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Am Schwanz ziehen verboten

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Therapiehund Nelly lässt sich streicheln.
Therapiehund Nelly lässt sich streicheln. © FR/Schick

Der Therapiebegleithund Nelly soll Eschborner Kindergarten-Kindern die Angst vor Vierbeinern nehmen. Von Claudia Horkheimer

Von Claudia Horkheimer

Wenn Hunde und Kinder aufeinander treffen, ob beim Spaziergang oder beim Einkaufen, ist das nicht immer einfach. Entweder hat das Kind Angst und rennt weg und der Hund jagt hinterher, oder das Kind kneift den Hund in den Schwanz und der Hund reagiert entweder duldsam oder ärgerlich. Manchmal schleckt der Hund auch dem Kind übers Gesicht und das finden die Eltern nicht toll. In jedem Fall zeugen solche Zusammenkünfte meist nicht von Entspannung. Kein Wunder, dass viele Kindergartenkinder noch nie in ihrem Leben einen Hund richtig gestreichelt haben. So geht es auch vielen in der Kindertagesstätte Bremer Straße in Eschborn.

Deshalb ist Nelly (6) zu Besuch. Es ist der letzte Tag eines vierwöchigen Projekts. Heute zeigt Lilly den Kindern, wie man die Augen eines Würfels zählt, farbige Bälle unterscheidet und jemandem mit Schnupfen ein Taschentuch bringt. Die Labradorhündin mit dem schwarzglänzenden Fell ist ein ausgebildeter Therapiebegleithund. Ihre Führerin, Inge Moreth, von Beruf Krankenschwester, ist mit ihrer Hündin nebenberuflich bei Behinderten und Kindern im Einsatz. Sie bietet Tier gestützte Therapie in Kindergärten und Behinderteneinrichtungen an. Das Thema heißt diesmal "Kein Angst vor dem Hund."

Streicheln und Füttern

"Dabei geht es darum, wie ich mich richtig verhalte", sagt Moreth. Wichtig: "Nicht schreiend davon laufen und den Hund nicht am Schwanz ziehen." Die Drei- bis Sechsjährigen sind begeisterte Schüler. Hatten sie teilweise am ersten Tag noch Angst, überhaupt mit dem Hund in einem Raum zu sein, sind sie jetzt ausnahmslos erpicht, Nelly zu streicheln und zu füttern, was diese mit einem schmatzenden Hundelächeln quittiert.

"Wir haben die Erfahrung gemacht, dass viele Kinder Angst vor Hunden haben", sagt Kita-Leiterin Thea Benthamou. Auch gebe es in der Stadt nicht so viele Begegnungsmöglichkeiten. Deshalb hatte man die Idee für das Projekt. Im Training nimmt Moreth den Kindern die Angst indem sie sie Übungen mit dem Hund machen lässt. Das können Kunststücke oder praktische Übungen sein. So zeigt Nelly den Kindern etwa, wie es sich anfühlt, wenn sie an ihnen hochspringt. "Auge in Auge mit einem Hund zu sein ist doch etwas anderes", so Moreth. Und für spätere Begegnungen behielten die Kinder das Positive in Erinnerung.

"Nebenbei" könne ein Therapiehund bei vielen Problemen helfen. Er fördere die Motorik, bringe Entspannung bei Hyperaktivität und stärke das Selbstwertgefühl. Auch die 16 Kinder in der Gruppe wurden ausgewählt, weil man annahm, dass ihnen der Kontakt "emotional und sozial gut tue", so Benthamou. Das Projekt sei ein Erfolg und solle wiederholt werden. "Es wäre gut, wenn jede Kita einen eigenen Therapiehund hätte", findet Moreth. Der Bedarf ist da. Bereits drei weitere Kitas haben sich bei ihr angemeldet.

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