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Exponat der Ausstellung "Rosenstraße".
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Exponat der Ausstellung "Rosenstraße".

Interaktive Ausstellung

Terror hinter der heilen Fassade

Die interaktive Wanderausstellung "Rosenstraße 76" in Bad Soden zeigt das "normale" Gesicht der Gewalt in der Familie.

Der Schulranzen mit dem Blümchenmuster lehnt im Kinderzimmer am Schreibtisch. Auf dem Couchtisch liegen Spielkarten neben einer halb herunter gebrannten Kerze. Topfpflanzen stehen im Regal. Eine Durchschnittswohnung, weder schick noch verwahrlost. Zu sehen ist von nächster Woche an in der Königsteiner Straße 47, die für die Ausstellungsdauer Rosenstraße 76 heißt.

Nur die Texte, die überall an den Möbeln und Wänden hängen, offenbaren das Leid, dass sich hinter einer solch heilen Fassade verbergen kann. Um "die eheliche Pflicht, Freibrief zur Vergewaltigung" geht es auf einem Zettel im Schlafzimmer. Neben dem Bett steht eine Reisetasche griffbereit, als Symbol für den Zwiespalt der Opfer, zu gehen oder zu bleiben.

Im Fernseher laufen nachgespielte Szenen aus Beratungsgesprächen mit gewalttätigenMännern. "Das Problem ist meine Frau", stellt einer der Täter mit nüchterner Stimme fest. Doch tatsächlich geht die Gewalt in Beziehungen in neun von zehn Fällen vom Mann aus, schätzt Diakonie-Mitarbeiter Michael Calmano.

Die Frauen versuchen, die Spuren zu vertuschen. Ärzte übersehen die Folgen der Misshandlung oft, so ein Text am Badezimmerschrank, der mit Salben und Schmerzmittel gefüllt ist. Um sexuellen Missbrauch von Kindern geht es auf den Ausstellungstexten, die am bunt bezogenen Stockbett im Kinderzimmer hängen. Gewalt gegen Kinder führt in einen Teufelskreis, so ist auch im Ausstellungskatalog nachzulesen: "Wenn Kinder Gewalt erleben oder misshandelt werden, lernen sie Gewalt als Bestandteil von Liebe kennen."

Die Ausstellung Rosenstraße 76 wurde konzipiert von der Diakonie und der Hilfsorganisation Brot für die Welt. Seit 2003 tourt sie durch Deutschland, im Main-Taunus-Kreis ist sie erstmals zu sehen. In der Königsteiner Straße 47 hatte bis Ende vorigen Jahres die Evangelische Familienbildung ihren Sitz. Nun ist sie in das neue Haus der Kirche in der Händelstraße 52 gezogen.

Die leer stehenden Räume hätten sich für die Ausstellung über häusliche Gewalt angeboten, sagen die Organisatoren, zu denen das evangelische Dekanat, der Verein Frauen helfen Frauen, Jugendamt und Gleichstellungsstelle des Kreises, die Polizeidirektion Main-Taunus, der Kreisjugendring sowie Pro Familia gehören.

Ausstellungsbesucher können stöbern und selbst in Schubladen und Schränken noch Hinweise entdecken, dass Gewalt und Terror in vielen Durchschnittswohnungen zu Hause sind. Nachbarn sollten nicht wegschauen und weghören, wenn Beziehungsstreits eskalieren, appellieren die Ausstellungsmacher. Zeugen sollten die Polizei rufen, das Jugendamt informieren oder die Betroffenen auf Hilfsangebote hinweisen.

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