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Seitenwechsel im Museum

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Schülerinnen des Leistungskurses Kunst der Stufe 12 der Main-Taunus-Schule
Schülerinnen des Leistungskurses Kunst der Stufe 12 der Main-Taunus-Schule © jan-christoph hartung

Lernen durch Lehren: Zwölftklässlerinnen der Main-Taunus-Schule führen Besucher durch die Expressionismus-Ausstellung im Hofheimer Stadtmuseum.

Von Mirjam Ulrich

Ein nacktes Liebespaar, innig vereint. Mit wenigen bunten Kreidestrichen hat Ernst Ludwig Kirchner diese intime Szene festgehalten. Es ist das Lieblingsbild von Isabel, Dana und Julia in der Ausstellung „Brücke und Blaues Haus“ im Hofheimer Stadtmuseum. „Diese Farbkreidezeichnung stammt aus der Anfangszeit der Künstlergruppe ,Die Brücke’ und zählt zu den 15-Minuten-Akten“, erläutert Isabel. Die Bezeichnung leite sich daraus ab, dass sich die Künstler genau 15 Minuten Zeit gaben, um ihre Aktmodelle zu zeichnen, ergänzt Julia.

Zum ersten Mal führen die drei Gymnasiastinnen von der Main-Taunus-Schule eine Besuchergruppe durch die Ausstellung. „Seitenwechsel“ heißt das Pilotprojekt, bei dem Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe zwölf Kunst nicht mehr nur betrachten, sondern selbst vermitteln. Zugleich eröffnen sie damit einen jugendlichen Blick auf die Bilder. Die Idee für ein solches Projekt schwebte laut Museumspädagogin Karin Wetzig schon länger im Raum. „Die Methode beruht auf dem pädagogischen Konzept des Lernens durch Lehren“, sagt sie. Gemeinsam mit der Kunstlehrerin Stefanie Berger vermittelte sie den zehn beteiligten Schülern die nötigen Grundlagen. Die drei Gruppen wählten dann selbst Kunstwerke für die Führungen aus und bereiteten diese eigenständig vor. Die übrigen zwölf Klassenkameraden aus ihrem Kunstleistungskurs dienten als Versuchskaninchen für die Ausstellungstour.

„Dass so viele Künstler nach Hofheim ins Blaue Haus kamen, wusste ich vorher gar nicht“, erzählt Dana. Zu den Bildern, die ihre Gruppe vorstellt, gehören auch einige Künstlerporträts der Mäzenatin und Malerin Hanna Bekker vom Rath. Die Mädchen machen ihre Zuhörer auf die sehr unterschiedliche Malweisen aufmerksam, die Hanna Bekker vom Rath von ihren Künstlerfreunden gelernt habe. Dazu stellen die jungen Ausstellungsführerinnen ihrem Publikum zwischendurch Fragen und beantworten wiederum welche. Im Hintergrund nicken Museumspädagogin Karin Wetzig und Lehrerin Stefanie Berger anerkennend. Beide wollen auch in Zukunft bei Ausstellungen wieder zusammenarbeiten. Anhand einiger Holzschnitte von Karl Schmidt-Rottluff erläutern die drei Schülerinnen, dass die Brücke-Künstler ohne Skizzen arbeiteten. Ein Holzschnitt erfordere aber nicht nur viel Kraft, Fehler ließen sich auch nicht mehr korrigieren. Wichtig sei es zudem gewesen, nichts zu idealisieren oder zu verschönern – nicht immer zur Freude aller Betrachter. „Es ist zum Teil so hässlich“, sagen Isabel und Dana hinterher offen. Und Julia räumt freimütig ein, dass ihr der Impressionismus besser gefalle. Die Arbeitsweise der Künstler und ihre Werke verstehe sie jetzt aber viel besser.

Die nächsten Führungen von Schülern der Main-Taunus-Schule sind am 22. und 29. Januar, jeweils um 15 Uhr. Eintritt und Führung kosten für Kinder 1,50 und für Erwachsene 2,60 Euro.

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