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Hofheim

Spender stärken Jugendarbeit

  • Kerstin Klamroth
    VonKerstin Klamroth
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Die Johannesgemeinde feiert ihr 100-jähriges Bestehen mit Gesprächen und Musik.

Der Blick zurück ist immer auch ein Blick nach vorn. Am kommenden Sonntag feiert die Johannesgemeinde in Hofheim ihr hundertjähriges Bestehen mit einem Jubiläumsgottesdienst. Doch das Festprogramm, das sich übers ganze Jahr hinzieht, ist keineswegs nur rückwärts gewandt. Vom Orgelspaziergang bis hin zum gemeinsamen Singen auf dem Hofheimer Marktplatz ist einiges dabei, was das heutige Leben der Gemeinde prägt.

Diaspora – mit diesem Wort beschreibt Hans Militzer vom Kirchvorstand die Situation der Protestanten in Hofheim im vorigen Jahrhundert. Wie ein bunter Flickenteppich sah die Kirchenlandschaft in Hessen und Nassau damals aus. Die ehemals zur Kurmainz gehörigen Orte wie Hofheim waren katholisch, andere – wie Diedenbergen – schon seit mehreren Jahrhunderten evangelisch, je nach Religionszugehörigkeit ihrer Herren.

300 Protestanten waren es, die um 1870 in Hofheim eine evangelische Kirchengemeinde gründeten. Sie mussten zum Gottesdienst die vier Kilometer nach Diedenbergen laufen, denn dieser Gemeinde wurden sie zunächst zugeordnet. Den Konfirmanden drohte, wie Militzer beschreibt, beim Weg durchs katholische Marxheim Dresche von den Jungen der anderen Konfession. Als die Gemeinde weiter wuchs, mieteten die Hofheimer Protestanten den Schulraum im Kellereigebäude für ihre Gottesdienste an.

Nun musste der Diedenbergener Pfarrer Anthes den Weg nach Hofheim alle vierzehn Tage nachmittags auf sich nehmen – der erste Schritt in die Selbstständigkeit war getan. 30 Jahre später war die Zahl der evangelischen Christen in Hofheim auf 500 angewachsen. Der Wunsch nach einer eigenen Kirche konnte nun erfüllt werden. Den Planungsauftrag erhielt der führende Kirchenarchitekt in Hessen-Nassau, Ludwig Hofmann. Sein Gesicht ist heute noch mit Bart und lockigem Haupthaar auf einer der Säulen in der Johanneskirche zu sehen. 85 000 Mark kostete der Bau, ein Jahr lang dauerte er, am 31. Oktober 1900 wurde die Kirche geweiht.

14 Jahre später wurde die Kirchengemeinde selbstständig. Aus den 300 Protestanten wurden im Laufe von mehr als hundert Jahren rund 3000 – so viele Mitglieder zählt die Johannesgemeinde heute. Schon immer war sie, wie Pfarrer Friedemann vom Dahl betont, eine diakonische Gemeinde, eng mit dem gesellschaftlichen Leben verzahnt. In Kriegszeiten durch die Frauenhilfe, heute durch die Kinder- und Jugendarbeit. Die Johannesgemeinde ist Träger einer Grundschulbetreuung und einer Kita, die seit 2011 auch zwei U3-Gruppen anbietet. Eine Besonderheit ist der Club 100: Um die Jugendarbeit zu stärken und einen eigens dafür verantwortlichen Mitarbeiter bezahlen zu können, spenden Mitglieder seit 2007 der Gemeinde monatlich Geld.

Noch sind es keine 100 Sponsoren, doch die Initiative hat sich bereits ausgezahlt. Alle drei Wochen organisieren Jugendliche einen Gottesdienst, zudem arbeiten sie als Teamer im Konfirmandenunterricht mit. Während in anderen Gemeinden junge Menschen nach der Konfirmation oft der Kirche den Rücken kehren, sei es in der Johannesgemeinde gelungen, sie bei der Stange zu halten, sagt Pfarrer vom Dahl: „Man muss Jugendlichen etwas zutrauen und ihnen erlauben, auch mal Fehler zu machen.“

Es ist Ausdruck des Charakters der Gemeinde, dass sie ihr Jubiläum nicht mit einer Festschrift, sondern mit Musik, Vorträgen und dem einen oder anderen Gesprächskreis feiert. Der Gospelchor unter der Leitung von Katharina Bereiter ist bekannt für seine Projekte, in der Reihe „Hofheimer für Hofheim“ hat schon so mancher prominenter Bürger einen Vortrag gehalten. Wo es in Zukunft lang gehen soll, diskutiert in der Johannesgemeinde ein Gemeinde-Entwicklungsausschuss. Über seine Arbeit heißt es im Gemeindebrief: „Keine Zukunft ohne die Erinnerung und keine Entwicklung ohne die Konzentration auf das, was wesentlich ist.“

Der Jubiläumsgottesdienst mit Kirchenpräsident Volker Jung ist am Sonntag, 30. März, 11 Uhr. Infos unter www.johannesgemeinde-hofheim.de

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