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Sturm auf die schwarze Hochburg

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Erbeeren - das wichtigste Krifteler Exportgut.
Erbeeren - das wichtigste Krifteler Exportgut. © Michael Schick

SPD, Grüne und FDP wollen die Alleinherrschaft der CDU beenden. Ein ambitioniertes Ziel: Gelungen ist das erst zwei Mal seit dem Krieg.

Von Barbara Helfrich

Die absolute Mehrheit halten, so lautet die Devise, die der Krifteler CDU-Fraktionsvorsitzende Ferdinand Dillmann für den 27.?März ausgibt. „Erreichbar“ sei das, sagt der 66-Jährige, der seit 1972 ohne Unterbrechung in der Kommunalpolitik mitmischt.

Die CDU unter die 50-Prozent-Marke drücken, das ist das erklärte Ziel der drei anderen Parteien. Gelungen ist das im Nachkriegs-Kriftel erst zwei Mal, zuletzt in den 90er Jahren nach der Korruptions-Affäre um den damaligen CDU-Bürgermeister Hans-Werner Börs. „Optimistisch“ sieht Dorothea Barth, Fraktionsvorsitzende der SPD, die Chancen, die schwarze Alleinherrschaft diesmal zu knacken.

„Ich glaube, das wird klappen“, pflichtet ihr die Spitzenkandidatin der Grünen, Regina Vischer, bei. Und Bettina Jansen, die auf Platz 1 der FDP-Liste antritt, malt sich für ihre Fraktion schon eine Zukunft als Juniorpartner einer geschwächten CDU aus.

Kriftel hat von allen Kommunen im Kreis die höchste pro Kopfverschuldung. Mit dazu beigetragen hat die gründliche Renovierung des Freibads, die 5,5?Millionen Euro gekostet hat. In diesem Jahr wird vor allem der Neubau der Kindertagesstätte Linsenberg ins Kontor hauen: 4,4?Millionen Euro soll er kosten und bis Mai 2012 stehen.

Für weitere Projekte dieser Größenordnung fehlt der Gemeinde auf absehbare Zeit das Geld. Darin sind sich die vier Parteien einig, die in Kriftel antreten. Eine neue Betreuungseinrichtung am Freizeitpark, die Altenheim und eine weitere Kita vereint, soll deshalb ein Investor bauen. Das Rote Kreuz ist als Betreiber vorgesehen. Doch das seit Jahren geplante Projekt ist ins Stocken gekommen. Es voran zu bringen, stehe für die CDU „an erster Stelle“, sagt Dillmann. Zunächst müssten dafür noch Grundstücksfragen geklärt werden.

Neue Kita-Plätze zu schaffen, setzen sich alle Parteien als Ziel. „Die Kinderbetreuung ist noch eine große Baustelle mit vielen Provisorien“, sagt Regine Vischer (Grüne). Sie formuliert auch für die Schullandschaft Wünsche, über die freilich nicht die Gemeinde zu entscheiden hat: Als Alternative zur verkürzten Gymnasialzeit G?8, könne die Weingartenschule zu G?9 zurückkehren oder sich von der Kooperativen zur Integrierten Gesamtschule wandeln. „Aber das kann man der Schule nicht überstülpen“, so Vischer.

Klimaschutz ist ein Anliegen, das die Grünen auch auf lokaler Ebene verwirklichen wollen, „in kleinen Schritten“, etwa durch mehr Solaranlagen.

Dorothea Barth (SPD) will mit ihrer Partei dafür eintreten, dass „Kriftel nicht die Gemeinde der Besserverdienenden“ wird. „Wir brauchen eine gesunde Mischung, günstiger Wohnraum fehlt.“

Für das Mönchhofgebiet, in dem Gewerbe- und Wohngebäude, entstehen sollen, schlägt sie den Bau eines Mehrgenerationen- Hauses vor. Wegen des Lärms sei diese Gegend zum Wohnen „problematisch“, findet hingegen Bettina Jansen (FDP) und CDU-Mann Dillmann sagt zur Zukunft des Mönchhofgebiets: „Wir tendieren zu Gewerbe. Das bringt mehr Steuern.“ Die Bevölkerung solle in Kriftel nur noch langsam wachsen: „Viele Neubürger brauchen auch mehr Infrastruktur, und das kostet.“

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