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Shoppen bis Mitternacht

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Einkaufswagen
Einkaufswagen © dpa

Einkaufen bis 24 Uhr - das ist in immer mehr Supermärkten möglich. Lohnt sich das? Und welche Kunden spricht es an? FR-Redakteurin Barbara Helfrich hat sich im Main-Taunus-Kreis umgesehen.

Von Barbara Helfrich

Freitagabend, Viertel nach zehn im Marxheimer Rewe-Markt. Von dem Spirituosen-Regal kichert ein junges Paar unentschlossen. „Wenn du Wodka willst, können wir doch die fertige Mischung nehmen“, schlägt er schließlich vor. Kurz darauf gehen sechs Dosen hochprozentiger Mixgetränke und eine Schachtel Zigaretten über den Kassen-Scanner.

Erst seit wenigen Wochen kann man in dem Laden am Ortsrand bis Mitternacht einkaufen. Das nutzt an diesem Abend auch eine Mittvierzigerin. 12,46?Euro zahlt sie gegen 22.30?Uhr für eine mit Lebensmitteln prall gefüllte Tüte. Die Kundenzahl ist zu später Stunde übersichtlich , ebenso die Brotauswahl. Beim Obst und Gemüse tun sich ebenfalls Lücken auf.

Party-Gänger bei Edeka

In der Rewe-Filiale im Sulzbacher Main-Taunus-Zentrum kann man schon lange bis Mitternacht einkaufen. In Hofheim geht das erst seit Oktober. Der Edeka-Markt im Chinon-Center war Vorreiter beim nächtlichen Shoppen. Dort ist dieser Freitagabend kein Abend wie jeder andere. Denn in der Main-Taunus-Schule, gleich hinter dem Einkaufszentrum, steigt das Winterschein-Konzert. Hunderte von Schülern feiern das Ende des ersten Halbjahres.

In der Tiefgarage des Chinon-Centers sind deshalb schon früher als sonst die Rollgitter heruntergelassen. Vor dem Edeka sorgen Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes gegen 22.45?Uhr dafür, dass die jungen Party-Gänger keine Grüppchen bilden.

„Ihr müsst hochgehen“, heißt die freundliche, aber bestimmte Order auch für zwei Teenie-Mädchen. Ihr eher schüchterner Protest – „Wir warten doch nur auf unsere Freundinnen“ – ändert daran nichts.

Wie im „Kindergarten“ komme er sich vor, schimpft ein junger Mann leise, als ihn die Security-Leute die Treppe hochschicken. „Wenigstens hab’ ich zwei Flaschen lauwarmes Bier bekommen“, tröstet sich ein anderer.

Kurz nach der Eröffnung hatte es im Chinon-Center Probleme mit betrunkenen Jugendlichen gegeben. Die alteingesessene Hofheimer Kaufmannsfamilie Buch, die den Edeka-Laden betreibt, kündigte daraufhin an, den Verkauf von Hochprozentigem zu später Stunde „bei Bedarf“ zu stoppen. An diesem Abend hängen nur vor einem Gang mit diversen Schnäpsen orangefarbene Absperrbänder. Doch Asbach, Bacardi, Wodka und Wein aller Art stehen außerhalb der Absperrung, bleiben frei zugänglich. Wenige Kunden sind im weitläufigen Geschäft. Die meisten sind Jugendliche und kommen wohl vom Konzert in der Schule. Die älteren Kunden lassen sich an einer Hand abzählen.

Die lange Öffnungszeit ist laut Edeka Betreiber Markus Buch ein Versuch. Im Sommer wolle man Bilanz ziehen. Macht auch Rewe erst einmal einen Probelauf? Das wollte die Frankfurter Rundschau schon am vorigen Dienstag von dem Lebensmittel-Konzern wissen. Die Antwort steht noch aus.

Keiner braucht einen Wagen

Ungefähr elf Uhr am Rewe-Markt am Krifteler Ortsrand, der Mitte Oktober eröffnet hat und ebenfalls mit dem Einkaufen bis Mitternacht wirbt. Eine Frau bezahlt im Getränkemarkt drei Flaschen Wein, zwei Männer mittleren Alters beraten lange, welche Sorte Sprudel-Wasser sie nehmen sollen. Aus der Lebensmittel-Abteilung gleich nebenan kommt ein Mann mit einer dicken Einkaufstasche. Der Kundenstrom tröpfelt schwach, aber stetig.

Das gilt auch für den Rewe-Markt in Marxheim, wo in der letzten Dreiviertelstunde vor Ladenschluss elf Leute ein- und ausgehen. Einen Einkaufswagen nimmt keiner von ihnen, nur Kleinigkeiten tragen sie zum Auto. Vor allem Flaschen und Getränkedosen, aber auch eine Großpackung Toilettenpapier oder ein Brot sind mal dabei.

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