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Wissenschaftler haben das Gefäß zusammengefügt.
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Wissenschaftler haben das Gefäß zusammengefügt.

Hattersheim

Steinzeitliche Schätze

Landesdenkmalpflege wertet Grabungen aus / Stadt will Funde dauerhaft zeigen.

Von Jöran Harders

Der spektakulärste Fund ist das Grab einer Frau, die mit angehockten Beinen in einer Grabgrube lag. Ihr war ein kleines Steinbeil beigegeben. „Dieses Beil datiert das Grab in die Jungsteinzeit“, stellt Landesarchäologe Udo Recker fest. Die Wissenschaftler hätten das Skelett der Frau dokumentieren und bergen können, obwohl die Knochen sehr porös waren. „Es wird nun unter Laborbedingungen weiter untersucht“, berichtet Recker.

Das hessische Landesamt für Denkmalpflege hat mittlerweile die Funde ausgewertet, die Archäologen im vergangenen Jahr bei der Erschließung des Gewerbegebiets südlich der Voltastraße ausgegraben hatten. Die Arbeiten auf dem zirka vier Hektar großen Areal an der Voltastraße waren im November abgeschlossen worden. Gefunden wurden unter anderem Scherben von Tongefäßen aus der Jungsteinzeit.

Dabei handelte es sich laut Recker um Töpfe oder Schüsseln, wie sie in der damaligen Zeit als Koch- oder Essgeschirr gebraucht wurden. Die Scherben aus einer anderen Grube konnten zu einem beinahe vollständig erhaltenen Gefäß zusammengefügt werden, das sogar noch Spuren des Herdfeuers an seiner Unterseite aufweist.

Die Archäologen haben auch ein vollständiges Pfostengebäude rekonstruieren können. Es hatte einen Grundriss von etwa fünf mal neun Metern und bestand aus Holzpfosten von rund 30 Zentimetern Durchmesser.

Gefunden wurden auch drei große ovale Gruben, die offenbar der Lehmentnahme dienten. Die Wissenschaftler halten für möglich, dass auf den Äckern außerhalb der Stadt Feldbrandziegeleien betrieben worden sind, die den Ziegelbedarf für den Hausbau deckten. Der Boden um Hattersheim bot guten Lösslehm zur Herstellung von Ziegeln oder Backsteinen“, sagt Recker.

6000 Jahre alte Siedlungsspuren

„Wir sind stolz auf diese Funde und würden uns freuen, wenn wir die Ausgrabungsergebnisse schon in naher Zukunft als Dauerleihgabe in unserer Stadt ausstellen könnten“, erklärt Bürgermeisterin Antje Köster (SPD). Die Ausgrabungen seien „ein Beweis dafür, dass Menschen bereits vor rund 6000 Jahren gerne in Hattersheim gelebt haben“.

Zusammenfassend lasse sich sagen, „dass sich die untersuchte Fläche im Rand- oder Außenbereich einer vorgeschichtlichen Siedlung befindet“, bilanziert Recker. „Hier wurden einige Gruben und Häuser angelegt, allerdings liegen die Siedlungsspuren weit verstreut, praktisch über die gesamte Fläche verteilt.“ Die Befunde sind laut Recker von hohem wissenschaftlichem Wert.

Die Zusammenarbeit zwischen der Stadt und der Abteilung archäologische und paläontologische Denkmalpflege des Landesamtes für Denkmalpflege, lobt Udo Recker als vorbildlich. „Häufig sehen Investoren und Kommunen die Belange der Denkmalpflege als Entwicklungshemmnis.“ Dies sei in Hattersheim nicht der Fall.

„Ich bin gespannt, was die Archäologen auch in Zukunft über die Hattersheimer Vorfahren erforschen werden“, sagt Recker daher.

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