Analyse

Viele Ältere fühlen sich unsicher

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Die Stadt Schwalbach investiert 50.000 Euro in eine Seniorenbefragung. Der Soziologe Eike Hennig hat sie wissenschaftlich begleitet.

Etwa ein Drittel der rund 15 000 Einwohner Schwalbachs sind über 56 Jahre alt, jeder fünfte Senior ist mit über 80 Jahren hochbetagt. Viele ältere Menschen wohnen in Einfamilienhäuser, auch wenn diese Immobilien nach dem Auszug der Kinder oder dem Tod des Partners eigentlich zu groß geworden sind. Die allermeisten Senioren bewegen sich zu Fuß oder mit dem eigenen Auto durch die Stadt, fast zwei Drittel von ihnen sind in Vereinen und Kirchengemeinden aktiv. Das Thema Altersarmut spielt eine eher untergeordnete Rolle. Das sind die Eckpunkte einer Seniorenbefragung, die der Magistrat im vergangenen Jahr hat durchführen lassen. 50 000 Euro hat die Stadt dafür ausgegeben. Der aus Schwalbach stammende Soziologe Eike Hennig hat die Studie wissenschaftlich begleitet.

Gemeinsam mit Henry Kreikenbom vom Institut aproxima zog er jetzt eine grundsätzlich positive Bilanz über die Situation älterer Menschen in Schwalbach. Zwei Drittel der Befragten fühlten sich in der Stadt wohl und wollten auch weiterhin in Schwalbach wohnen bleiben. Die städtische Infrastruktur werde als grundsätzlich seniorenfreundlich bewertet.

Durchgeführt hat die Seniorenbefragung, die als Grundlage für einen Altenplan, dienen soll, das Institut aproxima, Gesellschaft für Markt und Sozialforschung.

271 Schwalbacherinnen und Schwalbacher ab 56 Jahren wurden in drei Altersgruppen befragt.

Wissenschaftlich begleitet hat die Studie der Politikwissenschaftler und Soziologe Eike Hennig. aro

„In der positiven Gesamtbilanz schlummern allerdings auch Probleme“, erläuterte Eike Hennig vor Journalisten. So gab etwa jeder dritte Befragte an, sich in der Stadt und speziell am Limes, wo es häufig zu Randalen Jugendlicher kommt, unsicher zu fühlen. Das sei ein „irritierender Wert“, sagte Hennig. „In großen Städten wie Frankfurt oder Wiesbaden ist er niedriger.“

Wenig auf die Bedürfnisse älterer Menschen zugeschnitten ist in Schwalbach der öffentliche Nahverkehr. Mehr als 82 Prozent der Befragten nutzen Bus und Bahn deshalb selten oder nie. Für viele ist das eigene Auto bis ins hohe Alter die „Gehhilfe“. Kleinbusse die in hoher Taktfrequenz in die Wohngebiete fahren und ein dichteres Netz an Haltestellen könnten Senioren dazu bringen, auf das eigene Auto zu verzichten, hat die Studie ergeben.

Er sei selbst überrascht gewesen, wie hoch der Anteil an Akademikern unter den Senioren in Schwalbach sei, berichtete Eike Hennig. Mit 28 Prozent liege er doppelt so hoch wie im Bundesdurchschnitt. Daraus erkläre sich unter Umständen die relativ solide finanzielle Situation der meisten älteren Menschen in Schwalbach. Nur wenige wollten aus der Stadt wegziehen. Selbst zwei Drittel der Über-80-Jährigen seien bereit, Barrieren im oder am Haus zu tolerieren. „Die Kriegs- und Nachkriegsgeneration hat da eine hohe Improvisationsbereitschaft“ stellte Henry Kreikenbom fest.

Knapp ein Viertel aller Befragten hat schon einmal über einen Umzug nachgedacht. Speziell Hochbetagte würden laut der Umfrage lieber mit Gleichaltrigen zusammenleben, mögen es nicht, wenn in Wohnblocks vorwiegend junge Menschen mit im Haus sind. Bezahlbare Wohnangebote in Seniorenresidenzen sind allerdings in Schwalbach kaum vorhanden, lange Wartezeiten an der Tagesordnung. Dass man in Nachbarstädte wie Königstein oder Bad Soden ausweichen muss, empfinden die meisten Senioren als Nachteil.

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