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Das Biomassekraftwerk ist der größte Stromproduzent auf der Deponie in Wicker. Es wurde 2003 in Betrieb genommen.
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Das Biomassekraftwerk ist der größte Stromproduzent auf der Deponie in Wicker. Es wurde 2003 in Betrieb genommen.

Main-Taunus

Vorreiter der Energiewende

  • Torsten Weigelt
    VonTorsten Weigelt
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Die Rhein-Main-Deponie GmbH besteht seit 20 Jahren. Seit ihren Anfängen hat sich die RMD vom Betreiber einer Mülldeponie zum Vorzeigebetrieb in Sachen erneuerbare Energien entwickelt. Nun ist ein neues Geschäftsmodell nötig.

Erfolgreiche Vergangenheit, ungewisse Zukunft – es ist eine zwiespältige Situation, in der die Rhein-Main-Deponie GmbH (RMD) am heutigen Freitag ihr 20-jähriges Jubiläum feiert. Immerhin nehmen die beiden Geschäftsführer Gerd Mehler und Markus Töpfer pünktlich zum Geburtstagsfest eine neues Lager für Gär-Reste mit einem Volumen von 20 000 Kubikmetern in Betrieb, aus dem die Biogasanlage auf der Deponie in Wicker versorgt wird.

Seit ihren Anfängen hat sich die RMD vom Betreiber einer Mülldeponie zum Vorzeigebetrieb in Sachen erneuerbare Energien entwickelt. Nicht ohne Stolz verweist Gerd Mehler, der das Unternehmen von Beginn an leitet, auf die zahlreichen Besuchergruppen aus aller Welt, denen er schon die Kraftwerke für Biogas und Biomasse vorgeführt hat. „Wir waren sogar mal im Programm eines japanischen Reiseveranstalters“, schildert Mehler und lacht. Drosselgasse und Müllkippe – die Touristen dürften ein recht spezielles Bild von Deutschland mit nach Asien genommen haben.

Wobei es auf dem 85 Hektar großen Areal zwischen Wicker, Hochheim und Massenheim auch eine ganze Reihe idyllischer Flecken gibt, auf denen Schafe grasen und Störche nisten. Selbst seltene Vogelarten wie Steinschmetzer und Kamin-Gimpel tummeln sich hier.

Weniger idyllisch ist in den vergangenen Jahren die politische Diskussion um die RMD verlaufen. Als Chefkritiker hat sich dabei Main-Taunus-Landrat Michael Cyriax (CDU) hervorgetan, der die Deponie während einer Kreistagssitzung sogar als „krankes Unternehmen“bezeichnete.

In einer aktuellen Stellungnahme zum Jubiläum spricht Cyriax nun zurückhaltender von einem „vielschichtigen Bild“, das die RMD abgebe. Er lobt sie für ihr vorausschauendes Engagement bei den erneuerbaren Energien und ihre Kompetenz bei der Deponienachsorge. Allerdings weist er auch auf die Probleme hin, die sich dem Unternehmen für die Zukunft stellen.

Kooperation mit der Eswe

Was die Finanzen angeht, habe sich die Liquidität zwar verbessert. „Dennoch stellen sich für die Gruppe aufgrund der begrenzten Verfüllmöglichkeiten neue Themen, die diskutiert werden müssen.“ Langfristig sei die Frage der Deponienachsorge zu klären. Und vor allem müssten „neue Geschäftsfelder mit Millionenperspektiven“ her.

Die Tiefengeothermie wird dabei wohl keine Rolle spielen, auch wenn die RMD gemeinsam mit dem Wiesbadener Versorger Eswe Pläne für ein Erdwärme-Kraftwerk entwickelt hat. Bürgerproteste vor allem in Hochheim hatten in der vergangenen Legislaturperiode bereits die Koalition aus CDU, FDP und FWG davon abrücken lassen.

„Wir wollen den politischen Willen umsetzen“, sagte Gerd Mehler nun im Gespräch mit der FR. Allerdings handele es sich dabei um ein „sehr komplexes Thema“. Schließlich ist es bei einem Verzicht der RMD keineswegs ausgeschlossen, dass die Eswe oder ein Dritter ein entsprechendes Kraftwerk in Betrieb nimmt.

Was das zukünftige Geschäftsmodell für die RMD betrifft, ist Mehler zuversichtlich. In zwei Jahren werde darüber entschieden, kündigte er an. Nötig ist der Umbau der RMD, weil spätestens 2021 keine zusätzlichen Abfälle mehr in Wicker gelagert werden können. Ein weiterer Ausbau der Stromerzeugung, die Produktion von Fernwärme, aber auch eine verstärkte Zusammenarbeit mit der Eswe sieht der Geschäftsführer als Optionen. Außerdem verweist er auf die erfolgreiche Arbeit der vergangenen Jahre.

1996 war die neue RMD-Gesellschaft mit Schulden von 85 Millionen Euro gestartet und musste sich um erhebliche Altlasten in der Wickerer Deponie kümmern. „Das hätte ansonsten der Steuerzahler tragen müssen“, sagt Mehler. Seitdem sei es der RMD gelungen, genug Geld zu erwirtschaften, um das zu verhindern. Was die Finanzen angeht, kann Mehler am RMD-Geburtstag zumindest für die Gegenwart eine gute Nachricht vermelden: „Die Liquidität ist bis 2019 gesichert.“

Zum Tag der offenen Tür lädt der Rhein-Main Deponiepark in Flörsheim Wicker am morgigen Samstag, 25. Juni, von 10 bis 16 Uhr. Von Hochheim und Flörsheim aus fahren Pendelbusse. Weitere Infos unter .

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