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Traumjob Müllmann

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Jörg van den Boom
Jörg van den Boom © Michael Schick

Jörg van den Boom ist mit Leib und Seele Müllmann. Sogar zu Hause lässt ihn sein Beruf nicht los: Seine Sammlung von 2000 Miniatur-Müllwagen dürfte weltweit einmalig sein.

Von Bastian Beege

Ins Poesiealbum seiner Grundschulfreunde schrieb der kleine Jörg immer, er wolle später einmal Müllmann werden. Und zu Hause konnte er stundenlang mit leuchtenden Augen vorm Fenster sitzen und auf das riesige orangefarbene Entsorgungsfahrzeug warten, das die Tonnen in seiner Straße leerte: „Mich beeindruckte, wie dieses Ding all die Abfälle in sich hineinschaufeln konnte.“

Inzwischen ist aus dem kleinen Jörg längst ein gestandener Mann geworden – doch die Faszination am Mysterium „Müllauto“ ist zweifelsfrei geblieben: Nicht nur hat sich der heute 35-Jährige seinen Traum erfüllt und ist tatsächlich Mitarbeiter einer Entsorgungsfirma geworden, Jörg van den Boom ist sogar stolzer Besitzer von mehr als 2000 Müllautos. In Miniaturform, versteht sich. In einem Zimmer seines Elternhauses in Flörsheim-Weilbach stapeln sich die Modell-Fahrzeuge in Vitrinen.

Der Anblick der unzähligen Müllautos hat etwas Skurriles – fast meint man, den süßlich-fauligen Geruch der schwarzen Abfalltonnen wahrzunehmen. Als hätte er den Gedanken erraten, sagt van den Boom plötzlich: „Es ist bestimmt kein erstrebenswerter Beruf. Ich meine, wer will schon gern zur Müllabfuhr? Aber ich stehe dazu.“ Ja, kein Zweifel: Anders ließe sich die große Sammlung, in die der Flörsheimer bis heute knapp 100000 Euro investiert hat und die weltweit Seltenheitswert haben dürfte, wohl kaum erklären. „Die Autos sind ganz unterschiedlich in Form, Größe, Farben oder Beschriftungen.“ Sie stammen unter anderem aus Japan, den USA, Australien oder Russland. Van den Boom verbringt viel Zeit im Internet, um nach neuen Exemplaren zu suchen. Viele Miniatur-Müllfahrzeuge gibt es jedoch gar nicht im Handel zu kaufen. Der passionierte Sammler fragt oft direkt Entsorgungsbetriebe, ob sie Modell-Ausgaben ihrer Autos besitzen.

Auf diese Weise ist er auch an sein Lieblingsstück geraten: „Das ist ein Mack Leader 2R2 einer US-Firma, die nur 50 Modelle von dem Auto hergestellt hat“, sagt er, während liebevoll über das kleine orangefarbene Auto streicht. 850 Dollar hat er seinerzeit für das Sammlerstück hingeblättert – soviel, wie für kein anderes Exemplar. Doch den Wert weiß nur er selbst zu schätzen. „Es gibt keine große Sammler-Community“, gibt er zu. „Das heißt, selbst wenn ich wollte, könnte ich die meisten Autos nicht verkaufen.“

Van den Boom besitzt die Autos nicht nur in Modell-Form: Sogar auf einem Öl-Gemälde prangt ein großer Müllwagen und in den Schränken stapeln sich rund 20000 Fotos. Eine umfangreiche Fach-Bibliothek mit Büchern wie „Das Lastwagen-Lexikon“ oder „Deponie Erde – Das große Buch vom Müll“ rundet die Sammlung ab. Doch ist es Van den Boom tatsächlich gelungen, das Mysterium rund um das müllschluckende Monster zu lüften? Der gebürtige Flörsheimer lacht: „Ich finde das noch immer höchst spannend.“

Und so käme er auch nicht auf die Idee, die Müllmann-Uniform seines in Kelkheim ansässigen Unternehmens an den Nagel zu hängen. „Ich werde den Beruf bis zur Rente ausüben“, sagt er und für einen Moment glimmt wieder dieses Leuchten in den Augen auf, das schon von dem kleinen Jörg regelmäßig Besitz ergriffen hatte, wenn die Müllabfuhr bei ihm zu Hause vorfuhr.

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