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Der Neuvilleturm im Bergpark Villa Anna in Eppstein muss dringend saniert werden. 

Eppstein

Stiftung soll Neufvilleturm in Eppstein retten

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Beim Entwurf eines Nutzungskonzept für das verfallende Gemäuer hilft der frühere Bürgermeister Ralf Wolter.

Bis vor einem Jahr war Ralf Wolter Geschäftsführer der Kur- und Kongress-GmbH in Bad Homburg und in dieser Funktion unter anderem verantwortlich für die Sanierung und den Umbau des historischen Bahnhofgebäudes in einen Kulturbahnhof. Jetzt will sich der 58-Jährige in der Stiftung, die die Stadt Eppstein und der lokale Verschönerungsverein gegründet haben, dafür einsetzen, dass der Neufvilleturm im Eppsteiner Bergpark Villa Anna nicht weiter verfällt.

Er habe Wolter, der bis 2009 selbst Rathauschef in Eppstein war, gefragt, ob er in der Neufville-Stiftung mitarbeiten wolle, sagte Eppsteins Bürgermeister Alexander Simon (CDU) gestern vor Journalisten. Wolter hat mittlerweile ein Beratungsunternehmen mit dem Namen „Living Monuments“ in Bad Homburg gegründet, er will Menschen und Institutionen dafür gewinnen, traditionsreiche Gebäude vor dem Verfall zu retten. Eppstein fühlt er sich nach eigenen Angaben immer noch sehr verbunden. Deshalb sagte er zu und wurde zum stellvertretenden Vorsitzenden des Stiftungsrates gewählt. Den Vorsitz führt Alexander Simon.

Die Stiftung
Trägerder Neufvilleturm-Stiftung Eppstein, die vor kurzem gegründet wurde, ist der Verschönerungsverein der Stadt.

Satzungszweckist die Finanzierung von Renovierungs-, Erhaltungs- und Umbaumaßnahmen des 125 Jahre alten Neufvilleturmes im Bergpark Villa Anna in Eppstein.

Zielist weiters, ein Nutzungskonzept für den Turm zu erarbeiten. 

Zurzeit sei man dabei, von Fachleuten ein Schadensbild des Turmes erstellen zu lassen, berichtete Simon. Der Frankfurter Bankier Alfred von Neufville hatte das Bauwerk 1894 als Ahnenturm im Stil einer mittelalterlichen Ritterburg mit Bergfried und Zinnen im Bergpark Villa Anna oberhalb des Eppsteiner Bahnhofes errichten lassen. Seit 1933 gehört der Neufvilleturm der Stadt. Neben der mittelalterlichen Burg und dem klassizistischen Kaisertempel ist er eines der drei Wahrzeichen Eppsteins.

Die einst im Bergpark angelegten Sichtachsen sind längst zugewachsen, der Neufvilleturm, den man über eine schmale Serpentinenstraße erreicht, ist von Bäumen und Buschwerk umwuchert und kaum noch zu sehen. Seit drei Jahren wohnt niemand mehr in dem historischen Gemäuer, der Kaffeehausbetrieb wurde eingestellt. Hergerichet werden müssen vor allem das Walmdach, die Küche und der kleine Saalbau mit hölzerner Kassettendecke, in dem einst die Jagd- und Kunstsammlung der Frankfurter Bankiersfamilie untergebracht war. Renovierungsbedürftig sind zudem die mehr als 100 Jahre alten Bleiglasfenster, die die Geschichte der Neufvilles zeigen und derzeit im Archiv der Stadt lagern.

Laut Alexander Simon stehen bisher rund 200 000 Euro an Spendengeldern für erste Sanierungsarbeiten zur Verfügung. Weitere Spenden und Fördergelder sollen akquiriert werden. Die neu gegründete Stiftung verstehe sich allerdings nicht nur als „Reparaturbetrieb für einen alten Turm im Wald, der kaum zu sehen ist“, betonte Ralf Wolter. „Wir müssen überlegen, wie wir das gesamte Areal am Hang zu einem Anziehungspunkt für Besucher machen, ein Nutzungskonzept erarbeiten und den Denkmalschutz mit ins Boot holen.“ Das werde kein Sprint, sondern eher ein kleiner Marathon. Mit dem Verkauf von Kaffee und Stückchen werden sich das Ensemble auch nach der Sanierung nicht wirtschaftlich betreiben lassen, ist Wolter überzeugt.

Laut Bürgermeister Simon soll die Neufvilleturm-Stiftung als Projektstiftung geführt werden, sodass jeder Euro, der gespendet wird, in die Sanierung des Turmes fließen kann. Der Neufvilleturm bleibt weiterhin im Eigentum der Stadt Eppstein. Er wird als Vermögen in die Stiftung eingebracht und in Erbpacht vergeben.

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