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Der Förderverein will mehr Publikum ins Bad holen. Hier das Staffelschwimmen der Aktion „School meets Pool“ Anfang Juni.
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Der Förderverein will mehr Publikum ins Bad holen. Hier das Staffelschwimmen der Aktion „School meets Pool“ Anfang Juni.

Hattersheim

Streit im Schwimmbad

  • Kerstin Klamroth
    VonKerstin Klamroth
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Seit 60 Jahren gibt es das Hattersheimer Schwimmbad. Groß gefeiert wird das aber nicht. Dafür schlägt die Auseinandersetzung zwischen Förderverein, Stadt und Restaurantbetreiber hohe Wellen.

Die Freien Wähler wollen prüfen lassen, inwieweit das alleinige Bewirtungsrecht des Gastronomen rückgängig gemacht werden kann.

Auslöser ist das angespannte Verhältnis zwischen dem Betreiber des Schwimmbad-Restaurants La Caraffa, Franco Gueli, und dem Förderverein Freibad Hattersheim (FFHA). „Da ist einiges schief gelaufen“, gibt Gueli zu. Dem Gastwirt ist es ein Dorn im Auge, dass der Förderverein bei seinem Veranstaltungen Kaffee und Kuchen sowie Cocktails anbietet. „Ich habe zehn Angestellte, die ich bezahlen muss und bin das ganze Jahr über hier“, sagt Gueli. „Da bin ich auf die Bewirtung angewiesen.“ Immer wieder habe er Bands engagiert und bezahlt, in der Öffentlichkeit sei aber nur von den Events des Fördervereins gesprochen worden.

Immer weniger Geld von der Stadt

Elisabeth-Hofmann-Mathes dagegen bedauert es, dass der Förderverein nicht planen könne, da der Wirt jederzeit das Recht habe, eigene Veranstaltungen ohne Genehmigung anzuberaumen. So musste der Förderverein beispielsweise beim Aktionstag „School meets pool“, der vor kurzem im Bad stattfand, seiner Band absagen, weil Gueli einen italienischen Abend aufs Programm gesetzt hatte. Auch seine Flyer über die Geschichte des Bades durfte der Verein nicht auf den Tischen auslegen.

Der Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht, mehr Menschen ins Freibad zu locken und Sponsoren zu gewinnen. Mit drei Veranstaltungen im Jahr, unter anderem der Fun-Olympiade im Juli, will die Vorsitzende Elisabeth Hofmann-Mathes mehr Badegäste anlocken und durch ehrenamtlichen Einsatz ihrer Vereinsmitglieder dem Bad Kosten sparen.

Geld von der Stadt gibt es immer weniger. Seit Hattersheim unter den Schutzschirm des Landes geschlüpft ist, müssen auch die Zuschüsse für das Schwimmbad sukzessive gekürzt werden. Zur Zeit prüft der Magistrat, welche wirtschaftlichen und steuerlichen Aspekte zu berücksichtigen sind, wenn das Schwimmbad 2015 an die Stadtwerke übertragen wird.

Die Freien Wähler Hattersheim haben die Frage der Zusammenarbeit zwischen Förderverein und Gastronomen nun in einer Anfrage an den Magistrat thematisiert. Stadtverordneter Willi Torka möchte Details des Vertrages erfahren, insbesondere, welche Kündigungsmöglichkeiten vereinbart wurden.

Erste Stadträtin Karin Schnick (Grüne) teilte auf Anfrage der FR mit, das Bewirtungsrecht von La Caraffa-Wirt Franco Gueli sei im 1991 geschlossenen Kaufvertrag geregelt. „Das Gebäude, in dem das Restaurant untergebracht ist, war früher im Besitz der Stadt“, so Schnick. Als es verkauft wurde, habe die Stadt – sicher im Hinblick auf einen akzeptablem Kaufpreis – das alleinige Bewirtungsrecht des Schwimmbades auf den Käufer übertragen. Dieses Recht sei beim Weiterverkauf an Franco Gueli weitergegeben worden. Eine Kündigung sei nur möglich, wenn gegen verabredete Regelungen verstoßen würde.

Als das Bad vor 60 Jahren gebaut wurde, ging es ruhiger zu. Der Eintritt war günstig: Für 40 Pfennig konnte man im Freibad baden gehen, Schüler zahlten die Hälfte. Als das Bad im Juni 1954 seine Pforten öffnete, kamen 3000 Menschen zur Feier. An der Finanzierung war als großzügiger Sponsor auch die Schokoladenfabrik Sarotti beteiligt; deswegen stand eine weiße Sarotti-Figur am Eingang. Neben das Bad wurde die Sarotti-Bad-Gaststätte samt Pächterwohnung gebaut.

Einst im Main geschwommen

Bevor es das Schwimmbad gab, schwammen die Hattersheimer im Main. Drei Anläufe waren nötig, bevor sie sich im städtischen Freibad abkühlen konnten. Zunächst sollte der Schwarzbach ein Schwimmbecken speisen, der Plan scheiterte jedoch an der Wasserqualität. Die Lederfabriken hatten am Oberlauf des Baches das Wasser zu stark verunreinigt. Der nächste Anlauf wurde durch den Zweiten Weltkrieg gestoppt.

Erst im Jahr 1953 wurde der Plan wieder aufgenommen. Amerikanische Soldaten halfen damals, das 1400 Quadratmeter große Becken auszuheben. 1974 und 1986 wurde das Bad renoviert und mit einer Stahlwanne ausgekleidet, auch die 45 Meter lange Rutsche kam hinzu.

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