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Noch Bürgermeisterin, bald nur noch Bürgerin von Schwalbach: Christiane Augsburger (SPD). 

Schwalbach

Schwalbacher Bürgermeisterin verabschiedet sich von ihrem Traumjob

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Nach zwölf Jahren geht die SPD-Politikerin Christiane Augsburger in Schwalbach in den Ruhestand.

So hat sich Christiane Augsburger ihren Abschied als Bürgermeisterin nicht vorgestellt. Beim Schwalbacher Altstadtfest habe sie als Rathauschefin mit einem Freibieranstich den Bürgern Lebewohl sagen wollen, sagt die SPD-Politikerin. Das Coronavirus machte ihr einen Strich durch die Rechnung. Augsburgers Verabschiedung wird ebenso wie die Vereidigung ihres Nachfolgers Alexander Immisch (SPD) am kommenden Mittwoch bei der Stadtverordnetenversammlung im großen Saal des Bürgerhauses stattfinden. Maximal 82 Personen dürfen daran teilnehmen. Die Bürger können immerhin virtuell dabei sein. Die Sitzung der Parlamentarier wird live über den Youtube-Kanal der Stadt gestreamt.

Auch wenn der Kontakt unter den Schwalbacher Politikern in den letzten Wochen eingeschränkt war und die Gremien nicht tagen konnten, werde die Amtsübergabe reibungslos laufen, sagt Christiane Augsburger. Als langjähriger SPD-Parlamentarier sei ihr Nachfolger bestens vorbereitet auf seine neue Aufgabe. „Da mache ich mir keine Sorgen.“

Dass sie selbst für keine dritte Amtszeit kandidieren würde, hat Augsburger früh bekannt gegeben. Private Gründe seien dafür ausschlaggebend gewesen, betont die 59-Jährige, die mit dem früheren Arbeitsdirektor von Fraport, Herbert Mai, verheiratet ist. „Ich wollte endlich ein entspanntes Leben führen – jenseits der Politik und ohne Termindruck.“ Mehr Sport machen werde sie in Zukunft, Museen und Ausstellungen besuchen. „Diese Dinge sind in den letzten Jahren viel zu kurz gekommen“, bedauert Augsburger.

Über 17 Jahre  an leitender Stelle

Mehr als 17 Jahre lang war Christiane Augsburger an leitender Stelle im Schwalbacher Rathaus tätig: zunächst als Erste Stadträtin unter CDU-Bürgermeister Roland Seel und ab 2008 als Bürgermeisterin. Davor hatte die gebürtige Schwalbacherin fast drei Jahrzehnte als Justizangestellte am Frankfurter Amtsgericht gearbeitet und auf dem zweiten Bildungsweg ein Studium der Betriebswirtschaft abgeschlossen. Souverän gewann sie die Bürgermeisterwahlen 2008 und 2014 und blieb auch als Chefin der Stadtverwaltung stets die bürgernahe Politikerin, die gerne „unter die Leute ging“, um zu hören, was die Menschen in der Stadt am Limes bewegte.

„Es war mein berufliches Ziel, einmal Bürgermeisterin in Schwalbach zu werden“, gibt Augsburger unumwunden zu. „Das Bürgermeisteramt ist mein Traumjob.“ Deshalb falle ihr der Abschied auch nicht leicht. Sich künftig an anderer Stelle kommunalpolitisch engagieren oder gar ein Parlamentsmandat anstreben wolle sie trotzdem nicht. „Das ist nicht mein Plan. Ich gehe einfach in Pension.“

Zwei Dinge hat Christiane Augsburger in den zwölf Jahren als Rathauschefin erreicht, auf die sie besonders stolz ist. Da ist zum einen das Naturbad, dessen Bau sie mit Unterstützung von CDU und Grünen gegen die Stimmen ihrer eigenen Partei durchsetzte. Und die 15 000-Einwohner-Stadt, die jahrelang am finanziellen Abgrund stand, ist seit 2010 schuldenfrei. Eine hohe Gewerbesteuernachzahlung und weiterhin sprudelnde Steuereinnahmen international agierender Unternehmen, die sich in Schwalbach angesiedelt haben, machten das möglich.

Projekt Marktplatz nicht abgeschlossen

Ein Projekt, das Christiane Augsburger nicht abschließen konnte, ist die Neugestaltung des Unteren Marktplatzes, der durch gewalttätige Randale Jugendlicher mehrfach in die Schlagzeilen geraten war. Aktuell sei es ruhig rund um den Hochhauskomplex Bunter Riese, sagt sie. Zu verdanken sei das unter anderem der guten Kooperation zwischen Stadt und Polizei. Im Zuge des landesweiten Präventionsprogramms Kompass wurde ein Schutzmann vor Ort installiert und die Jugendarbeit neu strukturiert. Die Gruppe junger Leute, die mehrfach Mülltonnen in Brand setzten, Polizisten mit Steinen bewarfen und sogar einmal Augsburgers Auto schwer beschädigten, gelte es jedoch weiterhin im Blick zu behalten, sagt Christiane Augsburger. „Man kann nie ausschließen, dass es Nachahmer gibt.“

Den Marktplatz attraktiver zu gestalten ist nun Aufgabe ihres Nachfolgers Alexander Immisch. Die Arbeiten gerieten ins Stocken, weil eine von den Grünen initiierte Bürgerinitiative die Fällung mehrere Kastanienbäume verhindern wollte. Außerdem könnten der Platz am Rathaus und das Limes-Einkaufszentrum, das vor mehr als zwölf Jahren eröffnet wurde, ein Facelifting gebrauchen, sagt Augsburger.

Am 6. Juni wird Christiane Augsburgers letzter Arbeitstag als Bürgermeisterin sein. Am Tag darauf bezieht Alexander Immisch das Büro des Rathauschefs für die nächsten sechs Jahre. Er hatte sich bei der Stichwahl am 15. März mit 54,3 Prozent der Stimmen gegen den CDU-Kandidaten Dennis Seeger durchgesetzt.

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