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Langzeitarbeitslose könnten in Schwimmbädern arbeiten.

Arbeitsmarkt

Vollbeschäftigung fast erreicht

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450 Langzeitarbeitslose im Main-Taunus-Kreis könnten bald wieder einen Job haben.

Aus einer Glaserei hat Joachim Werle schon deutliche Signale bekommen, aus den Kommunen Bad Soden und Flörsheim ebenfalls. Mit anderen Betrieben ist der Leiter des Amtes für Arbeit und Soziales im Kreishaus in „Erfolg versprechenden“ Gesprächen. Es geht um die Bereitschaft potenzieller Arbeitgeber, Langzeitarbeitlosen eine Rückkehr in die Arbeitswelt zu ermöglichen. Bereits in diesem Jahr stehen dafür eine Million Euro zur Verfügung, rund 30 neue Arbeitsplätze könnten finanziert werden. Eher einfache Jobs, bei den Kommunen etwa im Bauhof, in Schwimmbädern oder im Service-Bereich.

Eine Änderung im Sozialgesetzbuch (SGB II) soll der Türöffner für Menschen sein, die schon mehr als fünf Jahre arbeitslos gemeldet sind. „Einstieg in den Sozialen Arbeitsmarkt“ nannte der Kreisbeigeordnete und Sozialdezernent des Main-Taunus-Kreises, Johannes Baron (FDP), die seit Anfang des Jahres im Paragraf 16i neu verankerte Möglichkeit zur „Förderung von Teilhabe am Arbeitsmarkt“ gestern bei der Vorstellung des Sozialberichts für die Jahre 2017/18. Wenn im zweiten Halbjahr „Dutzende“ auf diesem Weg vermittelt werden könnten, dann, so Baron, wäre die Maßnahme ein Erfolg.

Arbeitgeber, die mit dem Kreis kooperieren, werden in den ersten beiden Jahren eines begründeten Arbeitsverhältnisses beim Arbeitsentgelt zu 100 Prozent bezuschusst, danach verringert sich der Zuschuss pro Jahr um 10 Prozent auf 70 Prozent nach fünf Jahren. Gezahlt werden soll als Minimum der Mindestlohn, gedacht ist an einen Einstieg in Teilzeit mit begleitendem Coaching und später aufgestockter Arbeitszeit. Laut Baron erfüllen derzeit 450 Langzeitarbeitslose die Grundvoraussetzungen, ihre Zahl ist ausweislich des Sozialberichts mit 1348 auf den niedrigsten Stand gefallen, seit der Kreis ihre Betreuung übernommen hat.

Auch die Arbeitslosenquote insgesamt liest sich positiv. Seit jener Übernahme 2005 ist sie von 5,9 Prozent auf 3,2 Prozent im vergangenen Jahr gefallen. „Annähernd Vollbeschäftigung“ also, so Baron, optimistisch mit Blick auf Erreichen dieses Ziels (drei Prozent) im nächsten Jahr. Allein 2018 seien 2832 Menschen in Arbeit vermittelt worden, dies betreffe Vollzeit-, Teilzeit- und Mini-Jobs. Ein Rekordergebnis für den Main-Taunus-Kreis, allerdings sei die Zahl der Menschen, die Unterstützung nach dem Sozialhilfegesetzbuch II erhalten, auf über 10 000 angestiegen. Ursache dafür sei vor allem der Zuwachs durch Flüchtlinge. In die Statistik gehen alle Familienmitglieder ein, rund die Hälfte seien Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit hohem „Integrationswillen und Leistungsbereitschaft“.

Ein „neues Themenfeld“ erschließt sich für das Amt für Arbeit und Soziales bei der Betreuung von Menschen mit Behinderung durch Verschiebungen in Folge des Bundesteilhabegesetzes. Der Kreis ist nun in der Schulpflichtzeit als Betreuungsbehörde vorgesehen, der Landeswohlfahrtsverband (LWV) für die Zeit danach. Dadurch wächst die Zahl der Menschen, deren Anlaufstelle das Kreishaus ist, um fast 400 auf 1070 Personen. Eine neue Organisationseinheit soll für die Koordinierung zuständig sein. Die Kostenübernahme ist noch nicht geklärt, laut Baron geht es „um Millionenbeträge“. Sicher sei, dass der Sozialetat wachse.

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