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Zum Sparen verpflichtet

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Von: Andrea Rost

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Main-Taunus Michael Cyriax (CDU) ist seit drei Wochen Landrat / Höhere Kreisumlage

Das Zimmer des Landrats hat Michael Cyriax vor wenigen Tagen bezogen. Wände und Decke sind frisch gestrichen, an den Fenstern hängen neue Lamellenvorhänge. Mehr hat sich in dem Raum mit den weißen Möbeln und schwarzen Lederstühlen nicht verändert. In der Glasvitrine stehen noch ein paar Erinnerungsstücke an die Zeit, in der Berthold Gall Chef im Landratsamt war. Seit 1. Oktober ist Michael Cyriax sein Nachfolger.

Seine erste Amtshandlung? Michael Cyriax überlegt kurz. Bei der Begrüßung des neuen Bezirksdekans Klaus Waldeck am 1. Oktober sei er gewesen. Wenige Tage später gab es eine Mitarbeiterversammlung. „Ich bin auf die Unterstützung der Menschen hier im Haus angewiesen. Nur gemeinsam können wir etwas bewegen.“

Ansonsten, findet der 42-Jährige CDU-Politiker, habe sich in seinem Arbeitsalltag nicht allzu viel geändert. Das Landratsbüro liegt schräg vis à vis von dem Zimmer, in dem er neuneinhalb Jahre lang als Kreisbeigeordneter seinen Dienst versah. Um die Dezernate, für die er bisher zuständig war – Recht, Schule, Erwachsenenbildung, Jugend, Gesundheit und ÖPNV, das Straßenverkehrs- und Brandschutzamt und die Ausländerbehörde – wird sich Cyriax erst mal weiter kümmern. Auf Dauer kann er sich allerdings nicht vorstellen, für zwei zu arbeiten. „Wir brauchen einen dritten Hauptamtlichen im Landratsamt“, bekräftigt er. Die CDU hat den Krifteler Schulleiter Wolfgang Kollmeier dafür auserkoren. Aller Voraussicht nach wird die Wahl im Dezember sein.

Eine Nagelprobe für die Koalition aus CDU, FDP und Freien Wählern, die im Kreisparlament nur drei Stimmen mehr hat als die Oppositionsparteien? Michael Cyriax schüttelt den Kopf. „Ich gehe davon aus, dass die Koalition sehr stabil ist. Ich habe absolut keinen Grund an ihrer Zuverlässigkeit zu zweifeln“, sagt er.

Eine größere Herausforderung sind da schon die Finanzen. Vor kurzem hat Cyriax den Haushalt 2012 im Kreisausschuss vorgestellt: Elf Millionen Euro Defizit können nur durch einen Griff in die Rücklagen ausgeglichen werden. Auf der hohen Kante hat der Main-Taunus-Kreis dann nicht mehr allzu viel. Auch, weil dauerhaft neun Millionen Euro Grunderwerbssteuer fehlten, die das Land den Kommunen gestrichen habe, wie Cyriax vorrechnet.

„Wir müssen die Finanzen neu strukturieren, Einnahmen und Kosten hinterfragen, Prozesse optimieren“, sagt Cyriax. Selbst der Main-Taunus-Kreis, bisher ein Maßstab für finanzielle Solidität, könne sich in Zukunft nicht mehr alles leisten, was wünschenswert sei.

Müssen sich gleich mehrere Gesellschaften um den Regionalpark kümmern? Sollen weiterhin pro Jahr 400000 Euro in den Kulturfonds gesteckt werden? „Ich bin kein Berufspessimist“, sagt Michael Cyriax. „Aber das, was finanzpolitisch auf uns zurollt, haben wir in den letzten 60 Jahren nicht gesehen.“ Sachlich wolle er die Diskussionen führen, aber auch mit Nachdruck. „Gut möglich, dass ich damit einigen Leuten auf die Füße trete. Doch mir geht es nicht um kurzzeitigen Applaus, und Effekthascherei. Ich will dauerhaft das Beste erreichen.“ Demnächst will Cyriax für die Kliniken des Kreises einen Vorschlag unterbreiten, wie das Defizit in den Griff zu kriegen ist. Kurzfristig soll eine Erhöhung der Kreisumlage Geld in die Kassen spülen, nachdem das Parlament entschieden hat, die Süwag-Aktien erst einmal nicht zu verkaufen. Der Erlös aus dem Verkauf hätte als „Brücke“ dienen sollen, um die beiden Krankenhäuser in Bad Soden und Hofheim auf solide finanzielle Beine zustellen. Nun müssten die Städte und Gemeinden der Region das Geld beisteuern. Daran führe kein Weg vorbei, sagt Michael Cyriax.

Die Bürger, die ihn Ende März im ersten Wahlgang mit deutlicher Mehrheit zum Landrat gewählt haben, will Michael Cyriax enger in Entscheidungsprozesse einbinden. Jeden Donnerstag hält er deshalb eine Bürgersprechstunde ab. Unter der Telefonnummer 06192/2011204 kann man sich dafür anmelden und das Thema benennen, über das gesprochen werden soll.

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