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Stress mit jungen Schlägern

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Von: Torsten Weigelt

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In der Rathauspassage ist ein Security-Mitarbeiter von Jugendlichen angegriffen worden.
In der Rathauspassage ist ein Security-Mitarbeiter von Jugendlichen angegriffen worden. © Rolf Oeser

Bürger und Geschäftsleute fühlen sich am Bad Homburger Rat- und Kurhaus von herumlungernden Jugendlichen bedroht. Die CDU setzt das Thema auf die Tagesordnung.

Die Politik ist alarmiert. Nachdem Ende März zwei Mitarbeiter von Sicherheitsdiensten in der Rathaus-Passage und am Kurhaus bei Angriffen von Jugendlichen verletzt worden sind, ist in Bad Homburg eine Debatte um zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen entbrannt. 

Dabei geht es vor allem um das Rathausareal. Bürger und Geschäftsleute fühlen sich dort von herumlungernden Jugendlichen bedroht, von Drogenhandel ist die Rede. Das sei nicht hinnehmbar, findet die CDU. „Wir dürfen nicht zulassen, dass sich die Menschen abends nicht mehr in öffentliche Gebäude oder in den Kurpark trauen“, sagt Fraktionschef Oliver Jedynak. 

Deshalb hat seine Partei das Thema auf die Tagesordnung der Hauptausschuss-Sitzung am Donnerstag gesetzt. Mögliche Maßnahmen sind aus Sicht von Jedynak die Verstärkung von Stadtpolizei und Sicherheitsdiensten, der Einsatz von Streetworkern, aber auch die Einführung einer Videoüberwachung. 

Damit weckt er den Widerspruch der Bürgerliste (BLB). Im Ruf nach Videoüberwachung sieht die BLB-Vorsitzende Beate Fleige eine „populistische Forderung“. Stattdessen solle die Stadt erst einmal für eine bessere Beleuchtung des Rathausareals und der Brücke zum Bahnhof sorgen. „Mehr Licht unterstützt das subjektive Sicherheitsgefühl der Passanten und vertreibt diejenigen, die das Licht scheuen“, findet sie. 

Im Rathaus selbst wird die Videoüberwachung durchaus als Option gesehen. Für Oberbürgermeister Alexander Hetjes (CDU) kann sie „ein sinnvolles Instrument“ sein, allerdings nur zusammen mit weiteren Maßnahmen. Auch die hauptamtliche Stadträtin Lucia Lewalter-Schoor (SPD) lehnt den Einsatz von Kameras nicht grundsätzlich ab. Allerdings gebe es dafür einen engen rechtlichen Rahmen. Wichtig sei „ein koordiniertes Sicherheitskonzept zwischen dauerhafter aufsuchender Jugend- und Sozialarbeit, Ordnungsamt und Polizei“. Klar ist auch für sie, dass etwas geschehen muss. „Die Stadt wird nicht zuschauen, sondern tätig werden, damit die Situation nicht weiter eskaliert“, betont Lewalter-Schoor, die als Dezernentin sowohl für öffentliche Ordnung wie Soziales zuständig ist. Unbescholtene Jugendliche müssten aber auch weiterhin die Möglichkeit haben, sich an öffentlichen Plätzen zu treffen.

Die AfD-Fraktion stellt derweil einen Zusammenhang zwischen den Vorfällen in der Bad Homburger Innenstadt und dem Zuzug von Geflüchteten her. Deshalb fordert sie neben mehr Personal und härteren Strafen auch „konsequente Abschiebungen“. 

Täter sind Deutsche 

Was sich allerdings bei den 16 und 17 Jahre alten jungen Männern etwas schwierig gestalten dürfte, die von der Polizei inzwischen als Täter für den Angriff auf den Sicherheits-Mitarbeiter am Kurhaus ermittelt worden sind: Beide sind deutsche Staatsangehörige. Die Täter für die Attacke im Rathaus seien bislang noch nicht identifiziert, teilte Polizeisprecher Johannes Neumann auf Anfrage mit. Als Reaktion auf die Vorfälle hat die Polizei inzwischen ihre Kontrollen auf dem Rathausplatz und rund um das Kurhaus verstärkt. Allerdings schätzt sie beide Areale nicht als Kriminalitäts-Brennpunkte ein. Auf dem Rathausplatz habe man zwar vereinzelt Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz festgestellt, doch dabei habe es sich fast ausschließlich um den Konsum weicher Drogen gehandelt. Lediglich in einem Fall habe eine Jugendliche Drogen weitergegeben, so der Polizeisprecher. 

Bad Homburg ist seit Kurzem Modell-Kommune des hessenweiten Präventionsprojekts „Kompass“. In diesem Rahmen werde nun auch das Thema „junge Gewalttäter“ verstärkt im Fokus stehen, kündigt Neumann an.

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