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Trauer um Hund und Katz

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Von: Kerstin Klamroth

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Tierbestatter Bernd Krause mit seinem Buch.
Tierbestatter Bernd Krause mit seinem Buch. © Martin Weis

Wie gehen Tierbesitzer mit dem Tod ihres vierbeinigen Freundes um? Darf man um ein Tier trauern? Ja natürlich, meint Tierbestatter Bernd Krause. In seinem Ratgeber „Es war (m)ein Freund“ empfiehlt er, auch nicht zu schnell ein neues Tier als Ersatz anzuschaffen.

Es war doch nur ein Tier.“ Diesen Satz bekommen Tierhalter häufig zu hören, wenn sie um ihren verstorbenen Liebling trauern, ob Hund, Katze, Kanarienvogel oder Meerschweinchen. Bernd Krause kennt diesen Satz, der seiner Meinung nach von wenig Sensibilität zeugt. Tausende Trauergespräche hat er als Tierbestatter bereits in seinen Räumen in Wallau geführt. Und dabei festgestellt, „dass in der heutigen Gesellschaft wenig Raum für Tod und Trauer ist.“

Das gilt seiner Meinung nach erst recht, wenn ein Haustier gestorben ist. Krause will Tieren nicht mit Menschen auf eine Stufe stellen. Doch wohin sollen die verwaisten Besitzer mit den Gefühlen des Verlusts und Einsamkeit? Wie ist das, wenn der allmorgendliche Hunde-Spaziergang ausfällt und die Katze nicht mehr nach Feierabend zu Hause wartet? Antworten darauf gibt ein neuer Ratgeber, den Krause, Inhaber der Tierbestattung Abendrot, herausgebracht hat.

„Die Beziehung des Menschen zu seinem Tier ist in den vergangenen Jahrzehnten immer enger geworden“, weiß Krause, Dies hängt seiner Meinung nach mit den veränderten Familienstrukturen zusammen. Gerade in den Städten lebten viele Singles. Nach einer Trennung oder dem Tod des Lebenspartners, so Krause, bleibt das Haustier oft der einzige Bezugspunkt. Sein Tod hinterlässt eine große Leere.

Partner der Singles

Und dann? Darf man um ein Tier trauern? Ja natürlich, das sei ein wichtiger Prozess, meint Krause. Bloß nicht zu schnell ein neues Tier als Ersatz anschaffen, das wird in seinem Ratgeber „Es war (m)ein Freund“ empfohlen. Leser finden darin neben solchen Ratschlägen auch Statistisches, zum Beispiel, dass 90 Prozent aller Haustiere eingeschläfert werden müssen. Krause beschreibt, wie dies vonstatten geht: durch eine Überdosis Narkosemittel.

Gut verzichten könnte der Leser allerdings auf die allzu präzise Schilderung der Vorgänge in einer Tierkörperbeseitigungsanstalt, wo der verblichene Freund mit anderen zu Tiermehl vermahlen wird. Es muss ja nicht gleich die teuere Tierbestattung sein, bei der man für die Einäscherung eines Hundes mittlerer Größe 250 Euro bezahlen muss. Auch wer das Tier im Garten bestatten will, findet in dem Ratgeber die entsprechenden Vorschriften.

Dass der Hund oder die Katze nur ein Geschenk auf kurze Zeit ist, kann man anhand einer Umrechnungstabelle von Hunde- und Katzenalter im Verhältnis zum Menschen ablesen. Aufgelockert wird der Ratgeber zum schwierigen Thema Tod und Trauer durch kuriose Anekdoten, die der Autor selbst erlebt hat. Da ist die Japanerin, die ihrer verstorbenen Katze zwei Stunden lang japanische Lieder vorsang und die Asche in einer Urne in ihr Heimatland schickte. Oder der Vorsitzende eines Schrebergartenvereins, der das gesamte Erdreich eines Gartens auf ein Meter Tiefe abtragen ließ, weil die frühere Besitzerin 30 bis 40 Tiere darin begraben hatte.

Andachtsraum mit Kerzen

Auch die Geschichte der Tierbestattung wird erzählt: Krause beschreibt die Tiergräber im alten Ägypten, die Katzenmumien und die Sitte der Alemannen, Menschen mit ihren Hunden und Pferden zu begraben. Krause selbst hat in seiner Niederlassung in Wallau verschieden große Särge und Urnen ausgestellt. Die Tiere werden in einem Krematorium in Koblenz verbrannt.

Doch es gibt einen Andachtsraum mit Kerzen, in dem das tote Tier auf schwarzem Samt aufgebahrt wird. Hier können die Tierhalter in Ruhe Abschied von ihrem Liebling nehmen. Für Fotos und persönliche Erinnerungen gibt es freie Seiten in dem Ratgeber.

Das Buch „Es war (m)ein Freund“ ist im Verlag Blaues Schaf erschienen und kostet 18,90 Euro. Es ist im Buchhandel und bei der Tierbestattung Abendrot, Nassaustraße 31, erhältlich.

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