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Schwalbach: Jugendliche führen durch Ausstellung „Der Weg der Sinti und Roma“

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Udo Engbring-Romang (2.v.r.) bildet Schülerinnen und Schüler der Albert-Einstein-Schule zu Ausstellungs-Guides aus.
Udo Engbring-Romang (2.v.r.) bildet Schülerinnen und Schüler der Albert-Einstein-Schule zu Ausstellungs-Guides aus. © Monika Müller

Schülerinnen und Schüler der Albert-Einstein-Schule haben an einem Workshop mit dem Historiker und Politologen Udo Engbring-Romang teilgenommen. Sie wollen Gleichaltrigen das Schicksal der Sini und Roma näher bringen.

Das Thema Ausgrenzung von Minderheiten ist den Oberstufenschüler:innen der Albert-Einstein-Schule nicht fremd. Das Schwalbacher Gymnasium beteiligt sich seit einiger Zeit an dem Projekt „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“. Die Verfolgung von ethnischen Gruppen werde auch im Unterricht behandelt, erzählen die Jugendlichen.

So nah wie bei dem Workshop im Schwalbacher Rat- und Bürgerhaus am gestrigen Montag waren sie am Erleben von Menschen, die wegen ihrer Herkunft stigmatisiert und benachteiligt werden, aber noch nie dran. Weit über zwei Stunden führte der Historiker und Politologe Udo Engbring-Romang die Schülerinnen und Schüler durch die Ausstellung „Der Weg der Sinti und Roma“, die von Mittwoch an zu sehen ist. Die Erläuterungen des Experten haben die Jugendlichen darauf vorbereitet, Gleichaltrige später durch die Ausstellung zu führen.

Der Arbeitskreis Kindheit und Jugend im Nationalsozialismus hat die Schau nach Schwalbach geholt. Auf 37 Tafeln informiert der Hessische Landesverband der Sinti und Roma über Verfolgungs- und Diskriminierungsgeschichte der Minderheit. Thematisiert wird die Wirkung von Bildern und Zuschreibungen gegen Sinti und Roma vom 16. bis ins 20. Jahrhundert.

Ausstellung

Die Ausstellung mit dem Titel „Der Weg der Sinti und Roma“ ist von 19. bis 28. Januar im Ausstellungsraum des Schwalbacher Rat- und Bürgerhauses zu sehen. Sie kann zu den Öffnungszeiten des Rathauses besucht werden.

Zu einem Online-Vortrag mit dem Titel „Wie Zigeunerbilder einen Völkermord möglich machten“ lädt der Hessische Landesverband Deutscher Sinti und Roma für heute, Dienstag, 18. Januar, ein. Beginn ist um 19 Uhr. Der Link für das Zoom-Meeting ist auf www.kulturkreis-schwalbach.de zu finden. aro

Betroffene kommen zu Wort, schildern ihre Erfahrungen im Schulunterricht, wo sie von Lehrer:innen und Mitschüler:innen ausgegrenzt wurden. Eine Sintezza berichtet anonym, dass sie ihre Herkunft verleugne, um der Diskriminierung im Alltag zu entgehen. Auf den Tafeln werden auch die Selbstorganisation der Sinti und Roma nach 1980 und die Erfolge der Bürgerrechtsarbeit dargestellt, aber auch die massive Ablehnung durch einen Teil der deutschen Bevölkerung. Eine Umfrage unter Jugendlichen habe gezeigt, dass die Vorurteile gegen „Zigeuner“ immer noch dieselben seien. Als heimatlose Menschen ohne Land würden Sinti und Roma wahrgenommen, sagt Udo Engbring-Romang, der die Ausstellung konzipiert hat. „Die Nachwirkungen der jahrhundertelangen Diskriminierung und des Völkermordes in der Zeit des Nationalsozialismus sind bis heute spürbar.“

Das Thema Rassismus und das Schicksal der Sinti und Roma würden in der Ausstellung weit vielschichtiger als im Unterricht beleuchtet, resümierte Clara nach dem Workshop mit Udo Engbring-Romang. Die Zwölftklässlerin vertritt ihre Klasse im Vorstand des Projektes „Schule gegen Rassismus“ an der Albert-Einstein-Schule.

Bei der Gedenkveranstaltung des Hessischen Landkreistages für die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar werden sie und ihre Mitschülerin Luka eine Rede halten. Darin will Clara das, was sie in der Ausstellung über die Sinti und Roma gelernt hat, einfließen lassen.

Sich die historischen Ursprünge der Diskriminierung von Sinti und Roma vor Augen zu führen, habe ihr geholfen, deren Schicksal besser zu verstehen, sagte Belén. „Darüber konnten wir im Unterricht nicht im Detail sprechen.“

Beeindruckt sind die Oberstufenschüler:innen auch von der eigenständigen Sprache und den Erzähltraditionen der Sinti und Roma sowie der Schaffung eines besonderen Musikgenres, des Sinti-Swing. Mit diesen Informationen weite sich der Blick auf die Volksgruppe, finden Luka und Clara. Sinti und Roma definierten sich nicht mehr nur über ihre Verfolgung, sondern über ihre eigene Kultur. „Das ist ein Aspekt, den wir bisher kaum gekannt haben.“

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