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Stadtrat kritisiert langsame Ermittler

Eschborn Unter Missbrauchsverdacht stehender Erzieher war ein "Netter"

Von ANNETTE FRIAUF

Im Fall des Erziehers, der wegen Verdachts auf sexuellen Missbrauchs von Kindern in U-Haft sitzt, stellt sich der Erste Stadtrat Mathias Geiger (FDP) auf die Seite vieler empörter Eltern. In einem Brief an den hessischen Innenminister Volker Bouffier (CDU) will der Sozialdezernent "seinen Unmut" darüber äußern, dass es zwei Jahre lang gedauert hat, bis die Polizei die Daten eines bereits 2006 beschlagnahmten Computers ausgewertete. Als die Ermittler kinderpornografische Bilder fanden, hatte sich der Missbrauchsverdacht erhärtet. Der Mann wurde am 11. Juli an seinem Arbeitsplatz festgenommen.

Diese Reaktionszeit ist nach Geigers Auffassung zu lang. "Die Strafverfolger müssen schneller zu Werke gehen." Die Fälle dürften nicht nach Eingang des Datums gewichtet werden. "Die Waage muss zum Wohle des Kindes ausschlagen", forderte der Sozialdezernent. Unterstützung bekam er von der Landes-FDP, deren justizpolitischer Sprecher nach dem Eschborner Fall "falsche Ermittlungsprioritäten" beklagt. Geiger hätte es begrüßt, wenn die Stadt Eschborn über den Verdacht informiert gewesen wäre. Bei der ersten Wohnungsdurchsuchung war der mutmaßlich Pädophile noch nicht in der kommunalen Kindertagesstätte Rosenweg in Niederhöchstadt beschäftigt gewesen.

Einwandfreies Führungszeugnis

Der gelernte Erzieher hatte ein einwandfreies Führungszeugnis vorgelegt. Er war im Dezember 2007, als die Kita dringend Personal suchte, als Leiharbeiter vermittelt worden. Am 15. Januar 2008 hatte der Beschuldigte einen befristeten Aushilfsvertrag über 20 Wochenstunden bekommen. Dieser war kurz vor seiner Festnahme bis Ende Juni 2009 verlängert worden. Sein Schwerpunkt lag in der Ausländerförderung, bezuschusst vom Land Hessen. Die Vorgesetzten bescheinigten dem Mitarbeiter "fachliche und pädagogische Kompetenz" sowie "Höflichkeit und Empathie".

Auch für Kinder und Eltern war der Erzieher ein Sympathieträger. "Er hat zwei Leben gelebt", meint Ulla Rother vom Elternbeirat der betroffenen Kita. In den Augen vieler Familien sei er "ein ganz Netter" gewesen, der mit den Kindern auch mal "gerauft" habe.

Laut Rother ist es unwahrscheinlich, dass es beim Umgang mit den Drei- bis Sechsjährigen zu Übergriffen gekommen sei. "Man kann Kinder aber nicht ohne Körperkontakt betreuen", räumte die Mutter ein. Auch sei der 44-Jährige nicht mit den Kindern allein gewesen. Wickeln und zur Toilette begleiten - dies sei Erzieherinnen vorbehalten. Der Elternbeirat sieht Bedarf für eine spezielle Präventivarbeit. Rother: "Man kann Kleinkindern vermitteln, nein zu sagen."

Wegen der Urlaubszeit hat die Nachricht von der Festnahme noch nicht alle Eltern und Erzieherinnen erreicht. Angestoßen durch Recherchen der FR hatte die Stadt am Dienstag alle betroffenen Eltern schriftlich über den Missbrauchsverdacht informiert und zwei Treffen einberufen. Am 4. August sollen die Familien erneut informiert werden.

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