Hofheim

Der Traum vom Modellquartier

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Für das Baugebiet Marxheim II stehen Politik und Planer vor einer großen städtebaulichen Herausforderung. Rund 3000 Menschen sollen dort ihr neues Zuhause finden.

Es gibt noch keinerlei Festlegungen. Es geht bisher nur um grundsätzliche Fragen. Wir stehen vor einer großen städtebaulichen Herausforderung. Jetzt geht es um Eckpunkte und Leitplanken. Es wird noch viel Streit geben. Wir sind noch ganz am Anfang.“ Das Mantra ist stets das Gleiche, ob Stadtplaner Torsten Becker spricht, Erster Stadtrat Wolfgang Exner (CDU) oder Kristina Oldenburg vom Unternehmen Kokonsult, die für die Konzeption und Begleitung des öffentlichen Dialogs in der Sache Marxheim II verantwortlich ist. Weil alle ein großes Ziel haben: Es soll was werden, „was es so noch nicht gibt“ (Exner), es soll „ein modellhafter Stadtteil werden“ (Oldenburg), „wir wollen anders planen“ (Becker).

Heißt für die Hofheimer: Es wird noch viel Wasser den Schwarzbach hinunterfließen, bevor sich was tut auf den bislang landwirtschaftlich genutzten Flächen und Streuobstwiesen im Südosten Hofheims, auf den 28 Hektar, die als Siedlungserweiterungsfläche firmieren. Wo ein Projekt entwickelt werden soll, das in seinen Dimensionen für alle Beteiligten neu ist. Der Traum vom Modellquartier Marxheim II wird die Kreisstadt noch viele Jahre beschäftigen. „Es wird noch viele öffentliche Veranstaltungen geben, das wird man mit der ganzen Stadt diskutieren“, versichern Exner und Oldenburg.

Das Projekt

Im Plangebiet Marxheim II könnten auf rund 28 Hektar Siedlungsfläche bis zu 1400 Wohneinheiten für etwa 3000 Menschen entstehen.  

Auf die Stadt sieht der Erste Stadtrat Wolfgang Exner (CDU) „ganz schwierige Verhandlungen“ zukommen, denn es geht um rund 60 Grundstücke unterschiedlicher Größe, die bebaut werden können.  

Mit im Spiel um Marxheim II sind etwa 120 Eigentümer, mit denen gemeinsam eine gute Lösung gefunden werden muss. Zumindest eine kleine Rolle soll auch die Hofheimer Wohnungsbau- GmbH spielen. 

Rund ein halbes Jahr ist vergangen, seit 400 Bürger beim ersten öffentlichen Dialog ihre Ideen für das Baugebiet der Zukunft eingebracht haben. Viele „kreative Anregungen“, so Becker, hinter den meisten schwang der Tenor mit, den bisher dörflichen Charakter Marxheims auch dort zu erhalten. Sie gilt es nun in den Rahmenplan einzuarbeiten, der in etwa einem Jahr stehen soll. Erst dann wird es um konkrete Bebauungsplanverfahren gehen, die in mehreren Schritten erfolgen werden. „Wir haben auch eine Verantwortung für die Region“, glaubt Stadtrat Exner, „viele gucken auf uns“. Schaffen es die Hofheimer, die aktuellen Megatrends in ihre Planungen einzubeziehen? Wie werden die Themen Klimawandel, Mobilität, Null-Energie-Quartier eingearbeitet?

Den passenden Input haben die städtischen Mandatsträger nun bei drei Fachdialogen bekommen, in denen der sogenannte „Expertenrat“ Ideen für eine „zukunftsfähige und exzellente Quartiersentwicklung“ gegenseitig vorgestellt und diskutiert hat. Die jeweils rund 60 Teilnehmenden sollen nun als Multiplikatoren den öffentlichen Diskurs mit neuen Ideen befördern. „Köpfe öffnen und frühzeitig nach vorne gucken“, nennt dies Kristina Oldenburg, die auch über „sehr positive Workshops“ mit Schülern einer Montessori-Schule zur „Stadt der Zukunft“ berichten kann. Diese gehörten schließlich zur Generation derer, die einst Marxheim II, oder wie immer es dann heißen wird, bevölkern werden.

Jeweils drei Experten aus dem universitären Bereich und von spezialisierten Firmen und Instituten wurden zu den Themen Mobilität & Verkehr, Klimaentlastung & Freiräume sowie Wohnen & Urbanität eingeladen. Jede Menge Input, um Stadtentwicklung mal anders zu sehen. Mobilität neu denken, das kristallisierte sich dabei als ein wichtiger Punkt heraus, „intelligente Mobilität im Wohnquartier“ etwa. Definiert durch Carsharing, Fuß- und Radverkehr und vernetzte Mobilität mit dem ÖPNV, ohne ganz aufs Auto verzichten zu müssen. Dafür könnte es Platz in „Quartiersgaragen“ geben, mehr Frei- und Grünflächen für die Bewohner seien die Folge.

Klimaangepasstes Bauen, in der Fachsprache „grünes und blaues Bauen“ (unter Einbeziehung von Pflanzen und Wasser) raten die Experten an und eine möglichst große „gestalterische Vielfalt in einer starken, flexiblen Struktur“ beim Bauen für die erwünschte „urbane Qualität“.

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