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Spielend lernen mit Herz, Kopf und Hand

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Weiblicher Mephisto mit trinkenden Studenten: Auerbachs Keller in Schwalbach.
Weiblicher Mephisto mit trinkenden Studenten: Auerbachs Keller in Schwalbach. © FR/Schick

An der Schwalbacher Einstein-Schule soll Theater zum Abitur-Prüfungsfach werden. In ihrer aktuellen Inszenierung interpretieren Schüler Goethes "Faust". Von Jöran Harders

Von JÖRAN HARDERS

Für die Schüler ist es keine Frage: Fast alle Teilnehmer des Kurses Darstellendes Spiel an der Albert-Einstein-Schule würden ihren Kurs gerne als Prüfungsfach wählen. "Man muss viel dafür tun und kann sehr viel lernen, und trotzdem ist es nur ein Nebenfach", sagt die Schülerin Sandra Bezler. Wie in jedem anderen Nebenfach werden alle, die sich bei der Kurswahl für das Theaterspielen entscheiden, benotet und können die Noten in die Abiturwertung einbringen. Als Prüfungsfach gibt es das Darstellende Spiel bisher aber nicht. In Schwalbach könnte sich das bald ändern.

"Wir haben im Kollegium diskutiert und beschlossen, beim Kultusministerium zu beantragen, dass wir auch Prüfungen machen dürfen", erklärt Kursleiter Gerd Müller-Droste. Wenn alles glatt geht, könnten dann 2010 die ersten Schüler ihre Abiturprüfungen in dem Fach ablegen. Damit wäre dann dafür gesorgt, dass Jugendliche, die ein Talent für das Theater besitzen, genauso behandelt werden wie Schüler, die Kunst oder Musik gewählt haben und ihre Begabung ebenfalls im Abitur unter Beweis stellen dürfen. Gewonnen wäre in diesem Fall aber viel mehr, findet Müller-Droste.

Denn das Darstellende Spiel fordere und fördere Fähigkeiten, die im sonstigen Unterricht oft weniger gefragt sind. "Beim Theaterspielen nähert man sich dem Stoff nicht nur theoretisch, sondern macht ihn sich mit Herz, Kopf und Hand zu eigen", ist der Pädagoge überzeugt. Auch die Perspektive sei eine andere als etwa im Deutschunterricht. "Die Schüler fragen hier ja nicht in erster Linie nach der Intention des Autors, sondern danach, was sie selbst an einem Theaterstück interessiert. Deshalb lässt Müller-Droste die Jugendlichen auch nicht einfach die Klassiker spielen, sondern verlangt ihnen eine eigene Haltung zum jeweiligen Stück ab.

Beim "Faust" ist der Kurs der Frage nachgegangen, ob die Hauptfigur zur Identifikation taugt und worin ihre Schuld besteht. Deshalb wurden Gerichtsszenen ergänzt, in denen sich Faust seiner Verantwortung, etwa für das Schicksal Gretchens, stellen muss. Dass beim Darstellenden Spiel nicht das Erreichen eines vorgegebenen Ziels, sondern die gemeinsame kreative Arbeit der Schüler "mit all ihren Möglichkeiten und Unmöglichkeiten" vorrangig sei, hebe das Fach aus dem Schulalltag heraus, so Gerd Müller-Droste. In keinem anderen Fach könnten die Schüler so viel Eigenes einbringen wie beim Theaterspielen. Auch in den geplanten Abiturprüfungen sollen die Gymnasiasten ihre individuelle Herangehensweise nicht nur erläutern, sondern mit Hilfe einer Präsentation auch im Spiel vorführen.

"Das ist eine gute Vorbereitung für die Aufnahmeprüfung an einer Kunsthochschule oder Schauspielschule", glaubt Sandra Bezler, die nicht als einzige der 16 Kursteilnehmer daran denkt, die Schauspielerei zum Beruf zu machen. Geprobt wurde am Wochenende noch einmal mit Hochdruck. Denn morgen Abend ist Premiere, und da soll der Funke der Begeisterung auch auf das Publikum überspringen. Dass das klappt, daran zweifelt im Kurs keiner: Vor der Aufführung werden sich Kursleiter und Schüler mit dem Spruch, "Alles wird gut", motivieren.

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