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Der Axel-Springer-Verlag wurde zu einer Entschädigungszahlung von insgesamt 110 000 Euro verurteilt.

Eschborn

„Sex-Mobbing-Tagebuch“: „Bild“-Zeitung verliert vor Gericht

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Nach Artikel-Serie wegen angeblichem Sex-Mobbing bekommt Eschborner Magistratsdirektor 110.000 Euro Entschädigung zugesprochen.

An vier Tagen hintereinander berichtete die „Bild“-Zeitung im Herbst 2016 groß über den Eschborner Magistratsdirektor und Leiter des Fachbereichs Zentrale Dienste, Juan Carlos Ortolá Knopp. Das Blatt zitierte ausführlich aus einem angeblichen „Sex-Mobbing-Tagebuch“, das eine Mitarbeiterin der Stadtverwaltung beim Arbeitsgericht vorgelegt hatte. Die Frau warf Ortolá Knopp, der damals Personalchef war, vor, er habe sie aufs Übelste sexuell beschimpft und gedemütigt. Auch von Alkoholexzessen während der Dienstzeit und Nazisprüchen des mächtigsten Beamten im Eschborner Rathaus war die Rede. Ärzte hätten ihr wegen der fortgesetzten psychischen Belastung empfohlen, das Rathaus zu verlassen, erklärte die Frau und forderte Schmerzensgeld. Die „Bild“-Zeitung druckte ihre Behauptungen im Wortlaut ab, nannte Ortolá Knopp mit vollem Namen und zeigte ein Foto aus den späten 1990er Jahren als Ortolá Knopp als Bundesliga-Schiedsrichter tätig war.

Der Eschborner Magistratsdirektor hat die massiven Mobbing-Vorwürfe gegen ihn von Anfang an bestritten und ein rathausinternes Disziplinarverfahren mit angestoßen, das zur Aufklärung beitragen soll. Der Arbeitsgerichtsprozess, in dem Ortolá Knopp eine wichtige Rolle spielte, ist mit einem Vergleich zu Ende gegangen. Die Summe, die die Rathausmitarbeiterin von der Stadt Eschborn bekommen hat, soll weit unter den von ihre geforderten 51 000 Euro liegen.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig

Vor Kurzem hat das Landgericht Frankfurt auch ein Urteil im Schadenersatzprozess gesprochen, den Juan Carlos Ortolá Knopp in Zusammenhang mit der Berichterstattung in der „Bild“-Zeitung angestrengt hatte. In einer „beispiellosen Kampagne“ seien zahlreiche Vorwürfe gegen seinen Mandanten veröffentlicht worden. Als einzige Quelle habe das „unkritisch abgeschriebene Mobbing-Tagebuch“ der Rathausmitarbeiterin gedient, rügte Anwalt Felix Damm.

Die Frankfurter Richter sahen das ähnlich. Sie verurteilten den Axel-Springer-Verlag zu einer Entschädigungszahlung von insgesamt 110 000 Euro. „Bild“ darf die in den vier Artikeln gemachten Behauptungen nicht mehr wiederholen. Eine Unterlassungserklärung hatte der Verlag zuvor verweigert.

In der Berichterstattung über Juan Carlos Ortolá Knopp sei gegen die journalistische Sorgfaltspflicht verstoßen worden, befanden die Richter und rügten zu geringe Recherchebemühungen der Redaktion. Juan Carlos Ortolá Knopp habe vor Erscheinen der Artikel keine Stellung zu den massiven Vorwürfen nehmen können. Indem Fotos von ihm und sein Name in der Zeitung veröffentlicht wurden, sei das Persönlichkeitsrecht verletzt worden.

Im Prozess hatte das Landgericht mehrere Rathausmitarbeiter als Zeugen befragt. Sie stützten fast alle die Aussagen Ortolá Knopps. Der räumte zwar ein, schon mal in seinem Büro laut zu werden und eine derbe Sprache zu verwenden. Mitarbeiter habe er aber nie persönlich beleidigt. Die Verfasserin des Mobbing-Tagebuchs stufte das Gericht als „unglaubwürdig“ ein.

Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Der Axel-Springer-Verlag kann dagegen in Berufung gehen.

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