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Verkaufen aus Überzeugung

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Hofheim Seit 30 Jahren setzen sich die Betreiber des Weltladens für fairen Handel ein / Konkurrenz durch Bioläden

Von Jöran Harders

Die Geschichte beginnt mit 15 engagierten Schülern, die im Vorraum der Kirche an einem Tisch Kaffee und andere fair gehandelte Produkte verkaufen. „Wir wollten nicht nur über die Ausbeutung der Dritten Welt reden, sondern etwas dagegen tun“, erinnert sich Matthias Henrich. An nur einem Nachmittag machten die Jugendlichen einen Umsatz von 900 D-Mark. „Da war uns klar, dass wir weitermachen wollten“, erzählt Henrich.

30 Jahre sind seit dem ersten Verkauf in der Kirche St. Peter und Paul vergangen, weitergemacht hat Henrich bis heute. Aus dem Tisch mit Kaffee ist der Weltladen in der Hauptstraße geworden und die Gruppe von Schülern ist mittlerweile ein Verein mit 45 Mitgliedern. Die Idee ist dieselbe geblieben: Im Weltladen werden Produkte verkauft, deren Produzenten in den sogenannten Entwicklungsländern dafür gerechte Löhne bekommen.

Überschuss wird gespendet

Gewinn wird mit dem Laden nicht erwirtschaftet. Der Überschuss wird für soziale Projekte in diesen Ländern gespendet, zurzeit unterstützt der Verein alte Menschen in Tansania, deren Kinder an Aids gestorben sind, mit einer kleinen Monatsrente.

Anfangs seien fast alle Kunden aus politischer Überzeugung gekommen – zuerst zu dem regelmäßig am Samstag stattfindenden Verkauf in der Kirche, ab Ende Oktober 1983 in den ersten eigenen Laden in der Hauptstraße, nicht weit entfernt vom heutigen Geschäft. Seitdem habe es „Höhen und Tiefen“ gegeben, erzählt Henrich, der sich inzwischen als Vorsitzender des Vereins „Faire Welt“ um die Organisation des Ladens mit den zehn ehrenamtlichen Verkäufern kümmert.

Mit dem Aufkommen von Naturkost- und Bioläden musste der Weltladen mehr um Kunden werben und gegen sinkende Umsätze ankämpfen. „2009 mussten wir uns aufgrund der immer geringer werdenden Nachfrage ernsthaft überlegen, ob der Laden noch eine Zukunft hat“, so Henrich. Man habe das Geschäft von Grund auf renoviert. „Dadurch ist der Weltladen auch für die Laufkundschaft attraktiv geworden.“

Neben Lebensmitteln wird heute auch Kunsthandwerk verkauft. „Man kann nur durch Handeln etwas bewegen“, ist Henrich nach wie vor überzeugt. „Durch den fairen Handel sind die Lebensbedingungen der Produzenten stark verbessert worden.“

Wirklich erfolgreich sei man aber nur im kleinen Maßstab gewesen. „Im Großen und Ganzen ist die Situation in den Dritte-Welt-Ländern nicht besser, sondern eher schlechter geworden“, sagt Henrich.

Doch dadurch lässt er sich nicht entmutigen. „Wir müssen uns eben immer wieder etwas Neues einfallen lassen, damit die Kunden weiterhin gerne bei uns einkaufen.“

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