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Die Alte Mühle ist Eschborns ältestes Gebäude. Sie muss dringend saniert werden.

Eschborn

Streit um Alte Mühle in Eschborn geht weiter

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CDU, SPD und Grüne halten an Ausbauplänen für Eschborns ältestes Gebäudeensemble fest. Bürgermeister Mathias Geiger (FDP) akzeptiert den Parlamentsbeschluss. Er will aber ein Bürgerbegehren dagegen unterstützen.

Noch ist der Bürgermeisterwahlkampf in Eschborns Straßen nicht angekommen: Keine Plakate der drei Kandidaten, die am 20. Oktober antreten, sind bislang in der Stadt zu sehen. Die Werbetrommel rühren Amtsinhaber Mathias Geiger (FDP) und seine beiden Herausforderer Adnan Shaikh (CDU) und Fritz-Walter Hornung (Linke) bislang eher hinter den Kulissen und zielgruppenorientiert.

Das Eschborner Parlament hingegen war am vergangenen Donnerstag im absoluten Wahlkampfmodus. Es wurde heftig gestritten – vor allem über das Konzept zur Sanierung von Eschborns ältestem Gebäude, der Alten Mühle. Die Stadt hat es 2007 für 1,4 Millionen Euro gekauft; es verfällt zusehends.

Die Trennlinie unter den Abgeordneten verlief dabei so wie in der letzten Zeit fast immer: Bürgermeister Mathias Geiger, FDP, FWG und die Linken standen auf der einen Seite und CDU, SPD und Grüne auf der anderen. Die drei Fraktionen unterstützen gemeinsam den christdemokratischen Bewerber Adnan Shaikh bei der Bürgermeisterwahl.

Fast zwei Stunden dauerte am Donnerstagabend die Debatte zur Alten Mühle. Dabei ging es um einen von CDU, SPD und Grünen bereits im Juni gefassten Beschluss, wonach nicht nur die denkmalgeschützte historische Bausubstanz des ehemaligen Mühlenensembles saniert, sondern darüber hinaus Rekonstruktionen von nicht mehr vorhandenen Gebäudeteilen errichtet werden sollen. Die drei Fraktionen hatten einen Vorschlag von Bürgermeister Geiger, lediglich die erhaltenen Mühlengebäude für knapp vier Millionen Euro zu sanieren, abgelehnt. Geiger hatte dem Beschluss der drei Fraktionen seinerseits widersprochen, da dieser gegen das Gebot der Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit verstoße und damit das Recht verletze. Die Bürger wollten keine Ergänzungsbauten, sondern eine möglichst rasche Sanierung der Alten Mühle, sagte Geiger im Parlament. Der Denkmalschutz werde Rekonstruktionen nicht genehmigen. Auch die historische Gesellschaft Eschborn habe dem „Eschborner Disneyland“ eine Absage erteilt. Anwohner seien im Rathaus vorstellig geworden. Sie fürchteten ein Verkehrschaos in dem angrenzenden Wohngebiet, wenn neue Gebäude entstünden.

Die Alte Mühle, die die Stadt vor über zehn Jahren gekauft habe, könne niemals genügend Einnahmen abwerfen, um gewinnbringend betrieben zu werden, sagte SPD-Fraktionschef Bernhard Veeck. „Wenn wir uns mit der Sanierung schon Kosten ans Bein binden, dann sollte das Projekt wenigstens einer möglichst große Anzahl von Menschen zugute kommen“, rechtfertigte der Sozialdemokrat die Ausbaupläne. Ziel der CDU sei es, dem historischen Mühlenensemble zu neuem Glanz zu verhelfen, es als „Heimatzentrum von Eschborn“ durch Ergänzungsbauten entsprechend aufzuwerten, sagte CDU-Sprecher Christian Oberlis.

Geiger habe es in seiner zu Ende gehenden Amtszeit als Rathauschef versäumt, sich um die Alte Mühle zu kümmern, kritisierte die Fraktionschefin der Grünen, Bärbel Grade. Nun werde die Restaurierung der Bestandsgebäude durch seinen Widerspruch weiter verzögert. Dieser sei im Übrigen unbegründet, befand Grade und zitiert ein entsprechendes Gutachten des Hessischen Städte- und Gemeindetages. Markus Depping (CDU) forderte Geiger auf, den „demokratische gefassten Beschluss des Parlamentes“ anzuerkennen.

Am Ende sprachen sich CDU, SPD und Grüne erneut dafür aus, das historische Fachwerkensemble zu sanieren und Ergänzungsbauten zu errichten. Für die spätere Nutzung solle ein Konzept erarbeitet werden, das auch den modernen, flexibel aufteilbaren und barrierefreien neuen Gebäuderiegel mit berücksichtige.

FDP, FWG und Linke befanden Geigers „kleine Lösung“ für besser und stimmten gegen den Antrag der drei Fraktionen. Bereits zu Beginn der Debatte hatte Mathias Geiger angekündigt, er werde einem erneuten Beschluss der Parlamentsmehrheit nicht widersprechen. Er kündigte jedoch an, dass er sich hinter eine Initiative von Bürgern stellen wolle, die einen Bürgerentscheid zur Alten Mühle plane, sollten CDU, SPD und Grüne an ihren Ausbauplänen festhalten. „Diese Initiative genießt meine Befürwortung“, sagte Geiger.

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