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Schwalbach Verschattung im Wohnquartier

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Von: Jürgen Streicher

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Arnold Bernhardt (mit grüner Jacke) diskutiert mit Anwohnerinnen und Anwohnern über Vor- und Nachteile einer Änderung des Bebauungsplans.
Arnold Bernhardt (mit grüner Jacke) diskutiert mit Anwohnerinnen und Anwohnern über Vor- und Nachteile einer Änderung des Bebauungsplans. © Michael Schick

In Schwalbach wollen die Menschen in der Damaschke-Siedlung umbauen für mehr Wohnraum. Das wird das Wohnen verändern.

Wenn die Sonne hinter dem Fernheizwerk aufgeht, wird Licht und Schatten in der Reihenhaussiedlung an der Adolf-Damaschke-Straße ziemlich gerecht verteilt. Firsthöhe und Dachneigung ist bei allen Häusern gleich, die kleinen Gärten sind alle nach Südwesten ausgerichtet. Dachaufbauten gibt es nicht, keinen Streit um Nachbarschaftsrechte. Noch hat die Siedlungseinheit ihr altes Gesicht bewahrt. Bis auf Kleinigkeiten, nachträglich eingebaute Dachfenster, Solaranlagen. Das Muster folgt über all die Jahre dem Ziel einer Gesamtanlage als gestalterische Einheit, der Idee der Gründerväter, die in den 60er- und 70er-Jahren des 20. Jahrhunderts die „Wohnstadt Limes“ zügig aus dem Boden stampften. In diesem Bereich am Fernheizwerk im Geiste Adolf Damaschkes, dem Bodenreformer und Mitgründer von Siedlungsgesellschaften und Mietergenossenschaften.

Die Initiative hin zum Wandel stammt aus der Bürgerschaft, fast alle Eigentümer:innen der Häuser stimmen einer Aktualisierung des Bebauungsplans Nr. 84 zu. Alle wurden befragt vor der Eingabe an den Magistrat, das Votum war deutlich. Ziel ist es, die Vorgaben zu den Dachformen so zu ändern, dass der niedrige Dachbereich über den zwei Vollgeschossen der schmalen Häuser als Wohnraum genutzt werden kann. Oder, wie in diesen Zeiten üblich, als Homeoffice.

Nun liegen Entwürfe für mögliche Aufbauten vor, im Ausschuss für Bau, Verkehr, Umwelt und Klimaschutz stehen sie am Mittwoch öffentlich zur Diskussion. Am Samstag hatten die örtlichen Grünen, die eine Änderung des Bebauungsplans befürworten, zum Wendehammer im Wohngebiet am Ostring eingeladen, um vor einer Entscheidung mit den Menschen im Quartier zu reden.

Bilder zu den fünf Varianten haben die Ortspolitiker:innen mitgebracht, die jeweilige Visualisierung der von einem Planungsbüro vorgelegten Optionen verdeutlicht den knapp 20 Interessenten schnell, dass ihre Siedlung ein neues Gesicht bekommen wird, wenn die geplante Änderung erfolgt. Durch steilere Dächer mit einer Neigung von 40 Grad statt bisher nur 30 Grad etwa, durch den Einbau von großen Gauben in beide Richtungen, durch Aufstockung mit einem Trempel bis zu einem Meter Höhe, um die bisherige Dachneigung halten zu können, fünf Varianten insgesamt.

„Die Frage ist nicht ob, es wird sich was ändern“, sagt Thomas Nordmeyer von den Grünen, der mit dem Fraktionskollegen Arnold Bernhardt die Moderation am Straßenrand übernommen hat. „Wir halten das für sinnvoll“, sagt Bernhardt, neue Wohnflächen könnten ohne weitere Versiegelung geschaffen werden. Auch CDU und SPD haben Zustimmung signalisiert, die Grünen wollen den Bürgerwunsch zum Maßstab beim finalen Beschluss nehmen. „Wehret dem Wildwuchs“, mahnt indes Hans-Werner Mattis (FDP), der auch zum Ortstermin gekommen ist. Neue Regeln würden Rechte für mehr als 60 potenzielle Dachausbauer:innen schaffen, ein Anwohner aus der kleinen Gruppe der Mahner:innen befürchtet gar einen „Überbietungswettbewerb“ unter den Nachbar:innen. „Es wird potthässlich, es wird schrecklich.“

Die am wenigsten eingreifende Variante mit Gauben bei bisheriger flacher Dachneigung kommt am besten an, ein allzu bunter Mix, gar mit unterschiedlicher Firsthöhe, soll verhindert werden. Doch Streit um Nachbarschaftsrechte könne es auch schon dabei geben, wird befürchtet. Wenn der Nachbar dem Nächsten, der nicht aufstocken will oder kann, die Sonne zu bestimmten Tageszeiten nimmt. Auf dem Balkon, der Terrasse oder auf dem Dach. Weil die Solaranlage nicht mehr so arbeiten könne wie bisher berechnet, wie einer mahnt. Verschattung und Abschattung sind Begriffe, die mehrfach in der Diskussion am Wendehammer auftauchen, das müsse „sehr genau abgeprüft werden“, fordern die Bedenkenträger und auch die Befürworterinnen. Die neue mögliche Wertsteigerung der Häuser auf den knappen Grundstücken, für die angeblich schon bis zu 1000 Euro pro Quadratmeter aufgerufen werden, soll nicht zu Unfrieden im Quartier führen. Findet der Bauausschuss am Mittwoch einen Kompromiss, könnte es schnell gehen auf den Dächern am östlichen Stadtrand.

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