufende Nachuntersuchung klären soll. Natürlich wäre es auch spannend zu erfahren, ob es übers Jahr Nachwuchs gegeben hat. Bäder, die derzeit in einem Jugendwaldheim am Hoherodskopf ein Freiwilliges Soziales Jahr macht, verrät, man denke schon über ein drittes Untersuchungsjahr nach.

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