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Die Flaniermeilen im Main-Taunus-Zentrum sind im Corona-Lockdown wie leergefegt.
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Die Flaniermeilen im Main-Taunus-Zentrum sind im Corona-Lockdown wie leergefegt.

Sulzbach

Wie eine Geisterstadt

  • Andrea Rost
    vonAndrea Rost
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Im Main-Taunus-Zentrum in Sulzbach sind fast alle Läden wegen Corona geschlossen. Wie es nach dem Lockdown weitergeht, ist ungewiss.

Zehntausende Menschen drängen sich an normalen Tagen in den Ladenzeilen des Main-Taunus-Zentrums. Geshoppt werden kann bis in die Abendstunden. Erst nachts, wenn auch die Restaurants und das große Kinocenter Kinopolis geschlossen haben, kehrt Ruhe ein.

Im Corona-Lockdown ist das MTZ auch tagsüber zur Geisterstadt geworden. Die Flaniermeilen sind wie leer gefegt. Hinter vielen Schaufensterscheiben brennt kein Licht. Die bunten Werbeaufkleber, die Rabatte bis zu 70 Prozent versprechen, sind Relikte aus dem Weihnachtsgeschäft, das Mitte Dezember abrupt endete. Nur noch Läden, die Produkte des täglichen Bedarfs anbieten, dürfen aufsperren. Keine zwei Dutzend sind es im gesamten Zentrum – Optiker, Supermarkt, Obststand, Post und Drogeriemarkt mit eingerechnet.

Zu denen, die noch im Laden stehen, zählt Sibylle Reischelmann von „Wein und Wahrheit“. Das Geschäft laufe schleppend, erzählt sie. Vor allem für Stammkunden sei sie da. „Von Rendite sind wir weit entfernt.“ Bei „Tee Gschwendner“ ist mehr los. Sibylle Reidelbach bedient gerade eine Kundin aus Frankfurt. Sie sei heute extra aus Schwanheim gekommen, sagt die Frau und packt drei Dosen mit ihrem Lieblingstee in die Einkaufstasche. Vor der Tür warten noch zwei Kunden.

Das Zentrum

Bei seiner Eröffnung im Jahr 1964 war das Main-Taunus-Zentrum (MTZ) das erste Einkaufszentrum auf der grünen Wiese in Deutschland.

170 Geschäfte gibt es heute im MTZ auf einer Verkaufsfläche von 91 000 Quadratmetern.

Wegen des Lockdowns haben zurzeit nur knapp zwei Dutzend Läden geöffnet.

Informationen unter www.main-taunus-zentrum.de. aro

Maske tragen und Abstand halten sind Pflicht im Main-Taunus-Zentrum. Speisen dürfen nicht verzehrt werden. Eine freundliche Männerstimme weist darauf in Lautsprecherdurchsagen hin und wünscht: „Viel Spaß bei Ihrem Einkauf.“ Der Satz wirkt wie aus der Zeit gefallen.

Das Rentnerpaar aus Kelkheim, das gerade um die Ecke biegt, ist nicht zum Shoppen gekommen. „Wir wollten ein bisschen raus mit dem Hund“, sagt der Mann. „Hier können wir im Trockenen unsere Runden drehen.“ Die Glasdächer zwischen den Läden schützen vor dem Nieselregen. Eine Frau aus Hofheim will bei „Media Markt“ die bestellte Küchenmaschine abholen. Sie ist in Eile und erschrocken, wie leer es im MTZ ist. „Ich gehe schon seit vielen Jahren hier einkaufen“, sagt sie. „So kenne ich das Zentrum nicht.“

Auch Ferracin Edoardo hat das Main-Taunus-Zentrum noch nie so menschenleer erlebt. Seit 40 Jahren ist er hier Mieter, betreibt das italienische Restaurant „Latina“, das weiterhin geöffnet hat und nun ausschließlich Abholservice anbietet. „Für Stammkunden, die uns nicht im Stich lassen wollen, und für das Personal, das noch in den Läden arbeitet“, sagt der 60-Jährige.

Wie es wohl weitergehen wird in Hessens größtem Einkaufszentrum, wenn der Lockdown zu Ende ist und die Geschäfte wieder aufsperren dürfen? Center-Manager Daniel Quaas möchte dazu keine Prognose abgeben. „Die Branchen verändern sich, ein Shoppingcenter ist immer in Bewegung“, formuliert er vorsichtig. Noch deute nichts darauf hin, dass Läden wegen Corona aus dem Zentrum verschwinden würden. Für eine große Fläche, die aktuell leer steht, gebe es bereits einen Nachmieter. Auch Pläne für das ehemalige Karstadt-Gebäude, aus dem sich der Kaufhauskonzern zurückgezogen hat, würden demnächst präsentiert. „Man muss abwarten, wie es nach Corona weitergeht“, sagt Quaas.

Center-Betreiber ECE ist daran interessiert, die Mieter im MTZ und den anderen Einkaufszentren bei der Stange zu halten. Für alle, die im Lockdown zusperren müssten, werde die Kaltmiete um die Hälfte reduziert, teilte das Unternehmen mit. Werbebeiträge für das erste Quartal 2021 würden nicht erhoben.

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