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Der Campingplatz an der Bezirksstraße ist derzeit geschlossen, ein Bieterverfahren ist eröffnet.

Niederjosbach

Taunus-Camp in Eppstein meldet Insolvenz an

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Jörg Steimer sucht Käufer für seinen Campingplatz in Niederjosbach. Seit 50 Jahren war das sieben Hektar große Areal an der Bezirksstraße im Familienbesitz.

Mehr als eine Million Euro – so viel werde ein Käufer des Taunus-Camps schon mitbringen müssen, sagt Jörg Steimer. Alleine den Fuhrpark und das Inventar des Campingplatzes in Niederjosbach hätten Gutachter mit 600.000 Euro bewertet. Bis zu einer halben Million Euro seien überdies nötig, um den Investitionsstau aufzulösen. Ob sich da so schnell ein Investor finden wird? Steimer hofft darauf. Aktuell gäben sich Kaufinteressenten die Klinke in die Hand, sagt er. „Vielleicht komme ich ja mit einem blauen Auge davon.“

Jörg Steimer hat das Gelände mit 200 Wohnwagenstellplätzen und idyllischem Blick auf die Eppsteiner Stadtteile Niederjosbach und Bremthal 1995 von seinen Eltern übernommen. Die hatten den Campingplatz 1970 auf den Streuobstwiesen des ehemaligen Hubertushofes angelegt. 2020 hätte das Taunus-Camp sein 50-jähriges Bestehen feiern können. Jetzt ist der Betrieb eingestellt. Das sieben Hektar große Areal an der Bezirksstraße steht zum Verkauf. Das Bieterverfahren läuft. Ende letzten Jahres habe er die Notbremse ziehen und Insolvenz anmelden müssen, sagt Steimer. Die Umsätze seien drastisch eingebrochen. „Gleichzeitig musste ich investieren, habe neue Sanitärhäuser gebaut. Da ist mir das Geld ausgegangen.“

Dabei sah es noch vor wenigen Jahren so aus, als sei der Campingplatz, nur wenige Autominuten von der Autobahn 3 entfernt, eine wahre Goldgrube. 100 Touristenplätze und 100 Dauercampingplätze, die Wohnwagenbesitzer für ein ganzes Jahr mieten können, verteilen sich auf dem terrassierten Gelände zwischen alten Obstbäumen und Buschwerk. Mit diversen Attraktionen versuchte Jörg Steimer das Taunus-Camp zur Ferienattraktion zu machen. Er vermietete E-Bikes und wurde mit seinem selbst gekelterten Stöffche zum Niederjosbacher Apfelweinkönig gekürt. Als Vorsitzender des Verbands der Campingplatzunternehmer in Hessen machte er sich fürs Ökocamping stark, als Chef des früheren Eppstein Touristik Service (ETS) warb er um Kurzurlauber, die Eppstein und den Taunus übers Wochenende entdecken sollten.

In die Schlagzeilen geriet der 59-Jährige aber aus ganz anderen Gründen: Jahrelang machten irische Landfahrer auf seinem Campingplatz Station. Bis zu 50 Gespanne der Traveller-Clans, die in den Sommermonaten durch Europa touren und mit Haustürgeschäften Geld verdienen, ließ er im August auf seinem Campingplatz übernachten. Randale wie andernorts in der Region gab es nicht. Abends konnte es aber schon mal laut werden. Und das Taunus-Camp wurde teilweise rund um die Uhr von der Polizei bewacht. „Dem Image des Platzes hat das nicht gutgetan“, räumt Steimer ein. Selbst Stammgäste seien danach ausgeblieben.

Und dann waren da noch die Flüchtlinge, denen Steimer um die Jahreswende 2015/2016 Unterkunft auf seinem Campingplatz bot. 20 seiner fest installierten Wohnwagen funktionierte er damals in Absprache mit dem Main-Taunus-Kreis zu temporären Asylheimen um. Heute weiß er: Auch das Nebeneinander von Geflüchteten und Campingtouristen hat am Ende nicht funktioniert. Urlauber kamen immer weniger. Die Flüchtlinge zogen nach ein paar Monaten wieder aus den Wohnwagen aus. Der Landkreis hatte feste Unterkünfte für sie gefunden.

Eppsteins Bürgermeister Alexander Simon (CDU) bedauert, dass das Taunus-Camp aktuell geschlossen ist. Der Campingplatz sei über die Stadtgrenzen hinaus bekannt, habe Touristen, die in Richtung Süden reisen, als Zwischenstation gedient und als Ausgangspunkt für Fahrten innerhalb des Rhein-Main-Gebietes. „Ich drücke die Daumen, dass ein Käufer gefunden wird, der den Betrieb weiterführt.“

Im Internetkönnen sich Interessenten auf www.taunuscamp.de informieren. Jörg Steimer ist unter Telefon 06198 /7000 zu erreichen.

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