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Die Überwachungskameras sind gut sichtbar.

Schwalbach

Keine Randale mehr am Limeszentrum

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Am Unteren Marktplatz, dem einstigen "Kriminalitätsschwerpunkt" in der Schwalbacher Innenstadt, ist nach Angaben der Polizei Ruhe eingekehrt. 17 Überwachungskameras laufen dort rund um die Uhr.

Auf dem Unteren Marktplatz in Schwalbach herrscht Ruhe. Keine Steine fliegen mehr auf Polizisten, Passanten werden nicht mehr angepöbelt, Drogendealer verstecken ihre brisante Ware nicht mehr im Keller des Hochhauskomplexes Bunter Riese. Und die Brandserie rund um das Limeszentrum, bei der im vergangenen Jahr vor allem Mülltonnen in Flammen aufgingen, hat Anfang November ein Ende gefunden. Schon seit Monaten sind im Einkaufszentrum keine Ladengeschäfte mehr durch Vandalismus beschädigt worden.

Der Präsident des Polizeipräsidiums Westhessen, Stefan Müller, ist überzeugt: Dass am einstigen „Kriminalitätsschwerpunkt“ in der Schwalbacher Innenstadt Ruhe eingekehrt ist, hat vor allem mit der Videoüberwachung des weitläufigen Areals zu tun. Sie sei ein „Meilenstein in der Verbesserung der Sicherheit für die Bürger“, sagte Müller gestern vor Journalisten. Seit Dezember haben 17 Kameras den gesamten Marktplatz mit seinen verwinkelten Ladenzeilen im Blick, außerdem den Busbahnhof und den Parkplatz am Rewe-Supermarkt. Davor hatten Stadt und Polizei bereits in einer gemeinsamen Aktion vier Kameras installiert, um zentrale Bereiche des Marktplatzes zu überwachen.

Die Situation, wie sie noch vor eineinhalb Jahren rund um das Limes-Einkaufszentrum geherrscht habe, sei nicht mehr hinnehmbar gewesen, erläuterte der Polizeipräsident. Beamte seien beschimpft und tätlich angegriffen worden. Am Ende flog sogar ein Molotowcocktail auf Polizeifahrzeuge. „Da war das Ende erreicht.“

Die gesamte Videoschutzanlage hat 430 000 Euro gekostet. Zwei Drittel davon zahlt das Land Hessen. Rund um die Uhr senden die Kameras hochauflösende Bilder. Fenster von Häusern, Balkone sowie die Schaufensterscheiben der Läden sind darin verpixelt, um die Privatsphäre von Anwohnern und Geschäftsleuten zu wahren. Zehn Tage werden die Daten gespeichert und danach automatisch gelöscht.

Die weithin sichtbaren Videokameras sollen Randalierer und Kriminelle vom Schwalbacher Marktplatz fernhalten. Ein gewisser Verdrängungseffekt der Szene in angrenzende Stadtgebiete sei dabei einkalkuliert und durchaus gewünscht, sagte Stefan Müller. „Da muss die Polizei dann nachstoßen.“ Kriminologische Studien zeigten, dass sich das Problem auf diese Weise nach und nach lösen lasse. Die Kamerabilder sollen den Beamten aber auch Beweismaterial für Straftaten liefern. Vier Delikte hätten so bereits aufgeklärt werden können, berichtete Müller. Ausgewertet werden die Videosequenzen zurzeit von einem Ordnungspolizisten im Schwalbacher Rathaus. Geplant ist auch die Übertragung zur Polizeistation in Eschborn. Dort muss aber noch ein Glasfaserkabel gelegt werden, damit die Datenmengen auf den Bildschirmen erscheinen können.

Sie sei froh über die gute Zusammenarbeit mit der Polizei, sagte Schwalbachs Bürgermeisterin Christiane Augsburger (SPD). „Wir wollten einen zentralen Bereich der Stadt für die Bürger wieder sicher machen. Das ist uns gelungen.“ Dazu beigetragen hätten auch der Schutzmann vor Ort, der seit etwa einem Jahr regelmäßig Streife laufe in Schwalbach, sowie verstärkte Polizeikontrollen. Die Stadt habe ihre Jugendarbeit neu ausgerichtet und werde einen zusätzlichen Sozialarbeiter einstellen, der sich um Erwachsene kümmern solle, „die den Anschluss verloren haben“.

Der insgesamt sieben Punkte umfassende Plan, der mit der Polizei ausgearbeitet wurde, läuft im Rahmen des Programms Kompass, einem Angebot des hessischen Innenministeriums, das für mehr Sicherheit in den Kommunen sorgen soll.

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