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Die Initiatoren Elfriede Zink, Simone Deus und Marco Deus (v.l.) vor dem Rohbau Am Klingenborn.

Hofheim

Hofheimer Verein sucht sich die Mieter aus

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Gemeinschaftliches Wohnprojekt Am Klingenborn wird 2020 fertig. Zwei Wohnungen sind noch zu vergeben.

Sie werden Morgensonne auf ihrem Balkon im zweiten Stock haben. Simone und Marco Deus kommen mehrmals die Woche am Neubau vorbei, den die Hofheimer Wohnungsbaugesellschaft (HWB) in der Straße Am Klingenborn hochgezogen hat. „Es geht rasant voran“, sagen die beiden Frankfurter, die seit mehr als 30 Jahren in Hofheim zu Hause sind. „Anfang 2020 werden wir einziehen können. Darauf freuen wir uns.“

Ihre Nachbarn kennen die Kita-Leiterin und der Verlagsangestellte bereits. Der östliche Teil des Gebäudeensembles am Kapellenberg ist für ein gemeinschaftliches Wohnprojekt reserviert, das der Verein „Nahbarschaft“ mit angestoßen hat. Simone und Marco Deus waren von Anfang an dabei und engagieren sich im Vorstand. Ebenso Elfriede Zink. Die ehemalige Rathausmitarbeiterin und Sozialpädagogin ist die Vorsitzende.

Die Initiative für das Wohnprojekt Am Klingenborn, in dem Singles, Paare und Familien mit Kindern zusammenleben und sich gegenseitig im Alltag unterstützen wollen, sei von der Stadt Hofheim ausgegangen, erinnert sich Elfriede Zink. Die Kommune hatte das rund 3000 Quadratmter große Grundstück geerbt, mit der Maßgabe dort ein soziales Projekt zu verwirklichen. „Starthilfe“ bei der Planung gab die Beraterin für gemeinschaftliches Wohnen, Helene Rettenbach. Die Hofheimer Wohnungsbaugesellschaft sollte die 14 Wohnungen im Mehrgenerationenhaus bauen und vermieten, der Verein Nahbarschaft entscheiden, wer einzieht.

Zwei Wohnungen, 83 und 99 Quadratmeter groß, sind beim Projekt für gemeinschaftliches Wohnen Am Klingenborn noch zu vergeben. Die Kaltmiete liegt bei rund 11 Euro. Informationen gibt es unter www.nahbarschaft.de. Vereinsvorsitzende Elfriede Zink ist telefonisch erreichbar unter 06192/2003045 oder per Mail: info.nahbarschaft@web.de.

Errichtet werden Am Klingenborn auch seniorengerechte Wohnungen sowie eine Demenz-WG. Infos unter www.hwb-hofheim.de.

Doch dann geriet das Projekt ins Stocken. Einigen Villenbesitzern am Kapellenberg war das Gebäudeensemble, in dem auch eine Demenz-WG und seniorengerechte Wohnungen unterkommen sollen, zu wuchtig. Sie klagten dagegen. „Es war nicht einfach, diese Zeit der Unsicherheit zu überstehen“, sagt Elfriede Zink. Familien mit Kindern konnten nicht warten, suchten sich anderswo eine neue Bleibe. Neue Interessenten kamen hinzu, auch aus Frankfurt und dem Hochtaunuskreis. „Wir haben immer Akquise betrieben“, erzählt Zink. Um die Gruppe zusammenzuhalten, wurde ein gemeinschaftlicher Garten in Hofheim gepachtet. Der Verein organisiert Wanderungen und monatliche Treffen für seine Mitglieder. „Wir haben die Zeit der juristischen Auseinandersetzung als Gruppe gut überstanden, einander nie verloren“, sagt Marco Deus.

Zwölf der 14 Wohnungen des gemeinschaftlichen Wohnprojektes „Wir Am Klingenborn“ sind bereits vergeben. 16 Erwachsene und neun Kinder werden einziehen – sieben Wochen alt ist die jüngste Bewohnerin, 78 Jahre der Älteste. Interessenten sucht der Verein noch für zwei Wohnungen. Sie sind 82 und 99 Quadratmeter groß. Eine Familie mit Kindern, ein Paar oder Alleinerziehende würden gut passen, sagt Elfriede Zink. Simone und Marco Deus werden eine 75-Quadratmeter-Wohnung beziehen. Ihre drei Kinder, die ursprünglich mitkommen wollten, sind mittlerweile erwachsen und aus dem Haus.

Was man mitbringen muss, um vom Verein als neue Nachbarn am Klingenborn ausgewählt zu werden? „Die Chemie muss stimmen. Das ist das Allerwichtigste“, sagt Marco Deus. Niemand müsse seine Wohnungstür ständig offenhalten. Aber von den Bewohnern werde erwartet, dass sie bereit sind, sich für die Gemeinschaft zu engagieren. Dass sie an regelmäßigen Arbeits- und Freizeittreffen teilnehmen, mal als Babysitter einspringen, die Katze der Nachbarin füttern oder Blumen gießen, wenn jemand im Urlaub ist. „Wir möchten uns gegenseitig unterstützen, so gut es geht, auch Kontakte knüpfen zur Demenz-WG und zu den Senioren, die in den anderen Teil des Gebäudes einziehen.“ Im Gemeinschaftsraum könne beispielsweise ein gemeinsames Frühstück stattfinden. Auch lose Verabredungen zu Kinobesuchen seien denkbar.

Die Anwohner, die vor Gericht gezogen sind, haben sich mittlerweile mit dem Bau arrangiert. „Beim Richtfest haben sie uns im Quartier willkommen geheißen“, erzählt Elfriede Zink und kündigt an: „Wenn wir hier einziehen, lassen wir’s richtig krachen.“

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